# taz.de -- Kinder fragen, die taz antwortet: Warum riecht Regen eigentlich nach Regen?
> Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche
> beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Lia, 7 Jahre alt.
(IMG) Bild: Je nachdem, wohin der Regen fällt – ob auf Asphalt, Acker oder einen Waldboden – setzt der Regen andere Düfte frei
Welchen Geruch du meinst, liebe Lia, weiß ich genau. Dabei besteht Regen
doch aus Wasser, und Wasser riecht bekanntlich nach nicht besonders viel.
Wenn es im Sommer [1][anfängt zu regnen], öffne ich aber manchmal extra das
Fenster, um [2][den Regengeruch hereinzulassen]. Dann riecht es in meinem
Zimmer plötzlich frisch und auch ein bisschen erdig.
Der Regengeruch entsteht, wenn die Tropfen auf den Boden prasseln. Beim
Aufprall gelangen dann verschiedene Duftstoffe in die Luft. Besonders
intensiv nehmen wir den Regengeruch wahr, wenn es vorher länger nicht
geregnet hat und der Boden trocken und hart ist. Das liegt daran, dass der
Regen nicht direkt einsickern kann. Dann springen die Tropfen [3][als eine
Art Sprühnebel] zurück und wirbeln die Düfte umher.
Den erdigen Geruch, der Geosmin genannt wird, riechen wir besonders gut aus
dem Gemisch heraus. Er entsteht durch Bakterien, erklärt mir Hauke Harms.
Als Umweltmikrobiologe weiß er über die Tätigkeiten dieser winzigen
Lebewesen Bescheid.
Harms erklärt, dass die Menge von Geosmin sehr gering sein kann und wir es
trotzdem riechen können. Hast du schon mal [4][an einer roten Bete]
gerochen? Auch sie enthält Geosmin und riecht deshalb ähnlich wie Regen.
Je nachdem, wohin der Regen fällt – ob auf Asphalt, Acker oder einen
Waldboden – setzt der Regen andere Düfte frei. Im Wald mischen sich zum
Beispiel die ätherischen Öle von den Nadelbäumen mit dem erdigen Geruch.
Wenn du aufmerksam riechst, merkst du, dass der Regen hier anders duftet
als in der Großstadt.
Für den Regengeruch haben zwei australische Forschende im Jahr 1964
übrigens einen Begriff erfunden. Der heißt Petrichor und setzt sich aus
zwei griechischen Wörtern zusammen: „Petros“ bedeutet Stein und „Ichor“
Wundwasser, das bei der Wundheilung eine große Rolle spielt. Die alten
Griechen dachten bei „Ichor“ aber auch an die Flüssigkeit, die in den Adern
der Götter fließt.
Es ist also kaum verwunderlich, dass sich auch Künstler:innen mit dem
Geruch von Regen beschäftigen. Die Illustratorin Inga Krause hat zu
Petrichor ein ganzes Bilderbuch gemacht.
„Darin geht es um jene Wahrnehmungen, die im Stadtalltag untergehen, wenn
wir sie nicht ganz bewusst spüren“, erzählt sie. Wenn es das nächste Mal
regnet, liebe Lia, nimm also einen besonders tiefen Atemzug.
17 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johanna Weinz
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