# taz.de -- Klimakrise in den Weltmeeren: Ozeane könnten auf neue Wärmerekorde zusteuern
       
       > In den Jahren 2023 und 2024 hatte die Oberflächentemperatur der Ozeane
       > neue Höchstwerte erreicht. Aktuell schießen die Werte erneut in die Höhe.
       
 (IMG) Bild: Ein Wal im Südpolarmeer: Wenn die Ozeane wärmer werden, werden auch die Eisberge schmelzen
       
       dpa | Die Weltmeere könnten auf [1][neue Wärmerekorde] zusteuern. „Die
       Entwicklung erinnert an die Situation im Frühjahr 2023, als die globalen
       Meerestemperaturen begannen, die Höchstwerte früherer Jahre mit immer
       größerem Abstand zu übertreffen“, sagte Helge Gößling, Klimaphysiker am
       Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven, der Deutschen Presse-Agentur.
       
       „Aktuell sind die Temperaturen bereits spürbar oberhalb der Werte von 2023
       und gleichauf mit den bisherigen Rekorden von 2024, welche mit dem
       El-Niño-Ereignis von 2023/24 einhergingen.“
       
       Nach [2][Daten der Plattform „Climate Reanalyzer“] übertraf die globale
       mittlere Oberflächentemperatur im März und April bereits an mehreren Tagen
       Höchstwerte aus dem Jahr 2024. Die Plattform der University of Maine
       erfasst seit rund vier Jahrzehnten global und für einzelne Regionen
       Tageswerte, die sich unter anderem auf Satellitenmessungen stützen.
       
       ## Einfluss von El Niño spielt bisher kaum eine Rolle
       
       Ähnlich wie im Frühjahr 2023 dürfte das beginnende natürliche
       [3][Klimaphänomen El Niño] aktuell noch keinen klaren Einfluss auf die
       globalen Temperaturen haben, erklärte Gößling. Die räumlichen Muster
       unterschieden sich aber von denen vor drei Jahren: Der Nordpazifik sei
       deutlich stärker betroffen, der Nordatlantik zeige keine außergewöhnlichen
       Wärmeanomalien. „Das war 2023 anders, als schwache Passatwinde im
       Nordatlantik dort zu fehlender Verdunstungskühlung führten.“ Besonders
       stark aufgeheizt sei aktuell der Pazifik vor der Küste Kaliforniens und
       Mexikos.
       
       Zu berücksichtigen sei zudem, dass die globale Erwärmung in den vergangenen
       drei Jahren weiter vorangeschritten sei. „Dass die Meere insgesamt über dem
       langjährigen Mittel bleiben, ist absolut erwartbar“, betonte Gößling. Die
       aktuelle Entwicklung zeige, dass die Rekorde von 2023/24 kein absoluter
       Ausreißer waren, auf die eine vermeintliche Erwärmungspause folgt.
       „Vielmehr sind wir auf absehbare Zeit auf einem stetigen Erwärmungspfad.“
       
       ## Gesamttemperatur bis in die Tiefe steigt kontinuierlich
       
       Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel wies
       darauf hin, dass man angesichts der Schwankungen bei der
       Oberflächentemperatur der Meere nicht vergessen sollte, dass die
       Gesamttemperatur der Ozeane im Zuge der Klimakrise stetig Rekordwerte
       erreicht. Die Meere fungieren seit Jahrzehnten als gewaltiger Wärmepuffer:
       Sie nehmen rund 90 Prozent der Wärme auf, die sich durch den Anstieg der
       Treibhausgase in der Atmosphäre staut, wie Latif erklärte.
       
       Das werde voraussichtlich auch weiter so sein und helfe kurzfristig, die
       Temperaturen der Atmosphäre abzupuffern, erklärte der Klimaforscher.
       Langfristig werde aber ein Teil der Wärme auch wieder abgegeben. Dieser
       Nachlauf des gigantischen Wärmespeichers Ozean sei ein physikalischer Grund
       dafür, dass sich eine über 2 Grad hinausgehende Erderwärmung kaum mehr
       vermeiden lasse. Hinzu komme die sozioökonomische Trägheit: Der weltweite
       Ausstoß an Treibhausgasen ließe sich nicht plötzlich auf null senken,
       sondern nur über Jahrzehnte. Zudem seien die bereits in die Atmosphäre
       gepumpten langlebigen Gase auch dann weiterhin wirksam.
       
       ## Immer heftigere El-Niño-Auswirkungen
       
       Wie die steigenden Ozeantemperaturen die Häufigkeit und Stärke von
       El-Niño-Ereignissen beeinflussen, sei noch unklar, erklärte Latif. Klar sei
       aber, dass die El-Niño-Auswirkungen in einer immer wärmeren Welt stärker
       ausfallen. „Es ist mehr Energie im System, Stürme und Regenfälle werden
       dadurch im Mittel stärker.“ Das bedeute nicht nur in den direkt von
       El-Niño-Folgen getroffenen Regionen mehr Leid, Schäden und Probleme. „Am
       Ende des Tages hat es – etwa über verlorene Ernten – global wirtschaftliche
       Auswirkungen.“
       
       Die Anzeichen für einen bevorstehenden starken El Niño werden nach
       Einschätzung der Weltwetterorganisation (WMO) immer stärker. Das
       Wetterphänomen tritt etwa alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert jeweils
       etwa ein Jahr. Während dieser Phasen gelangt regional mehr Wärme aus dem
       Pazifik in die Atmosphäre, mit veränderten Wettermustern als Folge. Es kann
       zum Beispiel schwere Regenfälle in Teilen Afrikas oder Südamerika geben,
       aber auch Dürren etwa in Australien oder Indonesien.
       
       Ob sich derzeit ein [4][starkes El-Niño-Ereignis] entwickle, lasse sich
       noch nicht gesichert sagen, so Gößling. „Im Sommer sollten wir klarer
       sehen, ob tatsächlich ein Ereignis eintreffen wird, welches neue globale
       Rekorde mit sich bringt.“
       
       14 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Report-zu-Vitalzeichen-des-Planeten/!6125313
 (DIR) [2] https://climatereanalyzer.org/clim/sst_daily/?dm_id=world2
 (DIR) [3] /Naturkatastrophen/!6177533
 (DIR) [4] /Studien-zeigen-dramatischere-Klimakrise/!6160431
       
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