# taz.de -- Schulen in Berlin: Entlastung für Lehrer*innen und Erzieher*innen
> Die GEW hat sich mit der Bildungssenatorin auf eine Reihe von Maßnahmen
> zur Entlastung an Schulen geeinigt. Weitere Schritte sollen folgen.
(IMG) Bild: Bei der Unterzeichnung der Entlastung: Senatorin Katharina Günther-Wünsch und Gökhan Akgün, Vorsitzender der GEW
Um Lehrer*innen und Erzieher*innen zu entlasten, haben die
Bildungssenatorin und die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW)
mehrere Maßnahmen vereinbart. Dies bekräftigten die Senatorin Katharina
Günther-Wünsch (CDU) und der GEW-Vorsitzende Gökhan Akgün am Montag im
Abgeordnetenhaus, wo beide die Vereinbarung dazu unterzeichneten. Die
Maßnahmen sollen schrittweise ab dem kommenden Schuljahr greifen.
Profitieren werden zunächst vor allem strukturell besonders belastete
Grundschulen. An Schulen, [1][die der Schultypisierung 5, 6 oder 7
entsprechen, die also besonders benachteiligt] sind, sollen die Klassen nur
noch 20 Kinder umfassen. Die Schulen bekommen dafür neue
Lehrer*innenstellen. Konkret werden 140 der rund 400 Grundschulen davon
profitieren.
Pro Schuljahr sollen Grundschulen auch einen unterrichtsfreien Tag
bekommen, damit die Lehrer*innen mit den Eltern Lernentwicklungsgepräche
führen können. Dies sei ein Wunsch von Eltern und Schulen gewesen, einige
Schulen hätten das schon mit halben Tagen probiert, sagte die Senatorin.
Gewerkschaft und Verwaltung wollen außerdem multiprofessionelle Kollegien
langfristig sichern. Darin arbeiten Lehrer*innen eng mit etwa
Erzieher*innen oder Sozialarbeiter*innen zusammen. Lehrer*innen,
die älter als 63 Jahre sind, sollen eine Schulstunde pro Woche weniger
arbeiten.
Ein weiterer wichtiger Punkt der Vereinbarung betrifft Erzieher*innen
an Schulen. „Wir stärken ihre Rolle“, sagte Günther-Wünsch. Sie sollen auf
Augenhöhe und gleichberechtigt zu Lehrer*innen arbeiten. Daher soll der
Hort nicht mehr „ergänzende Föderung und Betreeung“ (eFöB) heißen, sondern
wird in „Bildung, Erziehung und Betreuung“ (BEB) umbenannt. Dies solle den
Bildungsauftrag stärker sichtbar machen, erklärte die Senatorin.
Investitionen sollen darüber hinaus die Räume verbessern, dafür sollen
Mittel aus dem Ganztagsausbau-Programm kommen. Schließlich werden auch
koordinierende Erzieher*innen bei fachlichen Entscheidungen stärker
eingebunden.
## Weitere Maßnahmen geplant
Sowohl Günther-Wünsch als auch Akgün betonten, dass die Gespräche zwischen
Senat und Gewerkschaft weitergehen und weitere Maßnahmen geplant sind. „Wir
arbeiten noch an verbindlichen Regelungen bei Überlastungsanzeigen und
Vertretungen im Ganztag“, erklärte Akgün. Auch hier sollen neue
Vereinbarungen die Arbeitsbedingungen von Erzieher*innen verbessern,
voraussichtlich auch über Freizeitausgleich, wenn der Betreuungsschlüssel
überschritten wird.
„Was wir jetzt vereinbart haben, signalisiert nach Jahren: Entlastung ist
möglich und machbar“, sagte Akgün. „Es kann aber nur der Anfang sein und
muss die dringend notwendige Trendwende einleiten.“ Die [2][Maßnahmen seien
ein wichtiger Schritt „nach Jahren des Stillstands und der wachsenden
Belastung]“, betonte er. Dieser Erfolg sei aber nicht vom Himmel gefallen,
sondern das Ergebnis von gewerkschaftlichem Druck.
„Die [3][Arbeitszeitstudie und die Befragung zur Arbeitsbelastung] war der
Auslöser, der die Politik dazu gebracht hat, sich hinzusetzen und zu
gucken, was machbar ist“, sagte er. Nun gelte es, im Gespräch zu bleiben
und zu gucken, inwiefern die Maßnahmen auch wirkten. „Der [4][Tarifvertrag
Gesundheit ist damit noch nicht vom Tisch]“, so Akgün. Für einen solchen
Tarifvertrag mit kleineren Schulklassen und Entlastungsvereinbarungen
hatten Lehrer*innen in den vergangenen Jahren mehrfach gestreikt.
Die nun vereinbarten Maßnahmen kosten rund 32 Millionen Euro und bedeuten,
dass rund 300 Vollzeitlehrer*innen mehr benötigt werden. Im laufenden
Jahr finanziert die Senatsverwaltung dies über Mittel aus dem eigenen
Einzelplan, für 2027 muss ein Nachtragshaushalt aufgestellt werden. „Berlin
investiert auch in Zeiten, in denen die Haushaltslage sehr eng ist, in
Bildung, das ist ein starkes Zeichen des ganzen Senats“, sagte
Bildungssenatorin Günther-Wünsch.
„Die Maßnahmen sind gut und wichtig, aber wir dürfen uns darauf nicht
ausruhen“, sagt Robert Odarjuk, Lehrer an einer Grundschule in Kreuzberg.
Die Situation an den Schulen sei dramatisch. „Wenn wir uns was wünschen
dürften, dann sicherlich, dass die reduzierten Klassengrößen für alle
Grundschulen gelten“, sagte er. Mindestens sei es wünschenswert, sie auf
die Schulen der Typisierungs-Stufe 4 auszuweiten. „Aber ich sehe auch, dass
die Gelder dafür senatsintern wohl hart erkämpft wurden“, meint er.
Die Vereinbarung sei ein Erfolg für die GEW in ihrem Kampf um bessere
Arbeits- und Lernbedingungen, erklärte Louis Krüger, bildungspolitischer
Sprecher der Grünenfraktion im Abgeordnetenhaus am Montag. „Ich halte die
vereinbarten Maßnahmen für geeignet, tatsächlich zur Entlastung von
Erzieher*innen und Lehrer*innen beizutragen“, sagte er. Er werde
sich daher dafür einsetzen, dass sie auch über einen möglichen
Regierungswechsel hinaus Bestand haben. Die Bildungssenatorin sei nun aber
auch in der Pflicht, die ordentliche Umsetzung zu gewährleisten, ohne
Bedarfe wieder kleinzurechnen. „Weitere [5][notwendige Maßnahmen wie die
Arbeitszeiterfassung bleiben] und sollten in weiteren Gesprächen vereinbart
werden“, forderte der Grünen-Politiker.
18 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://bildungsstatistik.berlin.de/next/opendata/dataset/schultypisierung
(DIR) [2] /Lehrermangel-in-Berlin/!6076380
(DIR) [3] /Arbeitsbelastung-bei-Lehrerinnen/!6092222
(DIR) [4] /Lehrerinnenstreik-in-Berlin-/!6084735
(DIR) [5] /Arbeitsbelastung-bei-Lehrerinnen/!6092222
## AUTOREN
(DIR) Uta Schleiermacher
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