# taz.de -- Klima und Krieg: Wenn Regen ausbleibt, greifen Menschen öfter zur Waffe
       
       > Syrien erlebte vor Kriegsausbruch 2011 eine der schlimmsten Dürren seiner
       > Geschichte. Eine neue Studie legt nahe, dass dies kein Zufall war.
       
 (IMG) Bild: Der 13-jährige Bürgerkrieg zerstörte wichtige Wasserinfrastruktur und machte den Zugang zu Wasser zu einer Kriegswaffe
       
       ## Worum geht’s?
       
       Um bewaffnete Konflikte. Wasser bedeutet Leben, zu wenig Wasser
       Überlebenskampf. Wenn über Monate der Regen ausbleibt, verlieren Menschen
       zuerst ihre Ernte und dann ihr Vieh. Lebensmittel werden teurer, Brunnen
       trocknen aus. Bald schon ist die Lebensgrundlage zerstört, Menschen müssen
       fliehen. Wenn dann noch eine schwache Regierung dazukommt, ist Gewalt, auch
       bewaffnete, vorprogrammiert.
       
       Syrien erlebte beispielsweise vor Kriegsausbruch 2011 eine der schlimmsten
       Dürren seiner modernen Geschichte. Ernten brachen ein, Viehherden starben,
       viele Bauern verloren ihre Existenz. Mehr als eine Million Menschen
       verließen die ländlichen Regionen und zogen in Städte wie Damaskus, Aleppo
       oder Homs. Dort trafen sie auf Arbeitslosigkeit, steigende
       Lebensmittelpreise, Korruption und politische Repression.
       
       [1][Eine Untersuchung der University of California] kam zu dem Schluss,
       dass die durch den Klimawandel mitverursachte Rekorddürre der Katalysator
       war, der schließlich zum Ausbruch des Bürgerkrieges führte.
       
       ## Die Studie
       
       Doch gibt es wirklich einen kausalen Zusammenhang zwischen Dürre und Krieg?
       Forschende der texanischen Rice University haben das anhand von
       Klimaschwankungen [2][untersucht]. Konkret geht es um neu ausgebrochene
       Konflikte, bei denen mindestens 25 Menschen starben. Das Team untersuchte
       555 bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen 1950 und dem Jahr 2023 und
       fragte: Was hat das Klima damit zu tun? Für ihre Arbeit legten die
       Forscher:innen natürliche Schwankungen im Klima zugrunde, also nicht den
       Klimawandel, sondern natürliche Phänomene wie etwa „El Niño“.
       
       [3][Das Wetterphänomen, benannt nach dem Christkind, bringt die
       Meeresströmungen im Pazifik nahe dem Äquator durcheinander.] Die
       Passatwinde wehen hier von Ost nach West, was warmes Ozeanwasser von
       Südamerikas Küsten Richtung Indonesien und Australien treibt.
       Durchschnittlich alle vier Jahre schwächeln die Passatwinde aber. Dann
       erwärmt sich der Ozean vor der Küste Südamerikas stark und sorgt weltweit
       für Wetterextreme.
       
       In „El Niño“-Jahren kommt es regelmäßig zu schweren Dürren. Laut der Studie
       steigern diese wiederum die Gefahr von bewaffneten Auseinandersetzungen. Im
       Vergleich zu normalen Jahren erhöht „El Niño“ das Risiko, dass innerhalb
       eines Jahres ein Konflikt ausbricht, um durchschnittlich 46 Prozent.
       
       ## Was bringt’s?
       
       [4][Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat davor gewarnt, dass
       2026 wieder ein „El Niño“ ansteht.] Forschungsergebnisse legen nahe, dass
       die Wetteranomalie im Zuge des Klimawandels [5][heftiger wird]. Ob es
       dadurch auch mehr bewaffnete Konflikte gibt, ist noch nicht untersucht.
       Dringend angeraten ist aber trotzdem, in diesem Jahr wachsam zu sein.
       
       30 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.1421533112
 (DIR) [2] https://www.pnas.org/doi/abs/10.1073/pnas.2532935123
 (DIR) [3] /Naturkatastrophen/!6177533
 (DIR) [4] https://wmo.int/media/news/wmo-likelihood-increases-of-el-nino
 (DIR) [5] https://www.nature.com/articles/s41467-025-64619-0
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nick Reimer
       
       ## TAGS
       
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