# taz.de -- Reform der EU-Agrarzahlungen: Agrarbetrieben im Osten droht Verlust hoher Subventionen
> Wenn die EU-Agrarsubventionen von großen zu kleinen Höfen umverteilt,
> könnte Ostdeutschland „enorm“ leiden. Das zeigt eine neue Studie aus
> Sachsen.
(IMG) Bild: Blühende Landschaft: Rapsfeld in Brandenburg
Die ostdeutsche [1][Landwirtschaft] würde hohe Zahlungen aus Brüssel
verlieren, wenn die EU-Kommission ihren Vorschlag für die Reform der
Agrarsubventionen durchsetzt. Allein Sachsen erhielte je nach Ausgestaltung
der neuen Regeln pro Jahr 44 bis 82 Millionen Euro weniger, falls Mittel
von großen zu kleinen Betrieben umverteilt würden.
Dazu kämen Kürzungen beispielsweise beim EU-Finanzierungsanteil für
Agrarumweltmaßnahmen wie Blühstreifen. Das schreibt ein AutorInnenteam um
die Landwirtschaftsprofessoren Alfons Balmann und Sebastian Lakner in einer
am Mittwoch veröffentlichten Studie.
Der Vorschlag der Kommission würde den AutorInnen zufolge „zu einer
Umverteilung von den wirtschaftlich schwächeren ostdeutschen Bundesländern
in Richtung wirtschaftlich stärkerer süd- und westdeutscher Bundesländer,
insbesondere Bayern“ führen. Der Hauptgrund ist, dass die Betriebe im
Schnitt im Osten größer sind als im Westen.
Die Folgen „wären so dramatisch, dass es politisch nicht zu verantworten
ist“, sagte der sächsische Grünen-Landtagsabgeordnete Wolfram Günther,
dessen Fraktion die Expertise in Auftrag gegeben hatte.
## Subventionen als stärkster Hebel
Die [2][gemeinsame Agrarpolitik der EU] ist einer der größten Hebel, um die
Landwirtschaft und deren Folgen für Umwelt und Klima zu beeinflussen. Denn
die Subventionen – von 2028 bis 2034 plant die Kommission insgesamt rund
300 Milliarden Euro ein – liefern für viele Betriebe rund die Hälfte ihres
landwirtschaftlichen Einkommens.
Die wichtigste Subventionsart, die Direktzahlungen, wird pro Hektar
berechnet, sodass größere Betriebe mehr Geld bekommen. Das will die
Kommission etwas ändern: Die Hektarzahlungen oberhalb von 20.000 Euro
jährlich sollen um 25 bis 75 Prozent und oberhalb von 100.000 Euro
vollständig gekürzt werden. Zudem sollen die Mitgliedstaaten einen höheren
Anteil der Kosten für Agrarumweltmaßnahmen selber tragen.
Letzteres bedeutet für Sachsen der Studie zufolge, dass Bund und Land in
der siebenjährigen Förderperiode ab 2028 rund 240 Millionen Euro zusätzlich
für die bisherigen Umweltprogramme in der Landwirtschaft zahlen müssten. Da
die Kommission den Mitgliedstaaten kein Mindestbudget dafür vorschreiben
will, könnten sie es kürzen zugunsten der Direktzahlungen, deren Vorteile
für die Umwelt umstritten sind, warnen die ForscherInnen.
## Kritik von Kleinbauern
Die Umverteilung von Direktzahlungen von großen zu kleinen Betrieben schade
Sachsen „enorm“, weil etwa 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche von
den 100 größten Unternehmen bewirtschaftet werden, die durchschnittlich
über 2.700 Hektar Fläche verfügten.
Die Kürzungen würden „eine Reihe“ von Unternehmen „akut gefährden“, so die
WissenschaftlerInnen. Größere Betriebe könnten Flächen an weniger
betroffene Höfe verlieren. In Regionen, die von Agrargenossenschaften mit
vielen Mitarbeitern und vielen Pachtflächen geprägt sind, litten „breite
ländliche Bevölkerungsgruppen“ als Mitglieder/Anteilseigner, Beschäftigte
und Verpächter, heißt es in der Studie.
Die Analyse stieß auf Kritik der [3][Arbeitsgemeinschaft bäuerliche
Landwirtschaft] (AbL), die vor allem kleine und mittlere Höfe vertritt.
„Die Umverteilung ist einer der wenigen positiven Aspekte im Vorschlag der
EU-Kommission“, sagte Ottmar Ilchmann, agrarpolitischer Sprecher des
Verbands, der taz. Da künftig weniger Subventionen zur Verfügung stünden,
müssten sie konzentriert werden auf kleinere Betriebe, die sie am stärksten
benötigen.
Denn große Unternehmen hätten sowieso Vorteile, etwa weil sie mehr Dünger
kaufen und so niedrigere Preise aushandeln könnten. „Das ist auch eine
Gerechtigkeitsfrage. Das Motto darf nicht mehr sein: Wer hat, dem wird
gegeben“, forderte Ilchmann, der in Niedersachsen einen Milchviehbetrieb
mit rund 60 Hektar bewirtschaftet.
Er wies auch darauf hin, dass viele von den geplanten Kürzungen betroffenen
Unternehmen keinesfalls Genossenschaften, sondern maßgeblich zum Beispiel
GmbH seien, in denen wenige Menschen das Sagen haben. Eine Studie des
bundeseigenen Thünen-Agrarforschungsinstituts habe gezeigt, dass zahlreiche
Agrarfirmen im Osten ortsfremden Investoren gehörten.
## Verbleib im Bundesland
„Solche Investoren kommen ja häufig von außerhalb der Landwirtschaft.“
Ilchmann sprach sich aber dafür aus, dass die bei großen Betrieben
gekürzten Subventionen im jeweiligen Bundesland bleiben.
Die Umverteilung würde kleinen Betrieben ermöglichen, höhere Pacht für Land
zu bezahlen, wovon auch die oft lokal verwurzelten Verpächter profitierten,
ergänzte der Landwirt. Es nütze der Umwelt, kleine Höfe zu stärken. Denn
sie hätten weniger Möglichkeiten, kleine Felder zu großen zusammenzulegen.
WissenschaftlerInnen hätten bewiesen, dass kleinere Einheiten für eine
größere Artenvielfalt sorgten. „Wenn es mehr Bäuerinnen und Bauern gibt,
gibt es mehr Anbauentscheidungen und tendenziell mehr Vielfalt“, so
Ilchmann.
20 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
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