# taz.de -- Mehr Inklusion gefordert: Bündnis für eine gerechtere Schule gründet sich in Berlin
> Mit Blick auf die Wahl fordern Bildungsinitiativen eine
> „Kraftanstrengung“ für Bildungsgerechtigkeit. Die aktuelle Politik
> verschärfe soziale Ungleichheiten.
(IMG) Bild: Mehr Mitbestimmung fordert Berlins Landesschüler*innenvertretung – das sei letztlich die wichtigste Demokratiebildung
„In der Schule lernen Schüler*innen, wie Demokratie geht“, sagt Jennifer
Rosin. „Und das lernen sie vor allem darüber, dass sie sich dort beteiligen
und mitbestimmen können. Politikunterricht und politische Bildung sind auch
wichtig, reichen dafür aber nicht“, sagt sie.
Rosin ist Landesschülersprecherin in Berlin und präsentiert am Donnerstag
zentrale Forderungen für demokratischere Schulen, die ein neu gegründetes
Bündnis unter dem Namen „Gute Schule für alle“ aufgestellt hat. Neben mehr
Demokratie fordert das Bündnis auch konsequent umgesetzte Inklusion und
mehr Bildungsgerechtigkeit.
Das Vertrauen in demokratische Strukturen schwinde, erläutert Rosin.
Schulen hätten hier eine zentrale Aufgabe, jungen Menschen dieses Vertrauen
zu vermitteln. Aktuell sehe der Landesschüler*innenausschuss (LSA)
hier noch sehr viel Handlungsbedarf. „Für eine hochwertige schulische
Bildung sind nicht nur zusätzliche Ressourcen nötig, sondern ein
grundlegendes Umdenken“, fordert sie. Neben der Mitbestimmung läge dem LSA
auch das Wohlergehen der Schüler*innen sehr am Herzen.
Schüler*innen seien zunehmend psychisch belastet, erkrankt oder fühlten
sich einsam – das sei eine „inakzeptable Lage“, sagt Rosin. [1][Um dem
Leistungsdruck entgegenzuwirken, sollten Schulen die Klassen- und
Vergleichsarbeiten] reduzieren und andere Formen der Beurteilung finden.
„Das Notensystem ist zu starr“, sagt sie, auch die Lehrer*innen seien
davon belastet. „Das System kann nur funktionieren, wenn es allen gut geht
– den Schüler*innen, den Eltern und den Lehrer*innen“, sagt Rosin.
## Blick auf überfachliche Kompetenzen
Jennifer Roßberg vom Landeselternausschuss bekräftigt die Forderungen der
Schüler*innenvertretung. Auch die Eltern seien belastet, sagt sie. Wichtig
[2][sei mehr Transparenz und Fairness bei den Übergängen] zwischen
Grundschule und weiterführender Schule und für mögliche Wechsel in die
gymnasiale Oberstufe. Sie spricht außerdem die hohen Kosten für Lern- und
Lehrmittel an, die seien diskriminierend. „Die Anforderungen sollten an die
Menschen angepasst werden, nicht andersherum“, fordert Roßberg. Aus
Elternperspektive würden sie sich den Blick auf überfachliche Kompetenzen
der Schüler*innen und mehr Berufsorientierung wünschen.
Janine Schott vom Berliner Bündnis für schulische Inklusion kritisiert,
dass aktuell rund 2.800 Kinder in Berlin nicht beschult würden. „Diese
[3][Kinder werden in ihrem Recht auf Bildung behindert], weil Schulen keine
angemessenen Vorkehrungen treffen“, sagt sie. Im Inklusionsbündnis seien
inzwischen auch vermehrt Jurist*innen Mitglied – aus gutem Grund, wie
Schott darlegt, denn die Kinder hätten einen gesetzlichen Anspruch auf eine
inklusive Schule. „Berlin rühmt sich als weltoffene Stadt, im Zusammenhang
mit Olympia wird Inklusion hochgehalten – aber in der Bildung baut der
aktuelle Senat die Segregation weiter aus“, sagt Schott. Die
Bildungsverwaltung würde zunehmend Inklusion als „unrealistisch“
darstellen.
Für die Seite der Lehrer*innen bekräftigte Lydia Puschnerus, selbst
Lehrerin und Leiterin vom Vorstandsbereich Schule bei der Gewerkschaft für
Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin, dass die Forderung nach noch mehr
Tests, Output und Abschlüssen guter Schule im Weg stehe. „Bildungsqualität
bedeutet, dass Lehrer*innen genug Zeit für gute Begleitung haben und die
Ruhe, [4][sich auf die komplexen Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen
einzulassen]“, sagt sie. Schule müsse ein Ort werden, an dem sichtbar sei
„hier fühlen Schüler*innen und Lehrer*innen sich wohl“, sagt
Puschnerus. Dann würden auch wieder mehr Menschen Bildungsberufe ergreifen.
Das Bündnis [5][unterstreicht seine Forderungen mit einer langen Liste
konkreter Maßnahmen] und Forderungen für mehr Gerechtigkeit, Inklusion und
Demokratie in der Schule. Darunter fallen etwa Forderungen nach mehr
Personal und Vertretungsreserven und nach umfassender Entlastung für
Lehrer*innen und Erzieher*innen. Diese sollten auch [6][weiter gehen als
die Anfang der Woche bekannt gegebenen Vereinbarungen zwischen der GEW und
der Bildungsverwaltung]. Neben der GEW, den Landesschüler*innen- und
Elternvertretungen und dem Bündnis für Inklusion sind auch die Initiativen
„Schule muss anders“, „Lautwerden für Bildung“ sowie Interessenvertretungen
wie der Grundschulverband Teil des Bündnisses.
23 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Uta Schleiermacher
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