# taz.de -- Katastrophenschutz in Schweden: Gesammelte Aufrüstung
> Schweden stärkt die Bedeutung der zivilen Verteidigung seit Jahren. Auch
> Privatpersonen können im Kriegsfall Aufgaben zugewiesen bekommen.
(IMG) Bild: Schwedens Zivilschutzminister Carl-Oskar Bohlin präsentiert die Broschüre „Wenn Krise oder Krieg kommt“, 2024
Manchmal sind es Äußerlichkeiten: Um zu zeigen, wie ernst es ihr ist,
benannte die schwedische Regierung Anfang des Jahres das „Amt für
Zivilschutz und Bereitschaft“ um, in „Amt für zivile Verteidigung“. Der
zuständige Minister Carl-Oskar Bohlin erklärte, der neue Name sei Ausdruck
der Verantwortung, die die Behörde schultere. Sie solle sicherstellen,
[1][dass die schwedische Gesellschaft auf Krisen und Krieg vorbereitet
ist.]
Dieses Ziel soll sie nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit den Streitkräften
erreichen. So sieht es das Konzept „Totalförsvaret“ vor, die
Gesamtverteidigung. Seit gut zwei Jahren wird sie auf den neuesten Stand
gebracht – nach einem „Schweden nicht bereit!“-[2][Weckruf von Minister
Bohlin] und seinem militärischen Verteidigungskollegen Pål Jonson.
Das Amt für zivile Verteidigung und die Streitkräfte erarbeiteten ein
gemeinsames Dokument mit Szenarien, auf die Schweden vorbereitet sein
müsse. Die reichen von hybrider Bedrohung und Angriffen auf Nordschweden
über die Rolle als Transitland für Militärtransporte bis zu Drohnenattacken
und möglichen Einsätzen als Nato-Partner. Ziel ist es, in jedem Fall
wichtige gesellschaftliche Funktionen aufrechterhalten und die Bevölkerung
schützen zu können.
Alle, die im Krisen- oder Kriegsfall in Schwedens Gesamtverteidigung
eingehen, sollen auf Grundlage des gemeinsamen Dokuments die für sie
jeweils nötigen Vorkehrungen treffen können – und zwar umgehend. Es eile,
das klingt immer durch. Angesprochen sind öffentliche Akteure aller Ebenen,
Unternehmen und Organisationen. Von Kommunen etwa wird ein Plan zur
Notfallversorgung erwartet.
## Bei Evakuierung helfen
Auch Privatpersonen können im Kriegsfall Aufgaben zugewiesen bekommen – die
Pflicht, an der Gesamtverteidigung mitzuwirken, gilt in Schweden für alle
im Alter zwischen 18 und 70 Jahren. Das kann bedeuten, einfach weiter zur
Arbeit zu gehen, aber auch mit Privatautos bei einer Evakuierung zu helfen.
In einem Bereich ist Schweden traditionell stark: Es gibt im Land verteilt
gut 64.000 Schutzräume mit Platz für insgesamt sieben Millionen Menschen –
in allen möglichen Gebäuden von Fabriken bis Mietshäusern.
In Friedenszeiten dürfen die Räume anders genutzt werden. Auf Anordnung
müssen sie aber innerhalb von zwei Tagen für Schutzsuchende bereit sein –
mit abgefülltem Wasser, Toiletten, ausreichend Wärme und Belüftung. Alles
darüber hinaus müssen die Menschen selbst mitbringen. Entsprechende Listen,
auch die für den empfohlenen Krisenvorrat in Privathaushalten, wurden im
Land in den vergangenen beiden Jahren fleißig diskutiert.
18 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schweden-preppt-fuer-den-Ernstfall/!6031305
(DIR) [2] /Personelle-Aufruestung-in-Schweden/!5988213
## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
## TAGS
(DIR) Katastrophenschutz
(DIR) Zivilschutz
(DIR) Schweden
(DIR) Finnland
(DIR) Russland
(DIR) Schweden
(DIR) Longread
(DIR) Kolumne Stadtgespräch
(DIR) Schweden
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Umstrittene Grundgesetzänderung: Schweden will Staatsangehörigkeit wieder entziehen können
Menschen mit mehreren Staatsbürgerschaften können künftig die schwedische
wieder verlieren, wenn sie den „vitalen Interessen“ des Landes schaden.
(DIR) Estnische Grenzstadt Narva: Leben im möglichen Einfallstor für Putin
Das estnische Narva grenzt direkt an Russland. Wie lebt es sich in einer
Stadt, über die es immer wieder heißt, sie sei die nächste Kriegsfront?
(DIR) Ballerbü statt Bullerbü: Was sind das für Schüsse? Warum kommen die näher?
Von wegen ruhiges Dorfleben in Schweden: Dort erschrecken unerwartete
Kampfgeräusche. Hätte man vorher nicht mal wenigstens Bescheid sagen
können?
(DIR) Schweden preppt für den Ernstfall: Stell dir vor, es ist Krieg
In Schweden soll die Bevölkerung in Kursen lernen, wie man sich auf Krisen
und Kriege vorbereitet. Unsere Autorin war dabei. Und baut jetzt Gemüse an.