# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Ungewohntes vom Dudelsack, der Pfeifenorgel und dem Cello
       
       > Beim Atonal-Weekender geht es nicht nur um avantgardistische
       > Klangforschung, sondern auch um den sozialen Raum – wie auch beim
       > Kiezsalon.
       
 (IMG) Bild: Jim O’Rourke und Eiko Ishibashi sind beim Atonal-Festival dabei
       
       Alles neu macht der Mai – sogar das [1][Atonal-Festival], das ja gemeinhin
       im Spätsommer stattfindet. Dessen Macher stellen ab Samstagabend (16. Mai)
       zusammen mit dem Krakauer Unsound Festival ein 30-stündiges Konzert im
       Kraftwerk Mitte auf die Beine; die nächste reguläre Festivalausgabe soll es
       2027 geben. „The Infinite Now“ knüpft mit seinem experimentellen Programm
       zwischen Elektroakustik, Noise und Ambient nicht zuletzt an „The Long Now“
       an, die Abschlussveranstaltung der Maerzmusik, die von 2016 bis 2019 an
       gleicher Stelle stattfand.
       
       Zum Auftakt interpretiert der US-Amerikaner Shane Parish Veröffentlichungen
       des Electronica-Duos Autechre auf der akustischen Gitarre. Zu vorgerückter
       Stunde wiegt die Schottin Brìghde Chaimbeul mit Dudelsack-Drones vielleicht
       schon erste Besucher:innen in den Schlaf. Weiter durch die Nacht führt
       unter anderem die Komponistin und Organistin Kali Malone.
       
       Zum späten Frühstück präsentiert mit Jim O’Rourke ein alter
       Avantgarde-Bekannter, zusammen mit der Singer-Songwriterin Eiko Ishibashi,
       das Werk des Komponisten Włodzimierz Kotoński – der übrigens das erste
       elektronische Stück in der polnischen Musikgeschichte schrieb. Also
       Schlafsack einpacken und viel vom abwechslungsreichen Programm mitnehmen.
       Die Gäste sind eingeladen, zwischendurch auf Hängematten und Betten zu
       ruhen (16. 5., ab 19 Uhr, [2][Kraftwerk Mitte], weitere Informationen:
       [3][berlin-atonal.com]).
       
       Die kolumbianische Experimentalmusikerin Lucrecia Dalt machte sich Anfangs
       der 2010er Jahre mit elektronischer Tanzmusik einen Namen und entwickelte
       sich dann Richtung Abstraktion. Auf ihrem neuesten Album „A Danger to
       Ourselves“ rückt ihre Stimme in den Vordergrund, getragen von eingängigen
       Bassläufen und der tollen Percussion ihres Mitstreiters Alex Lázaro (19.
       5., 20 Uhr, [4][Betonhalle im Silent Green]).
       
       Am nächsten Freitag gibt es Neues – oder vielmehr: Antikes – von der
       Pfeifenorgel. Bevor sie nämlich im 8. Jahrhundert zum Symbol christlicher
       Andacht wurde, galt sie ein weltliches Instrument und kam im Römischen
       Reich, etwa bei Wettkämpfen, zum Einsatz. Auf diese Vorgeschichte beziehen
       sich Gamut Inc mit ihrem neuen Album „Radiating“. Das Berliner Duo
       erweitert das Klangspektrum von Orgeln seit 15 Jahren, etwa mit der
       Midi-Technik (22. 5., 20 Uhr, [5][Auenkirche).]
       
       Ebenfalls zum Pfingstwochenende startet der geschätzte Kiezsalon in eine
       neue Runde. Und weil es im vergangenen Jahr im Schloss Britz, das ja eher
       Gutshofambiente hat, so schön war, startet die nomadische
       Veranstaltungsreihe wieder dort mit einem Doppelaufschlag – am Freitag
       unter anderem mit dem Folkprojekt Susannah Stark & Band aus Glasgow. Die
       Produzentin Alice Gerlach alias alice does computer music nutzt ihr Cello
       als Ausgangspunkt für experimentelle Collagen und schafft so Wohlklang,
       aber auch harsche Synthesizersounds. Am Samstag wird es eher jazzig.
       (22./23. 5., 18.30 bzw. 18 Uhr, [6][Schloss Britz).]
       
       15 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://berlin-atonal.com/
 (DIR) [2] https://de.ra.co/events/2373940
 (DIR) [3] https://berlin-atonal.com/
 (DIR) [4] https://www.eventbrite.de/e/lucrecia-dalt-pres-a-danger-to-ourselves-jonathan-castro-live-set-tickets-1968661821503?aff=SGWeb1
 (DIR) [5] https://pretix.eu/gamutinc/radiating/
 (DIR) [6] https://www.eventbrite.de/cc/kiezsalon-opening-at-schloss-britz-4831982
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stephanie Grimm
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Sound der Stadt
 (DIR) Jazz
 (DIR) Neue Musik
 (DIR) taz Plan
 (DIR) ESC
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Sound der Stadt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) ESC in Wien: Viel zu viel Hader um Israel
       
       Beim 70. ESC in Wien geht es viel um die Frage von Ausschlüssen. Der
       Israeli Noam Bettan ist propalästinensischer Wut zum Trotz für das Finale
       qualifiziert.
       
 (DIR) Über migrantische Selbstbehauptung: „Und das geht nur gemeinsam“
       
       Er rappt gegen Rassismus. Arbeitet mit Jugendlichen. Verortet seine Kunst
       zwischen politischem HipHop und experimentellem Pop: im Gespräch mit
       Shadore.
       
 (DIR) Konzertempfehlungen für Berlin: Können Sie sich den Namen dieser Band merken?
       
       Zweierlei A-capella-Musik steht an, mit Vögeln und Hoffnung. Und es gibt
       eine Berliner Premiere mit „Geordie Jazz“ – von Knats.