# taz.de -- EU einigt sich auf Umsetzung: Kein Zoll auf Autos und Maschinen made in USA
> Das Europaparlament und die EU-Staaten haben sich auf die Umsetzung des
> US-Abkommens geeinigt. Es gibt neue Sicherungen, aber das Ungleichgewicht
> bleibt.
(IMG) Bild: Freie Fahrt für US-Industriewaren: Autos und Maschinen dürfen bald zollfrei nach Europa
Nach einem [1][Ultimatum von US-Präsident Donald Trump] hat die EU den Weg
für den umstrittenen Handelsdeal mit den USA frei gemacht. Damit fallen
alle Zölle auf Autos, Maschinen und andere Produkte der US-Industrie in der
EU weg, während für die meisten Exporte in die USA ein Zollsatz von 15
Prozent gilt. Allerdings wird der ungleiche Deal mit neuen Sicherungen
versehen – wenn alles gut geht.
„Wir haben ein Sicherheitsnetz eingezogen“, sagte der Chef des
Handelsausschusses im Europaparlament, Bernd Lange (SPD), nach der
nächtlichen Einigung in Straßburg. Dazu gehört die Möglichkeit, den
Trump-Deal bei Verstößen auszusetzen. Außerdem soll die Vereinbarung am 31.
Dezember 2029 enden. Trump ist dann womöglich schon Geschichte – seine
Amtszeit endet im Januar 2029.
Das Parlament sicherte sich auch ein Mitspracherecht sowie die laufende
Überwachung des transatlantischen Handels, um bei Fehlentwicklungen
einschreiten zu können. All dies fehlte im ursprünglichen Deal, den
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) im Sommer 2025 auf Trumps
Golf-Resort im schottischen Turnberry ausgehandelt hatte. „Das war kein
guter Deal“, kritisiert Lange.
Nun sei das Abkommen so gestaltet worden, „dass europäische Interessen
nicht unter den Teppich gekehrt werden“. Anders als in den USA, wo „nur ein
Mann“ – nämlich Trump – entscheidet, habe sich die EU für ein
demokratisches Verfahren entschieden. Allerdings ist unklar, ob der
US-Präsident die neuen Sicherungsklauseln akzeptiert. Bisher hat Trump jede
Änderung an „seinem“ Deal abgelehnt.
## Kritik von amerikanischem Botschafter
Der amerikanische Botschafter bei der EU, Andrew Puzder, kündigte bereits
Widerstand an. „So behandelt man Verbündete nicht“, schrieb Puzder in einem
Gastbeitrag für die Welt. Es könne nicht sein, dass die EU einseitig die
Bedingungen ändert. Puzder hatte im Frühjahr [2][mit der Einschränkung von
US-Gaslieferungen gedroht], wenn die Europäer nicht spuren. Trump hatte
danach ein Ultimatum bis Anfang Juli gesetzt. Das immerhin wird nun
eingehalten.
Die Einigung muss noch vom Ministerrat und dem Plenum des Europaparlaments
bestätigt werden. Das gilt aber als Formsache. Im Rat hatte sich
Deutschland für eine schnelle Ratifizierung und gegen neue Bedingungen
ausgesprochen. Es gehe darum, eine „Eskalation“ zu vermeiden, hieß es in
Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat immer wieder Druck gemacht,
um Trump entgegenzukommen.
Das blieb nicht ohne Wirkung. Auch das Europaparlament hat Konzessionen
gemacht – und auf die schärfste Waffe der EU in der Handelspolitik, das
sogenannte Anti-Coercion-Instrument – also Anti-Zwang-Instrument –
verzichtet. Diese „Handels-Bazooka“ erlaubt es der EU, Gegenmaßnahmen wie
Zölle oder Marktbeschränkungen zu erlassen, wenn Trump wirtschaftlichen
Druck ausübt. Doch damit droht Brüssel nun nicht mehr.
Unter den Teppich gekehrt wurde auch der Streit über die Zusagen, die von
der Leyen in der Energiepolitik und bei der Rüstung gemacht hat. Im
Golfklub von Turnberry sagte sie Trump zu, dass die EU bis 2028 Energie im
Wert von 750 Milliarden Dollar kaufen und Investitionen über 600 Milliarden
Dollar tätigen werde. Dies sei kein Teil der EU-internen Verhandlungen
gewesen, stellte Lange klar.
## Linke: „Kapitulation“ vor Trump
Eine weitere Grauzone betrifft den Handel mit Stahl und Aluminium sowie
verwandten Produkten. Hier gebe es noch ungelöste Fragen, sagte die
Chefunterhändlerin der konservativen Europäischen Volkspartei, Željana
Zovko. Die EU fordert, dass die USA ihre Zölle auf Stahl- und
Aluminiumderivate – etwa in Waschmaschinen – auf 15 Prozent absenkt.
Washington lehnt dies bisher ab.
Nicht einmal in dieser wichtigen Frage sei es gelungen, Planungssicherheit
herzustellen, kritisiert Martin Schirdewan von der Linken. Die Einigung sei
eine „Kapitulation“ vor Trump. „Der Deal benachteiligt die EU, kann aber
ein gewisses Maß an wirtschaftlicher Stabilität sichern“, meint dagegen die
Grünen-Abgeordnete Anna Cavazzini. Sie hoffe, dass die Einigung im
Zollstreit etwas Ruhe bringe.
Darauf setzt auch die Bundesregierung. „Europa erfüllt seine Zusagen. Mehr
Sicherheit und Stabilität für unsere Unternehmen“, erklärte Kanzler Merz im
Onlinedienst X. Kommissionspräsidentin von der Leyen begrüßte, dass ihre
Vereinbarung mit Trump nun bald umgesetzt wird. Sie äußerte die Hoffnung,
dass damit ein turbulentes Kapitel in den Beziehungen zu Washington ein
Ende findet.
„Ein Deal ist ein Deal“, sagte von der Leyen. Dass ihr Deal vom
Europaparlament nachgebessert werden musste, um eine Mehrheit zu finden,
war ihr keine Erwähnung wert.
20 May 2026
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