# taz.de -- Deutsche Migrationspolitik: Drei Bundespolizisten für einen Abgeschobenen
> Um eine handvoll Somalier in ihr Herkunftsland zu bringen, betreibt die
> Bundesregierung einen gewaltigen Aufwand. Viele Details gibt sie nicht
> preis.
(IMG) Bild: Abschiebung in ein Land ohne Perspektive: Von der Al Shabab Miliz zerstörte Moschee und Gebäude in Sabiid Canole in Somalia
Die Bundesregierung investiert viel Geld und Personal in die Abschiebung
von Somalier*innen. Auf einen Abzuschiebenden kommen im Schnitt mehr als
drei Bundespolizist*innen, die mitfliegen. Das geht aus der Antwort der
Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Clara Bünger
hervor. Viele weitere Details hält die Bundesregierung unter Verschluss.
Die Zahl der Abschiebung nach Somalia stieg letztes Jahr deutlich auf 46
Fälle. Im Jahr zuvor gab es nur 12. Dem Anstieg vorangegangen war ein
Treffen des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) mit dem
Staatspräsidenten Somalias, Hassan Sheikh Mohamud. Auf Nachfrage Büngers
sagt die Bundesregierung nicht, ob dabei auch über Abschiebungen gesprochen
wurde.
Dafür teilt [1][die Bundesregierung] mit, dass bei Aktionen, für die die
Bundesregierung extra ein gesamtes Flugzeug chartert, noch mehr
Bundespolizist*innen mitfliegen als bei Abschiebungen per Linienflug.
Als etwa im Juli 2025 insgesamt 8 Somalier aus Leipzig abgeschoben wurden,
flogen volle 39 Beamt*innen mit.
Die deutschen Abschiebekommandos bringen die Somalier aber stets nur nach
Nairobi, wo sie einer privaten Fluggesellschaft übergeben werden, deren
Namen die Bundesregierung ebenfalls unter Verschluss hält. Unter Bewachung
privater Sicherheitsleute werden die Betroffenen dann weiter nach Somalia
geflogen. Für diese Dienste hat die Bundesregierung der ungenannten
Fluggesellschaft in den letzten drei Jahren insgesamt über 500.000 Euro
gezahlt.
## Abschiebungen in die Ungewissheit
Somalia gilt weithin [2][als sogenannter „failed state]“, weite Gebiete
werden nicht von der Regierung, sondern von lokalen Machthabern und Clans
beherrscht. Auch die islamistische Terrorgruppe Al-Shabab ist einflussreich
und verübt immer wieder Anschläge. Eine UN-Friedensmission konnte die Lage
bislang nicht dauerhaft stabilisieren. Die Bevölkerung im Land gilt als
eine der ärmsten weltweit.
„Es ist vollkommen verantwortungslos, dass Bund und Länder unter diesen
Umständen Abschiebungen nach Somalia forcieren“, sagte Bünger der taz.
„Irritierend ist auch, mit welchem personellen und finanziellen Aufwand
dies betrieben wird. Diese Ressourcen sollten besser in die hiesige
Infrastruktur investiert werden.“
Eine frühere Anfrage Büngers aus dem Februar hatte [3][ans Licht gebracht],
dass Menschen, die in afrikanische Länder abgeschoben werden, von der
Bundespolizei oft hart angegangen werden. So wurden etwa zwei Drittel aller
abgeschobenen Algerier*innen in Fesseln zurück in ihr Herkunftsland
gebracht. Bünger sagte damals dazu: „Das erinnert an die dystopischen
Bilder aus den USA. Abschiebungen um jeden Preis darf es in einem
demokratischen Rechtsstaat eben nicht geben.“
10 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Frederik Eikmanns
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