# taz.de -- Nach Kritik an Migrationspolitik: „Teenager-Ausweisungen“ in Schweden vorerst gestoppt
       
       > Das skandinavische Land macht einen Rückzieher bei seiner „strammen
       > Migrationspolitik“. Jugendliche verlieren jetzt nicht mehr mit 18 das
       > Aufenthaltsrecht.
       
 (IMG) Bild: Edda Bausch von den schwedischen Christdemokraten: Schweden gelte nicht mehr als das Land, in das man mal eben migrieren könne
       
       Seit Wochen sorgten in Schweden die sogenannten Teenager-Ausweisungen für
       Empörung und Protest. Jetzt macht die schwedische Regierung einen
       Rückzieher – auch bei anderen kritisierten Aspekten ihrer „strammen
       Migrationspolitik“. Die größte Nachricht vom Freitag aber war: Die
       Ausweisungen junger, in Schweden etablierter Menschen kurz nach ihrem 18.
       Geburtstag werden bis auf Weiteres sofort gestoppt.
       
       Die Regierung von Ministerpräsident Ulf Kristersson (Moderate) kündigte in
       dem Zusammenhang eine Gesetzesänderung an, damit es künftig mehrere
       Möglichkeiten für Familienangehörige gebe, einen Aufenthaltstitel zu
       bekommen. [1][Die früheren Gesetzesänderungen derselben Regierung hatten
       dazu geführt, dass immer mehr junge Menschen kurz nach ihrem 18. Geburtstag
       ausgewiesen wurden].
       
       Dass sie bis gerade noch legal zu Hause bei ihren Eltern wohnten, demnächst
       vielleicht ihr Abitur machen und dann ein Studium anfangen wollten, zählte
       nicht mehr. Die Ausländerbehörde hatte sie mit 18 ausnahmslos wie
       Erwachsene zu behandeln. Und für deren Aufenthaltsrecht gelten strengere
       Kriterien als früher.
       
       Noch am Freitag teilte das zuständige „Migrationsverket“ mit, ab sofort
       keine Ausweisungen von jungen Menschen zu beschließen, die ihre befristete
       Aufenthaltserlaubnis als Kinder ihrer eingewanderten Eltern bekommen
       hätten.
       
       ## Fehler ja, aber angemessene
       
       Die Vorsitzenden der drei Parteien der liberal-konservativen Koalition und
       der sie unterstützenden rechten Schwedendemokraten lobten bei der
       Pressekonferenz am Freitagmorgen ihre Migrationspolitik. Die Begriffe
       „stramm“ und „Ordnung“ fielen mehrfach. Aber, so begründeten sie nun ihre
       Korrekturen, es müsse auch „gesunde Vernunft“ gelten. Die Konsequenzen der
       Politik müssten angemessen bleiben, so Ministerpräsident Kristersson.
       
       Christdemokraten-Chefin Ebba Busch erinnerte daran, dass das schwedische
       Volk nun den Begriff „Paradigmenwechsel“ kenne, denn einen solchen habe man
       in den vergangenen Jahren vollzogen, und mit Erfolg. Schweden gelte nicht
       mehr als das Land, in das man mal eben migrieren könne. Aber, so Busch, man
       müsse bei solch großen Veränderungen auch prüfen, wo unerwünschte Effekte
       eintreten, und das habe man nun gemacht.
       
       ## Sonderregeln für Kinder – und Teenager in Ausbildung
       
       Migrationsminister Johan Forssell (Moderate) hatte zuvor nach der heftigen
       Kritik das Erarbeiten von Sonderregeln für Teenager angekündigt, die ihre
       Schulbildung noch nicht abgeschlossen hätten. Einen sofortigen Stopp der
       Ausweisungen schloss er da noch aus. [2][Auch Kristersson] hatte sich
       anfangs abwehrend geäußert – man würde jetzt keine weiteren „komischen
       Ausnahmen“ im Gesetz mehr machen.
       
       Zum besonderen Symbol der großen schwedischen Debatte wurde schließlich
       kein Teenager, sondern ein Baby. [3][Der acht Monate alte Emanuel bekam
       einen Bescheid, er werde in den Iran ausgewiesen].
       
       Seine Mutter hatte ihre Arbeitserlaubnis über den sogenannten Spurwechsel
       erhalten – anstatt politisches Asyl zu bekommen, konnte sie in Schweden
       also wegen ihrer inzwischen gefundenen Arbeit bleiben. Den Spurwechsel hat
       die jetzige Regierung abgeschafft. Er würde in großem Umfang von Menschen
       ausgenutzt, die gar keine Chance auf Asyl hätten, war die Begründung.
       
       Und wenn nun jemand zwar noch wegen der alten Regelung bleiben darf, dann
       aber ohne Ausweitung seiner Aufenthaltsgenehmigung auf Familienmitglieder.
       Anscheinend also nicht einmal, wenn es sich um das in Schweden geborene
       Baby von einer sich rechtmäßig hier aufhaltenden Mutter handelt. Dieser
       Fall war vor einigen Wochen der erste, bei dem auch Regierungsmitglieder
       einräumten, dass das seltsam klinge.
       
       ## Wahl im September und Furcht vor Glaubwürdigkeitsverlust
       
       Im September wird in Schweden gewählt. „Seltsame“ Folgen ihrer Politik kann
       die Regierung kaum ohne Glaubwürdigkeitsverlust als volle Absicht
       verkaufen. Nun handelt sie also. Schwedische Beobachter sprachen nach der
       Pressekonferenz von einem „breiten“ Rückzug. Denn es sind nicht nur die
       Teenager-Ausweisungen, an denen geschraubt wird.
       
       Andere Geschichten der vergangenen Monate handelten von längst etablierten
       Familien, die das Land verlassen mussten, weil sie von dem abgeschafften
       Spurwechsel kamen. Wenn die Arbeitserlaubnis auslief, können sie derzeit
       nicht vor Ort die Verlängerung beantragen, sondern nur vom Ausland aus eine
       neue. Falls ihnen der Job trotz der Ausweisung bleibt und das Gehalt hoch
       genug ist.
       
       ## Ausnahmeliste für dringend benötigte Berufe
       
       Großes Thema waren nämlich auch Pflegekräfte, die plötzlich ausgewiesen
       wurden, weil ihr schmales Einkommen nicht mehr der stark erhöhten
       Mindestgrenze für eine Arbeitserlaubnis entspricht.
       
       Und siehe: Auch hierfür arbeitet die Regierung nun an Veränderungen.
       Spurwechsel-Leute sollen künftig von Schweden aus ihre Arbeitserlaubnis
       verlängern können. Und: Es wird eine Ausnahmeliste geben mit Berufen, für
       die man eine Arbeitserlaubnis bekommen kann, auch wenn man nicht
       umgerechnet 3.000 Euro (ab Sommer 3.300 Euro) verdient. Soviel wollte man
       am Freitag schon sagen, dass Pflegeberufe auf dieser Liste stehen werden.
       
       Diese Justierungen ändern nichts an der grundsätzlich „strammen“ Politik.
       Besonders umstritten ist dabei etwa der Plan, unbefristete
       Aufenthaltserlaubnisse zurücknehmen zu können, ein wichtiges Projekt der
       Schwedendemokraten. Auch zu dessen Umsetzung wurden nun noch weitere
       Untersuchungen angekündigt.
       
       7 Mar 2026
       
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