# taz.de -- Wackelige Waffenruhe: Kurz vor der erneuten Eskalation
> Im Libanon kann kaum noch von einer Waffenruhe gesprochen werden, in Gaza
> steht sie auf dem Spiel. Und Trump? Hat sich in eine Sackgasse
> manövriert.
(IMG) Bild: Gepanzerte israelische Mannschaftstransporter im Einsatz im Südlibanon, am 15. April 2026
Von einer Waffenruhe zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz
im Libanon lässt sich kaum noch sprechen. Bei israelischen Luftangriffen am
Wochenende starben laut dem libanesischen Gesundheitsministerium mindestens
13 Libanesen. Das israelische Militär forderte am Sonntag die Bewohner elf
weiterer Ortschaften im Süden des Landes auf, ihre Dörfer zu räumen. Die
proiranische Hisbollah schoss ihrerseits mehrfach Raketen und Drohnen auf
israelische Soldaten im Libanon sowie auf israelisches Gebiet.
Das Vorgehen der israelischen Armee sorgt zudem für Kritik: Ähnlich wie im
Gazastreifen werden Grenzgemeinden teils vollständig zerstört. Israels
Verteidigungsminister Israel Katz spricht pauschal von
„Terrorinfrastruktur“ und zählt dazu auch Orte wie ein beliebtes
Ausflugsrestaurant südlich von Tyros, das jüngst kontrolliert gesprengt
wurde. Trotz Warnungen durch Generalstabschef Eyal Zamir kommt es auch
weiterhin zu Plünderungen verlassener Häuser durch Soldaten.
Immer wieder trifft es zudem christliche Einrichtungen, wie am Samstag ein
katholisches Kloster im Dorf Jarun. Die Armee sprach von einem
Hisbollah-Angriff aus dessen Nähe. Die französisch-katholische
Hilfsorganisation L’Oevre d’Orient, zu deren Orden auch das Kloster zählt,
sprach hingegen von Zerstörung mit dem Ziel, „die Rückkehr der
Zivilbevölkerung zu verhindern.“
Die Hisbollah wiederum setzt dem weit überlegenen Gegner Israel auch
militärisch zu. Jüngst nehmen Angriffe mit Quadrocopterdrohnen zu. Die mit
einem dünnen Kabel gesteuerten Flugkörper kosten nur zwischen einigen
hundert und 4.000 Dollar und lassen sich schwer orten. Binnen einer Woche
starben zwei Soldaten durch solche Drohnenangriffe. Bei einem weiteren
Drohnenangriff kam ein Angestellter einer privaten israelischen Baufirma
ums Leben, während er mit einem Bulldozer Häuser im Südlibanon abriss.
## Waffenruhe de facto Geschichte
[1][Die am 16. April auf Druck der USA verkündete Waffenruhe ist damit de
facto bereits Geschichte], wenn die Kämpfe auch noch in niedriger
Intensität als zuvor stattfinden. Das Weiße Haus gibt sich hoffnungsvoll in
Blick auf Gespräche zwischen Israel und der libanesischen Regierung. Die
aber hat kaum Macht über die Hisbollah, die Verhandlungen ablehnt. Die
Waffenruhe läuft offiziell Mitte Mai aus.
Auch mit Blick auf den Gazastreifen stehen die Zeichen auf Eskalation. Die
Hamas hatte jüngst einen Vorschlag des Trumpschen Friedensrates für ihre
schrittweise Entwaffnung abgelehnt. Für Sonntagabend hatte Netanjahu
Beratungen im engsten Kreis über eine mögliche Ausweitung der Angriffe im
Gazastreifen angesetzt.
Ein Plan des „Friedensrates“ für Gaza sah eine achtmonatige Dauer der
Entwaffnung vor, beginnend mit der Übergabe schwerer Waffen binnen 90
Tagen. Die Hamas lehnt den Vorschlag ab und macht ihrerseits die Schaffung
eines palästinensischen Staates zur Voraussetzung, ihre Waffen abzugeben.
Israels Militär weitet indes seine Kontrolle über das Gebiet aus. Mehr als
zwei Drittel des Küstenstreifens zählen nun zu einer „gelben“ und einer
„orangenen“ Zone, was den Großteil der zwei Millionen Bewohner auf immer
kleinerem Gebiet zusammendrängt. Die meisten Menschen leben in Zelten unter
unmenschlichen Bedingungen. Die humanitäre Versorgung schränkt Israel stark
ein. Bei Luftangriffen wurden seit Oktober mehr als 800 Menschen getötet.
## Israel setzt auf Bewaffnung krimineller Clans
Zunehmend setzt Israel laut Medienberichten [2][seit vergangenem Jahr auf
die Bewaffnung teils krimineller „Familienclans“.] Einer Recherche des
Center for Information Resilience (CIR) zufolge sind sechs solche Milizen
im Gazastreifen aktiv, viele offenbar mit langjährigen Verbindungen in die
organisierte Kriminalität. Die Milizen arbeiten dabei eng mit dem
israelischen Militär zusammen, erhalten Ausrüstung und starten aus
israelisch kontrolliertem Gebiet heraus Angriffe in von der Hamas
kontrollierten Zonen.
Trotz dieses düsteren Ausblickes sagte ein arabischer Diplomat gegenüber
der israelischen Onlinezeitung Times of Israel, er halte eine diplomatische
Lösung weiterhin für möglich. Voraussetzung sei aber Druck auf beide
Seiten.
Letztlich liegen die Hoffnungen damit erneut bei US-Präsident Donald Trump.
[3][Der aber hat sich mit seinem Krieg gegen Iran selbst in eine Sackgasse
manövriert]: Wenig deutet darauf hin, dass er in Verhandlungen mit Teheran
mehr herausholen kann, als bereits das von ihm gekündigte Atomabkommen von
2015 vorsah.
Vor diesem Hintergrund häufen sich nun wieder die Drohungen aus dem Weißen
Haus. Wie das Teheran zum Umdenken bewegen soll, ist unklar. Dass eine
Rückkehr zum Krieg in Iran auch die Kämpfe im Libanon und womöglich in Gaza
weiter anfachen könnten, ist hingegen sehr wahrscheinlich.
3 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Felix Wellisch
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