# taz.de -- Thronfolge in Tokio: Japans Parteien wollen keine Kaiserin
> Statt Frauen künftig die Chance auf den Chrysanthementhron zu
> ermöglichen, hat sich in Japan ein Parteienbündnis auf eine
> Adoptionsregelung für Ex-Adlige geeinigt.
(IMG) Bild: Tenno wird nicht gegendert: Kaiser Naruhito bei einer Pressekonferenz am Donnerstag über seine anstehende Europareise
Der schrumpfenden Kaiserfamilie in Japan gehen die männlichen Erben aus.
Über diese Gefahr für eine Institution, die das Land zusammenhält,
diskutieren japanische Politiker seit über zwei Jahrzehnten. Nun haben sich
sieben Parteien von Regierung und Opposition auf einen Minimalkonsens
geeinigt. Damit das Kaiserhaus nicht ausstirbt, sollen heutige männliche
Mitglieder von Adelsfamilien, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Status
verloren, adoptiert werden.
Adoptionen werden in Japan traditionell benutzt, um die männliche Erbfolge
einer Familie zu sichern. Im Umkehrschluss bedeutet die vorgeschlagene
Lösung: Unter keinen Umständen wird eine Frau den Chrysanthementhron
besteigen.
Auch der zweite Vorschlag zielt in diese Richtung. Danach sollen weibliche
Angehörige der Kaiserfamilie – im Gegensatz zur aktuellen Regelung – nach
einer Heirat weiter Mitglied der Kaiserfamilie bleiben können. Dadurch
könnte die Kaiserfamilie ihre öffentlichen Pflichten, etwa die
Schirmherrschaft für Organisationen, leichter ausüben. Doch die
bürgerlichen Ehepartner und die Nachkommen dieser Paare sollen nicht in das
Kaiserhaus aufgenommen werden. Sonst könnte nämlich eine Thronfolge über
eine weibliche Linie entstehen.
Die Sprecher und Vizesprecher der beiden Parlamentskammern legten
Premierministerin Sanae Takaichi am Mittwoch den erarbeiteten „Konsens der
Legislative“ vor. Ihre Regierung wird nun ein Gesetz entwerfen und es bis
Mitte Juli ins Parlament einbringen.
## Die Zahl potenzieller Thronfolger ist geschrumpft
Die Kaiserfamilie ist seit dem Tod des Showa-Kaisers 1989 von 21 auf 16
Mitglieder geschrumpft. Die Thronfolge in der direkten männlichen Linie
besteht nur aus dem 60-jährigen Kronprinzen Fumihito und seinem 19-jährigen
Sohn Hisahito. Diese aktuelle Thronfolge soll beibehalten werden.
Zu den fünf unverheirateten Frauen zählt Aiko, die 24-jährige Tochter des
jetzigen Kaiserpaars. Die äußerst beliebte Aiko wäre die ideale Kandidatin
für eine Kaiserin. Eine im Mai durchgeführte Umfrage der Asahi Shimbun
ergab, dass 72 Prozent der Befragten eine weibliche Thronfolgerin als
regierende Kaiserin befürworteten. Doch Japans Konservative blockierten
diese Lösung bisher konsequent und erhielten dafür nun überparteiliche
Unterstützung.
Die elf Zweige der Kaiserfamilie mit seinerzeit 51 Mitgliedern verloren
1947 auf Anordnung der damaligen US-Besatzungsmacht ihren adeligen Status.
Derzeit gibt es zehn Männer in der männlichen Linie dieser Zweige, die noch
unverheiratet sind und als Kandidaten für eine Adoption infrage kämen.
Der jetzt vorgelegte Gesetzesentwurf schließt zwar aus, dass solche
adoptierten Ex-Adeligen selbst Kaiser werden können, aber lässt offen, ob
ihre männlichen Nachkommen anspruchsberechtigt sind. Doch Unterhaussprecher
Eisuke Mori von der Regierungspartei LDP erklärte am Mittwoch bereits,
worauf die Neuregelung hinausläuft. „Wird ein Junge geboren, so hat dieses
Kind das Recht auf die Thronfolge“, sagte Mori.
Einige Details des neuen Kaisergesetzes sind noch offen, etwa das Alter der
zu adoptierenden Personen. Laut Mori sollen [1][Kaiser Naruhito] und seine
Frau, Kronprinz Fumihito und seine Frau sowie [2][Kaiser Emeritus Akihito]
und seine Frau nicht Adoptiveltern werden können. Dann käme wohl nur eine
der heutigen Prinzessinnen für diese Aufgabe infrage. Erneut müssten sich
Frauen für das männliche Kaiserhaus opfern.
11 Jun 2026
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## AUTOREN
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