# taz.de -- Donald Trump zu Besuch in Peking: Pompöser Empfang, warnende Worte
       
       > Chinas Staatschef heißt Donald Trump herzlich Willkommen. Inhaltlich
       > fährt Xi Jinping jedoch eine harte Linie – insbesondere bei der
       > Taiwan-Frage.
       
 (IMG) Bild: Händchen halten in Peking: Donald Trump bezeichnet Xi Jinping als „Freund“
       
       Als Donald Trump und Xi Jinping in der Großen Halle des Volkes ihre
       Gespräche begannen, war der Kontrast zwischen den zwei mächtigsten Männern
       der Welt so offensichtlich wie selten zuvor. „Wir werden eine fantastische
       Zukunft haben“, sagte der US-Präsident frei improvisierend, gefolgt von
       einer ausschweifenden Aneinanderreihung an Superlativen: „Es gibt Leute,
       die sagen, das ist der größte Gipfel aller Zeiten. So etwas haben sie noch
       nie gesehen!“. Der chinesische Parteichef hingegen las diszipliniert von
       seinen sorgfältig ausgearbeiteten Notizen ab, sprach ohne erkennbare
       Regung: „Beide Seiten sollten Partner statt Gegner sein.“
       
       Über zwei Stunden lang verhandelten Xi und Trump die wichtigsten Fragen der
       Gegenwart – vom [1][Irankrieg] über den Handelsstreit bis zur Zukunft
       Taiwans. Auch wenn konkrete Ergebnisse zunächst ausblieben, bewerteten
       beide Seiten die Gespräche als positiv. Das chinesische Außenministerium
       erklärte in einer ersten Stellungnahme, die USA und China hätten sich
       darauf verständigt, eine „konstruktive, strategische Stabilität“ zu
       schaffen. Ziel sei es, den Wettbewerb zu ordnen, Differenzen zu
       kontrollieren und dauerhaften Frieden zu sichern.
       
       Während des ersten China-Besuchs eines US-Präsidenten seit neun Jahren
       wurde allerdings auch deutlich, dass die beiden Staatsoberhäupter nach ganz
       unterschiedlichen Logiken funktionieren. Trump, getrieben von Tagespolitik
       und innenpolitischem Druck, muss seiner Wählerschaft vor den Midterms
       dringend Erfolge präsentieren. Xi hingegen denkt in Fünfjahresplänen,
       fürchtet weder kritische Medien noch schlechte Umfragewerte. Er will eine
       strategische Atempause aushandeln, um sich für den langfristigen Wettstreit
       der Weltmächte zu rüsten.
       
       Und er sieht sich derzeit klar im Vorteil. Sein größter Trumpf: Er
       kontrolliert fast allein die [2][seltenen Erden] – jene Rohstoffe, die auch
       die USA brauchen, um ihre in Iran verbrauchten Militärarsenale wieder
       aufzufüllen. Die entscheidende Frage lautet: Wird Xi Jinping seine Stärke
       beim Gipfel mit Trump offensiv ausspielen?
       
       ## Trump genießt die Bombastik
       
       Seine Rhetorik zu Taiwan wirkt jedenfalls deutlich druckvoller als noch bei
       früheren Treffen. So bezeichnete Xi die sogenannte [3][Taiwan-Frage] als
       „wichtigstes Thema in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen“, die –
       wenn sie „falsch“ behandelt werde – die beiden Länder in einen Konflikt
       stürzen würde.
       
       Es ist eine wenig subtile Warnung an Washington. Ob Xi den US-Präsidenten
       auch dazu gedrängt hat, ein geplantes 11-Milliarden-Dollar schweres
       Waffenpaket nach Taiwan zu unterbinden, ist bislang nicht bekannt.
       
       Im Fokus des zweitägigen Treffens steht bisher die bombastische Optik, die
       Trump sichtlich genießt. „Die Ankunft, auf die alle gewartet haben“,
       verkündete das Weiße Haus am Mittwochabend auf seinem X-Account und
       veröffentlichte ein Hochglanzvideo: Der US-Präsident fährt in seiner
       riesigen Limousine am Flughafen vor, chinesische Soldaten marschieren im
       Gleichschritt, ein Jubeltrupp junger Studenten schwenkt in Zeitlupe Fahnen.
       Es ist offensichtlich, dass die Chinesen ihrem Gast einen unvergesslichen
       Egotrip bieten wollen.
       
       Auch das weitere Programm setzt auf Symbolik: Nach den ersten Gesprächen
       führte Xi Jinping den US-Präsidenten zum historischen Himmelstempel, den
       schon Henry Kissinger mehr als ein Dutzend Mal besuchte. Am Donnerstagabend
       lud Xi zum Staatsbankett, am Freitagvormittag steht das letzte
       Arbeitsgespräch an.
       
       ## Musk & Co. – eine Wirtschaftsdelegation, die es in sich hat
       
       Besonders aufschlussreich sind auch jene Termine, die Trump während seines
       Peking-Aufenthalts nicht absolviert. Er besucht keine Unternehmen, weder
       chinesische noch amerikanische. Er schaut nicht bei seiner Botschaft
       vorbei, um die Mitarbeiter zu begrüßen, lässt sich nicht von der
       US-Handelskammer briefen, betritt keinen Universitätscampus und trifft
       keine Vertreter der radikal unter Druck stehenden Zivilgesellschaft.
       
       Stattdessen brachte Trump eine Wirtschaftsdelegation mit, die es in sich
       hat. Am Donnerstagmorgen bieten sie ein Bild für die Geschichtsbücher: Die
       reichsten und mächtigsten Männer der Welt – Elon Musk (Tesla), Tim Cook
       (Apple), [4][Jensen Huang (Nvidia)] – warten brav auf den Stufen vor der
       Großen Halle des Volkes auf die Staatschefs. Sie wirken wie Schuljungen auf
       Klassenfahrt, reißen Witze, spielen ungeduldig mit ihren Smartphones. Und
       alle werden wohl mit milliardenschweren Deals im Gepäck heimreisen.
       
       Während des glamourösen Gipfeltreffens schimmerten allerdings immer wieder
       die Grenzen der chinesischen Öffnung durch. Als etwa der Fernsehsender CNN
       live zum renommierten New Yorker-Journalisten Evan Osnos schaltete, der für
       den Trump-Besuch nach Peking reiste, brach die Internetverbindung aus
       seinem Hotelzimmer mehrfach ab. Es war ein kleiner, aber symbolträchtiger
       Moment, der belegt, dass China trotz aller diplomatischen Inszenierung ein
       streng kontrollierter und digital abgeschirmter Ort bleibt.
       
       Ohnehin ist Trumps gesamte Delegation unter hohen Sicherheitsvorkehrungen
       ins Reich der Mitte gereist: Sämtliche Regierungsbeamte haben ihre
       persönlichen Handys und Laptops zu Hause gelassen. Viel zu hoch ist die
       Gefahr, dass sensible Daten gehackt werden könnten.
       
       ## US-Kongress fordert Unterstützung von Taiwan
       
       Wegen der Zeitverschiebung zwischen Washington und Peking fielen die ersten
       Reaktionen auf das Treffen zwischen Trump und Xi in den USA am Donnerstag
       noch verhalten aus. Schon im Vorfeld forderten die demokratischen
       Mitglieder des China-Sonderausschusses im Repräsentantenhaus, Trump solle
       Amerikas Arbeitnehmer und Familien in den Mittelpunkt stellen.
       
       „Seine gescheiterte Chinapolitik hat sich noch nicht mit Chinas illegalem
       Dumping von Waren auf dem US-Markt und anderen unfairen, nicht
       marktwirtschaftlichen Praktiken auseinandergesetzt, die US-amerikanische
       Produktionsarbeitsplätze vernichten“, sagte der kalifornische Abgeordnete
       Ro Khanna.
       
       Hinzu kommen Forderungen aus dem Kongress, die bereits im Dezember
       angekündigten Waffenlieferungen an Taiwan umzusetzen. „Peking muss
       verstehen, dass die amerikanische Unterstützung für Taiwan nicht zur
       Verhandlung steht“, hieß es in einem Schreiben einer Gruppe von
       republikanischen und demokratischen Senator:innen. Auch die Forderung, der
       US-Präsident solle die Lage der Uiguren ansprechen und die Freilassung
       mehrerer politischer Gefangener auf die Agenda setzen, kam vorab aus dem
       Kongress.
       
       14 May 2026
       
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