# taz.de -- Trumps China-Besuch: Ein Burgfrieden, der vor allem einer Seite nützt
       
       > Das Gipfeltreffen in Peking zwischen Donald Trump und Xi Jinping endet
       > versöhnlich. Doch es offenbart auch ein neues Kräfteverhältnis.
       
 (IMG) Bild: Burgfrieden im Zhongnanhai-Garten. Wem das wohl am meisten nutzt?
       
       Manchmal erzählt der Ort die eigentliche Botschaft. Am zweiten Tag seines
       Peking-Besuchs wurde Donald Trump hinter die Mauern des mythischen
       Regierungsviertels Zhongnanhai gelassen. Der US-Präsident war
       offensichtlich beeindruckt von der sorgfältig gestalteten Gartenlandschaft,
       den teils über tausend Jahre alten Bäumen. Und dann wandte sich Trump an Xi
       Jinping, im Inneren des chinesischen Machtzentrums, und fragte
       bedeutungsschwer: „Bringen Sie auch andere Präsidenten hier her?“
       
       Es ist offensichtlich, dass die Chinesen den Trump-Code geknackt haben.
       [1][Das Gipfeltreffen in der chinesischen Hauptstadt] war in seiner
       Inszenierung geschickt darauf ausgelegt, dem Ego des narzisstischen Gastes
       aus Washington zu schmeicheln: mit Paukenschlag und Fanfaren wurde er am
       Flughafen empfangen, von Fahnen schwingenden Kindern vor der Großen Halle
       des Volkes bejubelt. Die Optik von Trumps Peking-Besuch war pompös und
       herzlich. Inhaltlich jedoch dürfte nur eine Seite das Treffen als Erfolg
       verbuchen können.
       
       ## Zwei unterschiedliche Narrative
       
       Wer die ersten schriftlichen Ergebnisse der Gespräche zu sehen bekam,
       erhielt den Eindruck von zwei grundsätzlich anderen Narrativen. Laut der
       US-Seite habe man mit den Chinesen über die [2][Eindämmung von
       Fentanylvorprodukten] gesprochen; darüber, dass China künftig mehr
       Agrarprodukte aus den Vereinigten Staaten kaufen werde; dass es eine
       [3][Öffnung der Straße von Hormus] befürwortet und eine iranische Atombombe
       ablehnt. In der chinesischen Stellungnahme war kein einziger dieser Punkte
       enthalten.
       
       Stattdessen rückte Peking [4][die Taiwan-Frage ins Zentrum seiner
       Forderungen]. „Die Aussagen von Präsident Xi Jinping zielten darauf ab, den
       Vereinigten Staaten klare Grenzen aufzuzeigen“, sagt George Chen,
       China-Experte bei The Asia Group: „Xi machte deutlich, dass es keinerlei
       Toleranz für Schritte in Richtung einer taiwanischen Unabhängigkeit gibt,
       und stellte diese ‚rote Linie‘ gleich zu Beginn seines Treffens mit Trump
       in den Mittelpunkt.“
       
       Wirtschaftlich hingegen schlug Xi Jinping deutlich wärmere Töne an. Die
       Botschaft war, dass Chinas Unternehmen Offenheit und Verlässlichkeit
       brauchen. Und auch wenn noch nicht bestätigt, dürften beide Seiten einander
       entgegenkommen: So soll Washington zehn der führenden Tech-Unternehmen
       Chinas Exportgenehmigungen erteilt haben, künftig [5][Nvidias führende
       H200-Chips kaufen zu dürfen].
       
       China hat sich laut Trump dazu verpflichtet, 200 Boeing-Flugzeuge zu kaufen
       und seine Agrarimporte aus den USA zu erhöhen. Interessanterweise ist die
       Boeing-Aktie nach der Ankündigung um vier Prozent gesunken – der Markt
       hatte mit einem deutlich größerem Handelsvolumen gerechnet.
       
       Dennoch wird Trump seine „Deals“ vor der heimischen Öffentlichkeit als
       Erfolge verkaufen. Nüchtern betrachtet wirken die Resultate aus
       US-Perspektive wenig ambitioniert. Doch offensichtlich war für Washington
       mehr nicht drin.
       
       „Die Herausforderung, die wir haben, ist, dass sich die Dynamik bereits
       seit 2025 gewandelt hat“, sagte Rush Doshi, Politikwissenschaftler an der
       Georgetown University, dem US-amerikanischen Radiosender NPR.
       
       ## Trumps Strafzölle als Wendepunkt
       
       Der Wendepunkt der Beziehungen war vor ziemlich genau einem Jahr: Als Trump
       neue Strafzölle auf chinesische Produkte ankündigte, konterte Xi mit
       Exportkontrollen auf seltene Erden. Die Panik, die die Maßnahme innerhalb
       amerikanischer Unternehmen auslöste, [6][ließ den US-Präsidenten
       einknicken]. Peking war möglicherweise selbst überrascht über die Wucht der
       eigenen Verhandlungsmasse.
       
       Seither jedenfalls reagiert Peking auf jede Eskalation, die der
       US-Präsident erwägt, mit mindestens ebenso harten Gegenmaßnahmen. Der
       Volksrepublik ist gelungen, was zuvor nur wenige Staaten geschafft haben:
       sich mit wirtschaftspolitischer Macht den Zugang zum US-Markt
       offenzuhalten.
       
       ## Wer ringt seinem Volk die größeren Opfer ab?
       
       Natürlich hat auch Donald Trump starke Trümpfe in der Hinterhand. Mit dem
       Dollar-System steht ihm sogar die ultimative finanzpolitische Waffe zur
       Verfügung. Schlussendlich zählt jedoch, welcher Staatschef bereits ist,
       seinem Volk die größeren Opfer abringen zu können. Und in diesem Punkt
       wähnt Xi Jinping sein chinesisches System im Vorteil.
       
       Während die US-Konsumenten bei [7][steigenden Sprit- oder Eierpreisen] auf
       die Barrikaden gehen und ihren Unmut an der Wahlurne kundtun können, stehen
       Xi Jinping ein umfassender Überwachungsapparat, absolute Kontrolle über die
       klassischen Medien und eine mächtige Sicherheitspolizei zur Verfügung.
       Zudem schwört er seine Bevölkerung seit Jahren bereits auf einen
       historischen Kampf ein, für den man auch bereit sein müsse, den Gürtel
       enger zu schnallen.
       
       Dass Peking mit Trump 2.0 besser umgeht als während seiner ersten
       Präsidentschaft, hat einen simplen Grund: Fast alle von Trumps engen
       Regierungsmitgliedern sind China-Hardliner, doch mittlerweile haben diese
       praktisch nichts mehr zu sagen. Donald Trump gibt die außenpolitische
       Richtung vor, und als transaktionaler Deal-Maker hat er keine ideologischen
       Scheuklappen, sondern – im Gegenteil – eine gewisse Grundfaszination für
       autoritäre Macht.
       
       ## Putin in Peking erwartet
       
       „Ein schöner Ort. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen“, sagt der
       US-Präsident am Freitagvormittag, als er von Xi Jinping durch die
       Gartenanlage von Zhongnanhai geführt wird. Möglicherweise wird schon bald
       Wladimir Putin in seine Fußstapfen treten: Wie die Hongkonger South China
       Morning Post berichtet, soll der russische Präsident am 20. Mai ebenfalls
       für ein Gipfeltreffen nach Peking reisen.
       
       15 May 2026
       
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