# taz.de -- Treffen von Xi und Putin: Frieden predigen, Krieg bereiten
       
       > Kurz nach Trumps Besuch empfängt Chinas Staatschef Xi seinen „alten
       > Freund“ Machthaber Putin. Das hat nicht nur symbolische Gründe.
       
 (IMG) Bild: Alte-Männer-Freundschaft: Russlands Präsident Wladimir Putin, 73, und der chinesische Präsident Xi Jinping, 72
       
       Die diplomatische Etikette hätte eigentlich etwas Geduld erfordert. Doch
       nur wenige Stunden, nachdem Donald Trumps Air Force One aus Peking
       abgehoben hatte, bestätigten Chinas Staatsmedien bereits das nächste
       Gipfeltreffen: Wladimir Putin wird seinen „alten Freund“ Xi Jinping am
       Dienstag und Mittwoch besuchen. Und der Zeitpunkt ist in diesem Fall auch
       die wichtigste Botschaft des Treffens: Peking und Moskau demonstrieren,
       dass sie sich politisch nicht entzweien lassen.
       
       Das Parteiorgan Global Times merkte in einem Artikel vom Sonntag stolz an,
       wie selten es sei, dass ein Land in nur wenigen Tagen Staatschefs sowohl
       der USA als auch Russlands empfängt. China würde sich „zum Mittelpunkt der
       globalen Diplomatie“ entwickeln.
       
       Der russische Präsident ist in der Volksrepublik mittlerweile schon ein
       Dauergast. Der bevorstehende Gipfel wird laut Außenamtssprecher Guo Jiankun
       bereits sein 25. China-Besuch sein. Kein amtierender Staatschef hat das
       Reich der Mitte öfter bereist. Und diesmal dürften die politischen
       Gespräche mit besonderer Symbolik aufgeladen sein: Beide Regierungen haben
       vor genau 30 Jahren erstmals ihre strategische Partnerschaft beschlossen.
       
       Insbesondere unter Xi Jinping haben sich die Beziehungen zwischen Peking
       und Moskau vertieft. Und im Zuge des Ukrainekriegs hat sich die Dynamik
       stark gewandelt: Russland, dessen Volkswirtschaft stark vom Reich der Mitte
       abhängt, ist zum Junior-Partner degradiert worden.
       
       ## Was Putin noch in der Pipeline hat
       
       „Wir haben sehr große Erwartungen an diesen Besuch“, sagte Kreml-Sprecher
       Dmitri Peskow am Montag. Dabei bestätigte er auch, dass in der russischen
       Delegation auch mehrere Minister und Konzernchefs mitreisen würden und dass
       „alle wirtschaftlichen Themen unserer bilateralen Beziehungen
       selbstverständlich angesprochen“ würden.
       
       Im Zentrum dürfte die von Moskau seit Längerem [1][anvisierte Gaspipeline
       „Power of Siberia 2“] stehen. Damit könnten jedes Jahr zusätzlich 50
       Milliarden Kubikmeter Gas aus der russischen Arktis via Mongolei nach China
       gelangen. Peking hatte sich lange Zeit gegen das riesige
       Infrastrukturprojekt gesträubt, da die Parteiführung in ihrer
       Energiepolitik sehr darauf achtet, sich nicht zu sehr von einzelnen Staaten
       abhängig zu machen. Doch insbesondere seit dem Irankrieg hat die „Power of
       Siberia 2“ stark an Attraktivität gewinnen – nicht zuletzt, weil die
       Energie auf dem Landweg nach China gelangt und nicht über die nach wie vor
       de facto geschlossene Straße von Hormus.
       
       Welche Themen die chinesische Seite auf die Agenda heben möchte, darüber
       hat sich Peking bislang bedeckt gehalten. „Beide Seiten werden diesen
       Besuch als Gelegenheit nutzen, die Entwicklung der chinesisch-russischen
       Beziehungen auf eine höhere Ebene zu bringen, was der Welt mehr Stabilität
       und positive Energie verleihen wird“, sagte Guo Jiankun, Sprecher des
       chinesischen Außenamts, gewohnt vage.
       
       Seine Aussage klingt angesichts der derzeitigen Entwicklungen in der
       Ukraine maximal zynisch: In der Nacht auf Montag meldete Kyjiw mehr als 500
       Drohnen- und 22 Raketenangriffe aus Russland.
       
       ## Keine Silbe der Kritik
       
       China trägt dafür indirekt eine gewisse Verantwortung. Auch wenn man nicht
       direkt Waffen an Russland verkauft, [2][hält Xi Jinping doch Putins
       Kriegsmaschinerie am Laufen] – indem chinesische Firmen den Großteil aller
       Dual-Use-Güter nach Russland liefert, von Drohnenersatzteilen über
       Mikrochips bis hin zu Radartechnologie.
       
       Dass Xi seine Macht dafür nutzt, um Putin zur Deeskalation im Ukrainekrieg
       zu drängen, gilt als nahezu ausgeschlossen. Zumindest in öffentlichen
       Stellungnahmen dürfte der Konflikt höchstens am Rande vorkommen. Denn Xi
       hat Putin bislang noch mit keiner Silbe kritisiert, sondern stets Russlands
       „legitime Sicherheitsinteressen“ betont und die Nato beschuldigt, „Öl ins
       Feuer zu gießen“.
       
       Tatsächlich fordert Peking im Gegenzug von Moskau, dass es ebenfalls die
       chinesischen Kerninteressen unterstützt. „Taiwan könnte der Subtext des
       Treffens zwischen Xi und Putin sein“, analysiert etwa Joseph Webster von
       der US-Denkfabrik Atlantic Council. Für Xi ist die demokratisch regierte
       Insel eine „abtrünnige Provinz“, die er ans chinesische Festland angliedern
       möchte – und dafür benötigt er auch politische Unterstützung.
       
       18 May 2026
       
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