# taz.de -- Korallensterben: Wie Korallenriffe den Klimawandel beeinflussen
       
       > Tote Riffe erleichtern es der Erde, sich von CO2-Schocks zu erholen,
       > zeigt eine Studie. Aber das ist keine Entwarnung für die Erderhitzung.
       
 (IMG) Bild: Das Korallenriff Great Barrier Reef in Australien scheint auf diesem Bild quicklebendig
       
       Die Korallenriffe der Welt sterben derzeit in atemberaubender
       Geschwindigkeit. Weil Korallen nicht mit schnell steigenden
       Meerestemperaturen klarkommen, setzt ihnen die [1][menschengemachte
       Erderhitzung] schwer zu. Ähnlich starke Zunahmen der CO2-Konzentration in
       der Atmosphäre wurden bislang nur durch Phänomene [2][wie Vulkanausbrüche]
       verursacht. Ein Forscher*innenteam aus Australien und Frankreich hat
       jetzt festgestellt: In früheren Erdzeitaltern haben Korallenriffe
       mitbestimmt, wie sich die Welt von solchen Ereignissen erholt.
       
       ## Die Studie
       
       „Riffe reagierten nicht nur auf Veränderungen im Klima – sie bestimmten das
       Tempo“, sagt Tristan Salles von der Universität Sydney, einer der
       Autor*innen [3][der Studie]. Die Forscher*innen kombinierten
       Rekonstruktionen von Plattentektonik, Verschiebungen der Oberfläche und
       Ökologie von Korallenriffen der vergangenen 250 Millionen Jahre, als die
       ersten Dinosaurier auftauchten.
       
       Sie fanden heraus, dass Riffe einen großen Einfluss darauf hatten, wie
       schnell sich die Erde [4][von CO2-Schocks] wie Vulkanausbrüchen erholte.
       Wenn es Riffen gutgeht, binden die Korallen in ihren Schalen
       Kalziumkarbonat. Das macht den Ozean saurer, und ein saurer Ozean kann
       weniger CO2 aufnehmen. Deswegen dauerte die Erholung nach CO2-Schocks
       länger, wenn Riffe florierten.
       
       Andersherum funktioniert es genauso. Wenn sich die Küsten aufgrund der
       Plattentektonik verändern oder der Meeresspiegel sinkt, leiden
       Korallenriffe. Dann steigt die Konzentration von Kalzium im Ozean und der
       Ozean wird weniger sauer. In einer solchen Phase hat die Erde sich
       schneller [5][von CO2-Schocks erholt], weil der Ozean mehr CO2 binden
       konnte.
       
       Außerdem machte der Kollaps der Riffe den Weg frei für den
       Nährstofftransport von Flüssen in den weiten Ozean – zuvor nahmen die
       küstennahen Riffe die meisten Nährstoffe auf. In solchen Phasen wuchs
       Plankton schneller und seine Evolution wurde beschleunigt.
       
       ## Was bringt’s?
       
       Der [6][diesjährige Bericht über die Kipppunkte der Erde] warnt, dass
       Korallenriffe aufgrund der hohen Meerestemperaturen [7][wahrscheinlich
       ihren Kipppunkt überschritten haben]: Sie werden kollabieren und sich auch
       nicht rasch erholen, wenn wir die Erderhitzung wieder unter 1,5 Grad
       drücken. „Wir wissen, dass sich das Erdsystem irgendwann von der Ära der
       massiven CO2-Disruption erholen wird, in die wir gerade eintreten“, sagt
       Salles.
       
       Aber das Korallensterben wird sie Situation für die Menschen nicht ändern:
       „Diese Erholung passiert nicht in einem menschlichen Zeithorizont. Unsere
       Studie zeigt, dass geologische Erholung tausende bis hunderttausende Jahre
       braucht.“ Auch der Plankton, der viel CO2 im Ozean bindet, [8][leidet unter
       den steigenden Meerestemperaturen].
       
       Darüber lohnt es sich zu sprechen: Wie beiläufig wir komplexe Systeme
       zerstören, deren Beitrag zum Leben auf unserem Planeten wir erst beginnen
       zu verstehen.
       
       31 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Wie-der-Klimawandel-den-Jahrhundert-Hurrikan-Melissa-antreibt/!6125006
 (DIR) [2] /Vulkanausbrueche-und-Klimakrise/!6098723
 (DIR) [3] https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2516468122
 (DIR) [4] /Weltraumbehoerde-ueber-Amazonas/!6111066
 (DIR) [5] /Amazonas-Regenwald-kippt/!6130319
 (DIR) [6] https://global-tipping-points.org/
 (DIR) [7] /Forschende-sehen-drohendes-Sterben/!6119503
 (DIR) [8] /Studie-zu-Phytoplankton/!6109162
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Waack
       
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