# taz.de -- Weltwetterorganisation warnt vor El Niño: „Öl in das Feuer der globalen Erwärmung“
       
       > UN-Generalsekretär António Guterres warnt vor Extremwetter durch das
       > bevorstehende Klimaphänomen El Niño. Er fordert den Ausstieg aus fossilen
       > Brennstoffen.
       
 (IMG) Bild: Dürre Zeiten: Boden eines infolge des letzten El Niño ausgetrockneten Stausees in Zimbabwe
       
       dpa/afp/taz | Die Welt muss sich verstärkt für Extremwetter wappnen. Das
       Klimaphänomen El Niño steht nach Angaben der Weltwetterorganisation WMO)
       vor der Tür, und vorherige Episoden zeigen, was das je nach Weltregion
       bedeuten kann: verheerende Dürren und Überschwemmungen sowie eine globale
       Durchschnittstemperatur, die den Rekord von 2024 brechen könnte.
       
       „El-Niño-Bedingungen gießen Öl in das Feuer der globalen Erwärmung“, teilte
       UN-Generalsekretär António Guterres in einer Videobotschaft mit. „Die
       Folgen werden noch heftiger und sich noch weiter ausbreiten.“ Die „einzig
       wirksame Antwort“ sei eine Klimapolitik „auf der Höhe der Krise“ mit einem
       Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und einem Umstieg auf erneuerbare
       Energieträger. Zudem müssten Frühwarnsysteme für Unwetter ausgebaut werden.
       
       Bei dem natürlich auftretenden Wetterphänomen El Niño erwärmt sich die
       Wasseroberfläche im Pazifik, was weltweit Auswirkungen auf Wind, Luftdruck
       und Niederschläge hat. In der Folge steigt das Risiko für Wetterextreme.
       
       ## Wassertemperatur unter der Oberfläche 6 Grad über normal
       
       Den meisten Vorhersagemodellen zufolge werde der kommende El Niño
       „mindestens mäßig und möglicherweise stark“ ausgeprägt sein, erklärte die
       WMO [1][bei ihrem vierteljährlichen Update zu dem Wetterphänomen].
       WMO-Chefin Celeste Saulo forderte weltweit Vorbereitungen auf Extremwetter
       wie Dürre und Starkregen sowie auf ein „erhöhtes Risiko von Hitzewellen an
       Land und im Ozean“. Der vorherige El Niño hatte dazu beigetragen, dass 2023
       und 2024 global die wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen
       waren.
       
       Zwischen Ende April und Mitte Mai lagen [2][die Temperaturen an der
       Meeresoberfläche] in Teilen des Pazifik laut WMO knapp unter der El
       Niño-Schwelle. Unter der Oberfläche lag die Wassertemperatur mehr als sechs
       Grad Celsius über den Normalwerten.
       
       ## Das Jahr 2027 könnte das bisher heißeste werden
       
       Der WMO zufolge werden zwischen Juni und August nahezu weltweit überhöhte
       Temperaturen erwartet. Am Horn von Afrika, Südasien und Mittelamerika wird
       weniger Niederschlag erwartet als normal.
       
       Die Auswirkungen in Mitteleuropa sind eher gering. „Das erklärt sich vor
       allem daraus, dass Europa nun mal sehr weit weg liegt vom tropischen
       Pazifik, und bis das Signal zu uns gelangt, wird es von vielen anderen
       atmosphärischen und ozeanischen Einflüssen gestört“, sagt Daniela Domeisen
       von der ETH Zürich.
       
       Während extreme Wetterlagen nach Beginn eines El Niño um den Jahreswechsel
       ihren Höhepunkt erreichen, ist der Einfluss auf die globale
       Durchschnittstemperatur, die jeweils Messungen eines ganzen Jahres umfasst,
       vor allem im Folgejahr zu spüren, in diesem Fall also 2027.
       
       Die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Jahre 2026 bis 2030 eine noch höhere
       globale Durchschnittstemperatur aufweist als 2024, liegt nach einem
       aktuellen WMO-Bericht bei 86 Prozent. Wegen des El Niño könne dies schon
       2027 der Fall sein. 2024 lag der Wert rund 1,55 Grad über dem
       vorindustriellen Niveau (1850-1900).
       
       ## Mehr Extremwetter durch Klimawandel
       
       El Niños dauern meist neun bis zwölf Monate, erreichen den Höhepunkt
       zwischen November und Februar und passieren alle zwei bis sieben Jahre.
       Seit dem letzten (2023/24) sind erst zwei Jahre vergangen, der Abstand zum
       El Niño davor waren sieben Jahre (2015/16).
       
       Die Anzeichen verdichten sich, dass das Wetterphänomen El Niño dieses Jahr
       besonders heftig wird. [3][Das macht Klimakatastrophen noch gefährlicher.]
       Denn das Phänomen kann die Folgen des Klimawandels verstärken. Bei einem El
       Niño sind der tropische Pazifische Ozean und die Atmosphäre wärmer, und
       dies kann mehr Energie und Feuchtigkeit für extreme Wetterereignisse wie
       Hitzewellen und Starkregen bedeuten, so die WMO.
       
       2 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://wmo.int/news/media-centre/wmo-prepare-el-nino
 (DIR) [2] https://climatereanalyzer.org/clim/sst_daily/?dm_id=world2
 (DIR) [3] /Naturkatastrophen/!6177533
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) El Niño
 (DIR) Vereinte Nationen
 (DIR) António Guterres
 (DIR) Schwerpunkt Syrien
 (DIR) Podcast „klima update°“
 (DIR) Was heißt Klimakrise auf Arabisch?
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Klima und Krieg: Wenn Regen ausbleibt, greifen Menschen öfter zur Waffe
       
       Syrien erlebte vor Kriegsausbruch 2011 eine der schlimmsten Dürren seiner
       Geschichte. Eine neue Studie legt nahe, dass dies kein Zufall war.
       
 (DIR) Starker El Niño erwartet: Die 3 wichtigsten Klima-News der Woche
       
       Die Bundesregierung friert den CO2-Preis ein. Wissenschaftler*innen
       warnen vor starkem El Niño. Die EU will Bahnreisen in Europa einfacher
       machen.
       
 (DIR) Klimakrise in den Weltmeeren: Ozeane könnten auf neue Wärmerekorde zusteuern
       
       In den Jahren 2023 und 2024 hatte die Oberflächentemperatur der Ozeane neue
       Höchstwerte erreicht. Aktuell schießen die Werte erneut in die Höhe.