# taz.de -- Prozess gegen Christina Block: Zeugin belastet Steakhouse-Erbin
> Im Prozess zur Entführung zweier Kinder hat eine Zeugin die Darstellung
> Christina Blocks in Zweifel gezogen. Hintergrund ist ein
> Sorgerechtsstreit.
(IMG) Bild: Es bleibt brenzlig: die Angeklagte Christina Block (3. v. r.), Gastronomin und Unternehmerin, mit Anwalt am 20.5. im Gericht
Ist die Steakhouse-Erbin Christina Block nur das Opfer einer israelischen
Sicherheitsfirma, die mit ihr Geld verdienen wollte und sie deshalb zu
immer dubioseren Aktionen verleitete? Dieser Version widersprach im Prozess
um die Entführung zweier Block-Kinder nun die Zeugin Keren T. Die Israelin
war an der Rückholung der Kinder aus Dänemark direkt beteiligt.
Bei dem Auftrag sei es von vornherein um die Kinder gegangen und nicht in
erster Linie um die Sicherheitsüberprüfung des Hamburger Block-Hotels Grand
Elysée, versicherte T. am Mittwoch vor dem Hamburger Landgericht.
[1][Hinter dem Prozess steht ein eskalierter Sorgerechtsstreit zwischen
Christina Block], deren Familie die Steakhouse-Kette Block House gehört,
und deren Ex-Ehemann Stephan Hensel. Weil zwei ihrer vier Kinder von einem
Aufenthalt bei ihrem Vater in Dänemark nicht zurückkehrten, soll Block die
Entführung der Kinder in Auftrag gegeben haben. Zuvor hatte die deutsche
Justiz Block das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen.
Keren T. gehörte zu einem Team der Sicherheitsfirma Cyber Cupula des
Israelis David Barkay, das die Kinder zunächst observiert und dann in der
Silvesternacht 2023 gewaltsam nach Deutschland gebracht hatte. Vor Gericht
bezeichnete T. sich als persönliche Assistentin Barkays.
## Unter falschen Namen im Grand Elysée
Der Auftrag sei über einen israelischen Mittelsmann an Cyber Cupula
herangetragen worden, der angegeben habe, für das Familienoberhaupt Eugen
Block und den Anwalt der Familie, Andreas Costard, zu arbeiten. Die Rede
sei von einem Zivilrechtsverfahren gewesen, für das Informationen
zusammengetragen werden sollten. Zudem habe Frau Block wissen wollen, wie
es ihren Kindern gehe.
Bei einem [2][Gespräch in einem Hamburger Restaurant mit Christina Block,
deren Lebensgefährten Gerhard Delling und Costard] habe Barkay den Auftrag
bekommen. Daraufhin habe sich Barkay mit mehreren Mitarbeitern unter
falschen Namen in der sechsten Etage des Elysée-Hotels einquartiert, um von
dort aus die Operation zu steuern. Die falschen Namen seien ihnen vom Hotel
gegeben worden.
Der offizielle Auftrag für [3][Cyber Cupula bestand in einem
„Penetration-Test“], mit dem die IT-Sicherheit von Costards Büro und des
Hotels überprüft werden sollte. Damit habe Christina Block David Barkay
beauftragt, behauptete die Zeugin. Das widerspricht einer Aussage Blocks
vor Gericht, sie habe nur eine repräsentative Funktion für das Hotel
ausgeübt.
Die Richterin zitierte Block auch mit einer Aussage, bei dem Auftrag sei es
zunächst nur um den Penetration-Test gegangen. Nach und nach sei sie dann
zu immer verwegeneren Handlungen verlockt worden. „Ich war das perfekte
Opfer“, hatte Block in der Verhandlung gesagt. T. widersprach dem auf die
explizite Nachfrage der Richterin und versicherte: Sie habe Block nicht
ausgenutzt.
## Emotionale Nähe zwischen Zeugin und Christina Block
Allerdings war durch die Zusammenarbeit T.s mit Block wohl eine emotionale
Nähe entstanden. Bei der Observierung habe das Team die Kinder kaum zu
Gesicht bekommen. „Das war frustrierend“, sagte T.: „Wir wollten Christina
Antworten geben, ob es den Kindern gut geht.“
Hensel habe Treffen verweigert, sei nicht zum Gerichtstermin gekommen und
die Kinder seien nicht einmal zur Beerdigung ihrer Oma erschienen. Immer
sei ein Nein von Hensel gekommen, was Block sehr mitgenommen habe. „Sie
verstand nicht, dass keiner sieht, dass auch sie ein Teil des Lebens ihrer
Kinder ist“, sagte die Zeugin.
Mit der Zeit wuchs offenbar der Druck, die Kinder zurückzuholen.
Familienanwalt Costard sei besonders vom Großvater Eugen Block gedrängt
worden, sagte T. Es habe einen Brief Costards gegeben, in dem dieser
versichert habe, es gebe keine rechtlichen Konsequenzen, wenn die Kinder
zurückgeholt würden. T. sagte: „Wir haben ihm einfach geglaubt.“
Nachdem Costard dann auch noch die Befürchtung geäußert habe, Hensel könnte
mit den Kindern flüchten, und der Großvater Weihnachtsgeschenke gekauft
hatte, entschloss sich Barkays Truppe zur Tat. Christina Block habe dem
eine Tasche mit alten Sachen der Kinder mitgegeben, die sie wiedererkennen
sollten: einen Teddy, ein Kissen, einen Pullover.
Als Hensel mit seinen Kindern wegen des [4][Feuerwerks draußen war,
schlugen sie diesen nieder und brachten die Kinder gefesselt] nach
Deutschland. Das Wiedersehen fand auf einem Bauernhof in Süddeutschland
statt. Ein Kinderpsychologe habe Block den Rat gegeben, dafür einen ruhigen
Ort zu wählen, sagte T.
Block habe vor dem Wiedersehen mit den beiden Kindern große Sehnsucht, aber
auch Angst gehabt. „Christina wollte sie wirklich sehen“, sagte die Zeugin
und brach in Tränen aus.
Bei der Ankunft auf dem Hof habe sich die Tochter Klara zunächst geweigert,
Deutsch zu sprechen, sagte T. „Ich hasse Deutschland, ich hasse meine
Mutter“, habe sie gerufen. Auch bei der Begegnung der Kinder mit der Mutter
habe es zunächst Streit gegeben, sagte T. Kurz danach habe sie aber
mitbekommen, wie geredet, gelacht und einander umarmt wurde. „Ich konnte
nicht glauben, wie sie sich so schnell umwandeln konnte, nachdem was mir
Klara erzählt hatte“, sagte T.
Korrektur: Im dritten Absatz dieses Artikels hieß es, die deutsche Justiz
habe vor der Entführung Block das Sorgerecht zugesprochen. Es ging dabei
jedoch um das alleinige Recht zur Aufenthaltsbestimmung.
20 May 2026
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(DIR) Gernot Knödler
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