# taz.de -- Verdrängung auf dem Land: Am See
       
       > Aus einer alten Bungalowanlage an der Mecklenburgischen Seenplatte soll
       > ein Feriendorf für Großstädter werden. Die alten Bewohner:innen
       > stören da.
       
 (IMG) Bild: Idylle am See in Canow
       
       Noch ist das ihr Ausblick: der Canower See, die Wiese, das
       Beachvolleyballfeld, Kiefern ragen in den Himmel, am Ufer lagern Kanus zum
       Trocknen. Cornelia Senftleben und Jens Gallinge stehen vor ihrem Bungalow
       [1][an der Mecklenburgischen Seenplatte]. Das Wasser ist keine 50 Meter
       weit entfernt. Senftleben deutet auf den Steg, den sie in einem Winter
       gebaut hat, als der See zugefroren war. „Als Normalsterblicher kommt man an
       so was nicht mehr ran“, sagt Gallinge, „ohne den passenden Geldbeutel.“
       
       Im Winter, wenn die meisten weg sind, mögen sie es am liebsten am See. Dann
       trauen sich die Rehe aus dem Wald und stehen auf dem zugefrorenen Wasser.
       Wenn Gallinge nachts vor die Tür geht, staune er auch nach all den Jahren
       noch. Seine Partnerin legt den Kopf in den Nacken und macht ihn nach:
       „Boah, hier sieht man die Sterne.“ Aber wahrscheinlich war das ihr letzter
       Winter am Canower See.
       
       Vor drei Jahren schickte die Für Freunde Immobilien GmbH ihnen ein
       Grußschreiben. Sie seien drei Freunde und die neuen Eigentümer des
       Bungalowparks. Sie hätten sich in das Gelände „verliebt“. Rund ein Jahr
       später kündigten sie ihren Mieter:innen, die teilweise seit der Wende im
       ehemaligen DDR-Bungalowpark ihre Freizeit verbringen. Sie sollen den
       Canower See verlassen.
       
       In Städten ist Verdrängung [2][ein bekanntes Phänomen]. Der Wohnraum ist
       knapp, Investoren wittern hohe Renditen. Alteingesessene Mieter:innen
       werden gekündigt und müssen wegziehen, weil sie sich keine neue Wohnung in
       ihrem alten Kiez leisten können. Hier in Canow, knapp 100 Kilometer
       nördlich von Berlin, mit seinen 160 Einwohner:innen und der
       Schiffschleuse, war Verdrängung bisher ein urbanes Problem – und damit weit
       weg. Doch mit Verkauf des Bungalowparks siedelte sich das Problem an dem
       abgelegenen Seeufer an.
       
       Neben ihrer Liebe zum Seegelände teilen die drei Freunde, Frank Sippel,
       Sven-Oliver Pink und Rolf Schrömgens, ihren Hang zum Gründen und
       Investieren. Sippel ist ein Schweizer Immobilienunternehmer, dem unter
       anderem die Malzfabrik gehört, ein hipper Veranstaltungsort im Süden
       Berlins. Pink gründete noch im Studium eine Firma für
       Finanzdienstleistungen und danach den erfolgreichen Schulranzenhersteller
       Ergobag. Schrömgens ist Mitgründer der globalen Hotelsuchmaschine Trivago.
       Was wollen diese Männer mit einem Bungalowpark an der Mecklenburgischen
       Seenplatte?
       
       Die rund 80 Bungalows wurden Ende der 1950er Jahre gebaut. Sie haben
       typische Flachdächer, sind kaum gedämmt und aus Holzbalken und
       Asbestplatten gebaut. Angestellte eines DDR-eigenen Betriebs sollten sich
       hier erholen, ihren Urlaub verbringen. Mit der Wende wurde der Bungalowpark
       aufgekauft. 10 Jahre lang gehörte er einem Paar, das selbst in einem großen
       Bungalow am See wohnt. Bis sie das Grundstück 2023 für einen
       Millionenbetrag an die Freunde verkauften.
       
       ## Kaum Wohnungen für Einheimische
       
       Seitdem wird am See gestritten, auch vor Gericht. Der Konflikt handelt von
       Senftleben und ihrem Partner, die ihr Zuhause nicht einfach so aufgeben
       wollen. Von Senftlebens Bruder, der eine Behinderung hat, auf die Pflege
       seiner Schwester angewiesen ist, aber auch ausziehen soll. Von Investoren,
       die von modernen Ferienunterkünften träumen. Und damit von einem Dilemma,
       das touristische Regionen immer wieder trifft: Der Tourismus bringt zwar
       Geld und schafft Arbeitsplätze, gleichzeitig finden Einheimische kaum noch
       Wohnungen.
       
       Auf dem Instagram-Account des Bungalowparks beschreiben die Investoren das
       Projekt als „inclusive village community“ – eine inklusive
       Dorfgemeinschaft. Das erste Bild zeigt die Kiefern am Ufer, der Himmel
       strahlt blau, sie verkünden, dass das Land jetzt heilig sei. Ein indigener
       Medizinmann des mexikanischen Huichol-Volkes habe das Gelände gesegnet.
       „May we always be reminded never to take more than we need and to always
       give back more than we take“, steht unter dem Foto auf Englisch. Sie
       hoffen, dass sie immer daran erinnert werden, nicht mehr zu nehmen, als sie
       brauchen und stattdessen mehr zurückzugeben.
       
       Welche Vision die neuen Eigentümer vom Bungalowpark haben, sah man im
       Winter auf der Wiese am Ufer stehen. Wo früher Lagerfeuer gemacht wurden,
       parkte ein Tiny House auf Rädern, 11 Quadratmeter, holzverkleidet, mit
       einem großen Fenster Richtung Wasser. Auf Airbnb wird die Unterkunft schon
       von einer Frau angeboten. Zwei Übernachtungen am Wochenende kosten auf der
       Plattform 317 Euro – deutlich mehr als die Monatsmiete für einen Bungalow.
       
       Zwei Instagram-Posts später [3][lehnt Sippel im weißen Oberhemd an einem
       Kanu am Ufer]. „Nur ein paar Seen weiter von der Havelfabrik“ – einem
       seiner anderen Immobilienprojekte – „entsteht hier das 100 Seelen Dorf,
       eine Dorfgemeinschaft der Zukunft.“ Auf der Webseite seiner Immobilienfirma
       Real Future, die bis vor wenigen Monaten für den Bungalowpark zuständig
       war, wird das Vorhaben näher skizziert: Zwischen Eden und Arkadien, also
       zwischen dem biblischen Paradies und dem Traumland der griechischen
       Mythologie, entstehe in Canow ein Communityprojekt für kurzzeitiges Wohnen.
       
       ## „Neue Impulse“
       
       Sie wollen den Bungalowpark wiederbeleben und „neue Impulse für kollektive
       Besitzstrukturen und alternative Wohnformen im ländlichen Raum setzen“,
       heißt es [4][in der Projektbeschreibung]. Die DDR-Bungalows sollen zu
       modernen Tiny Houses umgebaut und stilvoll aber reduziert ausgestattet
       werden, damit sich die Gäste „von der omnipräsenten Reizflutung des
       Alltags“ abkoppeln können. Außerdem in Planung: Nutzgärten, ein
       Freiluftkino, Naturpfade, Raum für Seminare und Retreats, ein
       Wellnessbereich. Ziel sei es, dem Leerstand der bisher nur saisonal
       genutzten Bungalows entgegenzuwirken.
       
       Cornelia Senftleben, eine große Frau mit graublondem Bob und rauer Stimme,
       wohnt seit 2013 in ihrem Bungalow – nicht nur saisonal, sie hat keine
       andere Wohnung. Nachdem der ehemalige Besitzer ihr schriftlich versicherte,
       dass sie hier dauerhaft wohnen dürfe, legten sie und ihr Partner mit der
       Renovierung los. Die 66-Jährige war damals noch Dachdeckerin, das war vor
       ihrer Herzkrankheit. Also erneuerte sie das Dach, den Boden, das Bad. Sie
       baute einen Ofen ein, auf dem heute Porzellanelefanten stehen, und steckten
       Tausende Euro in das kleine Häuschen.
       
       Dann kam ihr Bruder dazu. „Mit dem Tod meiner Eltern habe ich Matthias
       geerbt“, sagt sie halb lachend, halb ernst. Er hat bei seiner Geburt zu
       wenig Sauerstoff bekommen und muss im Alltag unterstützt werden. Senftleben
       holte den heute 72-Jährigen zu sich, als ein Bungalow etwas höher am Hang
       für ihn frei wurde. Senftleben und ihr Partner bereiten Matthias Kubusch
       das Frühstück, Mittag- und Abendessen zu, sie heizen seinen Ofen, fahren
       ihn zum Arzt.
       
       Was Kubusch braucht, ist Stetigkeit. Um halb acht steht er auf. Um 11 Uhr
       gibt es Mittag. Um 16 Uhr spielen sie Mensch ärgere dich nicht. Auf dem
       Couchtisch liegt seine Taschenuhr zur Kontrolle. Früher, als im Sommer noch
       mehr Fähren den See kreuzten, saß er auf der Terrasse und beobachte, ob die
       Boote pünktlich waren. Jeden Tag läuft er zwei große Runden ums Feld. Und
       jedes Jahr, wenn die Eicheln von den Bäumen fallen, sammelt er sie auf
       seiner Runde ein, für die Ziegen auf dem Bauernhof. Veränderungen seien
       schwer für ihn. Aber auch Kubusch wurde gekündigt.
       
       Was Senftleben und ihren Partner Jens Gallinge besonders aufregt, ist der
       Umgang mit ihnen. Vor der Kündigung seien die Freunde nicht auf die alten
       Mieter:innen zugegangen. Eine Mieterhöhung hätten sie verstanden. Die
       Monatsmiete für den Bungalow beträgt nur 200 Euro. Gallinge, 57, schmales
       Gesicht, zopfförmiger Kinnbart, ist gelernter Immobilienfachwirt und sagt,
       er kenne viele Wege die Miete zu erhöhen. „Aber so am Bestand, an den
       Mietern vorbei, das habe ich selten erlebt.“ Deshalb, glaubt er, gehe es
       den Freunden nicht nur darum, Geld zu verdienen, sondern auch mit wem sie
       es verdienen. „Sie wollen uns alle loswerden, weil wir nicht ins Klischee
       passen“, sagt er.
       
       ## Raus aufs Land
       
       Wer die Projektbeschreibung liest, könnte sich die Zielgruppe des 100
       Seelen Dorfs so vorstellen: Städter, die remote in einem Tiny House am See
       ihre letzten Mails der Woche schreiben, bevor sie den Feierabend im Spa
       beginnen. Die Retreats buchen, um sich vom hektischen Alltag zwischen Calls
       und Meetings zu erholen. Die raus aufs Land fahren, um zu reconnecten.
       
       Cornelia Senftleben und Jens Gallinge passen da nicht rein. Sie brauchen
       keine komplette Modernisierung, um sich in Canow wohlzufühlen. „Ich komm
       ausm Tagebauloch“, sagt Senftleben und meint damit Finsterwalde in
       Brandenburg. „Das hier ist meine Idylle.“
       
       Und die will sie nicht einfach so aufgeben. Deshalb klagen sie und ihr
       Bruder gegen die Kündigungen. Außer einem Nachbarn hat der Rest der
       Mieter:innen den Platz geräuschlos geräumt. Viele haben ihre Bungalows
       in den 1990ern gemietet und seitdem ihre Sommer in Canow verbracht, erzählt
       Senftleben. Aber sie seien zu alt gewesen, hatten keine Energie, kein Geld,
       keine Hoffnung, um sich gegen die Kündigung zu wehren.
       
       Mit den Kündigungsschreiben ist der Ärger über das Bauprojekt auch beim
       parteilosen Bürgermeister Steffen Franz angekommen. Er ist für die Gemeinde
       Wustrow gewählt worden, zu der auch Canow gehört. Die Menschen seien in der
       Region vernetzt, hätten Freunde, Familie, Jobs. Klar seien sie da
       enttäuscht, sagt er. „Für die Gemeinde ist es schade, wenn aus Canow immer
       mehr ein Feriengebiet wird und die Einheimischen wegmüssen.“ Aber der
       Bungalowpark sei Privatgelände, sie könnten nichts machen. Über zwanzig
       Menschen hätten dort fest gelebt. Das sei zwar eine rechtliche Grauzone,
       wenn Leute fest in ihren Freizeitbungalows wohnen, „aber für uns als
       Gemeinde ist das nicht so wichtig.“
       
       Wichtiger ist dem Bürgermeister, dass Menschen, die fest in Canow wohnen
       wollen, auch ein Zuhause finden. „Immer wenn in der Nähe ein Haus verkauft
       wird, geht das Grundstück an Leute mit mehr Geld aus Berlin oder Hamburg“,
       sagt Franz. In einem Bürgerdialog, der vor drei Jahren im 60 Kilometer
       entfernten Waren an der Müritz veranstaltet wurde, ging es um die gleichen
       Probleme: In den Sommermonaten fluteten immer mehr Urlauber die Region,
       weshalb die Anzahl der Ferienwohnungen steige und Wohnraum knapp werde.
       
       ## Die Preise steigen weiter
       
       Steffen Franz befürchtet, dass die Preise an der mecklenburgischen
       Seenplatte weiter steigen. Durch den Tourismus würden zwar viele
       Arbeitskräfte gesucht, die in Restaurants, Supermärkten oder Hotels
       arbeiten, aber die Menschen müssten in die nächstgrößere Stadt ziehen.
       „Noch ist die Verdrängung nicht so schlimm wie an der Ostsee, aber es wird
       mehr“, sagt Franz. Im März stimmte die Gemeindevertretung gegen den Plan
       der Investoren, in Canow weitere Bungalows in den Park zu bauen.
       
       Der Dreierbungalow, der wie ein Riegel in der ersten Reihe am Ufer liegt,
       gehörte Anneliese, Jahrgang 1940. Sie wohnte im mittleren Teil, links und
       rechts ihre Tochter und ihr Sohn. „Mein Canow“, sagt sie, als sie ans
       Telefon geht. 33 Jahre habe sie am See verbracht, die letzten 25 Jahre als
       Rentnerin habe sie sogar von März bis Oktober „draußen“ gewohnt, im
       Bungalow. „Man hat sich nie was zu Schulden kommen lassen und wird dann
       einfach so rausgeworfen“, sagt sie. „Klar, gab’s da Tränen.“ Aber sie
       wollte ihre Nerven nicht darauf verwenden.
       
       Früher gab es immer was zu feiern, erinnert sich Anneliese. Es wurden
       Lagerfeuer gemacht, manchmal, als sie noch jünger waren, wurde es auch mal
       lauter. Harry, Rentner aus Berlin-Spandau, sei im Herbst immer Pilze suchen
       gegangen. Seine Beute habe er dann stolz auf dem Terrassentisch
       ausgebreitet und rübergerufen, was er gefunden hat. Wenn er nicht im Wald
       war, stand er am Ufer und hat geangelt.
       
       Im November packt Harry seine Erinnerungen aus den Jahren am See zusammen,
       trinkt Bier, hört Radio. Er schlappt aus dem Bungalow. Auf die Frage, wie
       es ihm mit seinem Auszug geht, bringt er nur ein „traurig“ hervor. Mehr
       sagt er nicht und starrt auf seine Füße. Seine Angeln liegen schon
       säuberlich aufgereiht im Kofferraum.
       
       ## Mit Schimmel und Asbest belastet
       
       Aber der Bungalowpark ist eben auch so alt wie manche Erinnerungen. Auf
       Anfrage der taz antwortet Investor Sven-Oliver Pink, dass die Bungalows aus
       den 1970ern vor allem wegen ihres schlechten Zustands umgebaut werden
       müssten. Viele der Häuschen seien sanierungsbedürftig, teilweise mit
       Schimmel und Asbest belastet. Auch Elektrik und Kläranlage stammten von
       damals und müssten grundlegend erneuert werden, um das Gelände in den
       nächsten Jahrzehnten betreiben zu können. Oberhalb der Bungalows werde eine
       Pflanzenkläranlage gebaut, die auch von Nachbargrundstücken genutzt werden
       soll.
       
       Im Februar ziehen sich breite Spuren der Baufahrzeuge über das Gelände.
       Annelieses Bungalow wurde entkernt und mit Sperrholzplatten verkleidet, zum
       Wasser wurden drei große Fensterfronten eingesetzt. Der Bungalow in der
       Reihe dahinter ist schon mit Holzpanelen verkleidet, die an skandinavische
       Ferienhäuser erinnern. Durch die Fenster sieht man ein großes Doppelbett
       mit Seeblick, einen runden Tisch, eine Kochnische. Im Regal stehen
       Orakelkarten der Firma Seelchen. Ein weiteres Unternehmen von Sven-Oliver
       Pink. Sie verkaufen esoterische Gegenstände: Schutznetze, gegen negative
       Energien, Ritualboxen zum Einschlafen, Kerzen im Keramikkelch für 44 Euro.
       Und die Orakelkarten, die laut Onlineshop einen spielerischen Umgang mit
       dem Unterbewusstsein ermöglichen sollen.
       
       Matthias Kubusch sitzt ein paar Bungalows weiter auf seinem Sofa, die
       Taschenuhr zeigt fünf vor 11. „Gleich gib’s Mittach“, schreit Senftleben
       beinahe über den Couchtisch. Ihr Bruder hört schlecht. „Ja“, antwortet er
       nur, reden mag er auch nicht wirklich gerne. Gleich wird er die sauren Eier
       mit Kartoffeln und Möhren in der Mikrowelle aufwärmen, die Senftleben ihm
       gestern gekocht hat. Auf der Mikrowelle ist mit einem Strich markiert, wie
       weit er den Regler aufdrehen muss.
       
       Das Amtsgericht hat Anfang des Jahres entschieden, dass er seinen Bungalow
       bis Ende Juni räumen muss. Als im Gericht über sein Zuhause verhandelt
       wurde, war Kubusch nicht anwesend, weil er alles nur schwer verstehen kann.
       Seine Chancen standen schlecht, weil er keine Bestätigung vom Vorbesitzer
       hatte, dass er dauerhaft in Canow leben darf. Dass er auf die Pflege seiner
       Schwester angewiesen ist, die nur ein paar Meter neben ihm im Bungalowpark
       wohnt, hatte nicht genug Gewicht.
       
       Juristisch gesehen haben die Investoren nichts falsch gemacht. Das
       Mietrecht bei Ferienbungalows, in denen man eigentlich nicht dauerhaft
       wohnt, schützt Mieter:innen nicht so stark wie in einer normalen
       Wohnung. Sie haben das Grundstück gekauft, sie haben den Mieter:innen
       mit einer ausreichenden Frist gekündigt, sie können mit ihrem Bungalowpark
       machen, was sie wollen.
       
       ## Warum darf er nicht bleiben?
       
       Aber warum dürfen Kubusch, seine Schwester und sein Schwager nicht bleiben?
       Sie würden auch in einen Bungalow am Rand des Geländes ziehen, damit sie
       weniger im Zentrum des Parks wohnen. Laut eigener Aussage soll 100 Seelen
       eine inklusive Dorfgemeinschaft werden, warum darf Matthias Kubusch, der
       eine Behinderung hat und Pflege braucht, nicht zu dieser Gemeinschaft
       gehören?
       
       Frank Sippel, der vergangenes Jahr noch am Seeufer stand und für eine
       „wirkungsvolle Dorfgemeinschaft“ warb, die „im Einklang mit der Natur
       lebt“, ist seit letztem Sommer nicht mehr Geschäftsführer der Für Freunde
       Immobilien GmbH. Seine Immobilienfirma Real Future, die den Umbau des
       Bungalowparks verantwortete, hat das Projekt ebenfalls abgegeben. Deshalb
       möchte er sich der taz gegenüber nicht zu dem Projekt äußern. Neuer
       Geschäftsführer ist Sven-Oliver Pink. Seine Firma Seelchen, die mit den
       Orakelkarten, ist nun für die Weiterführung des Bauprojekts verantwortlich.
       
       Aber Pink möchte sich zu einzelnen Mietverhältnissen nicht äußern. Die
       Mieter seien frühzeitig über die anstehenden Veränderungen informiert
       worden und hätte auch durch die Verzögerungen lange Zeit gehabt, um sich
       neu zu orientieren. Ein respektvoller und fairer Umgang mit allen
       Beteiligten sei ihnen dabei wichtig, sagt er.
       
       Anfang März fragt der Richter im Amtsgericht in Waren an der Müritz, ob
       sich Senftleben und die Investoren auf einen Vergleich einigen wollen.
       Cornelia Senftleben würde Geld dafür bekommen, dass sie ihren Bungalow
       räumt. Die Freunde Immobilien GmbH könnte den Bungalow schneller umbauen.
       
       „Wie viel stellen sie sich vor?“, fragt der Richter Cornelia Senftleben.
       30.000 Euro sagt sie. Der Anwalt der Freunde lächelt, 1.000 Euro hätten sie
       bei einem vergleichbaren Fall zuletzt gezahlt. Senfleben schaut ihn
       fassungslos an. „Damit kann ich nicht mal eine neue Wohnung für ihn
       einrichten“, sie zeigt auf ihren Bruder, der teilnahmslos im Saal sitzt. Er
       ist mitgekommen, damit er nicht allein zu Hause ist.
       
       Bis Ende Juni muss Matthias Kubusch aus dem Bungalowpark ausziehen.
       Cornelia Senftlebens Prozess läuft noch. Eine Entschädigung wurde ihr von
       den Investoren nicht angeboten. Stattdessen forderte deren Anwalt, zu
       prüfen, ob die Bestätigung, dass sie dauerhaft in Canow leben darf,
       überhaupt echt sei.
       
       Am Canower See wird Kubusch zweimal die Woche von einem Fahrdienst abgeholt
       und zur Tagespflege gefahren. Wenn er weiter weg von der Einrichtung zieht,
       muss er lernen mit dem Bus dorthin zu fahren. Einmal haben sie das schon
       geübt. Cornelia Senftleben gibt ihm dann einen Zettel für den Notfall mit,
       auf den sie schreibt: „Ich bin Matthias und habe mich verirrt“, darunter
       steht ihre Telefonnummer.
       
       30 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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