# taz.de -- Israel vor Neuwahlen: Netanjahu treibt Auflösung der Knesset voran
> Die ultrarechte israelische Regierung kündigt an, das Parlament vor
> Ablauf der Amtszeit aufzulösen. Ein entsprechendes Gesetz ist auf dem
> Weg.
(IMG) Bild: Zunehmend unbeliebter: Israels Premier Benjamin Netanjahu
afp/taz | In Israel dürfte es ab Ende August zu einer vorgezogenen
Parlamentswahl kommen. Die ultrarechte Regierungskoalition ebnete den Weg
dafür durch einen Antrag auf Auflösung des Parlaments. „Die 25. Knesset
wird vor Ablauf ihrer Amtszeit aufgelöst“, erklärte die Likud-Partei von
Regierungschef Benjamin Netanjahu am Mittwoch. Sie kam damit mehreren
Oppositionsparteien zuvor. Der Schritt erfolgte angesichts eines sich
abzeichnenden möglichen Bruchs der Regierungskoalition.
Der Gesetzentwurf zur Auflösung der Knesset wurde von der Likud-Partei
veröffentlicht und von den Vorsitzenden der sechs Fraktionen unterzeichnet,
die gemeinsam die Mehrheit im Parlament bilden. Israelischen
Medienberichten zufolge könnte der Gesetzentwurf am 20. Mai zur Abstimmung
gebracht werden. Dies gilt als reine Formsache.
Die Wahl für ein neues Parlament würde an einem vom Knesset-Ausschuss
festgelegten Termin stattfinden, der „frühestens 90 Tage nach
Verabschiedung dieses Gesetzes liegen darf“, hieß es demnach weiter. Sie
könnte damit ab der dritten Augustwoche stattfinden, etwa zwei Monate vor
dem geplanten Ende der Legislaturperiode Ende Oktober.
Am Dienstag hatten zuvor mehrere Oppositionsparteien angekündigt, einen
Gesetzentwurf zur Auflösung der Knesset einbringen zu wollen. Der
säkular-liberale Oppositionsführer Jair Lapid erklärte nun, er und sein
rechtsgerichteter Verbündeter Naftali Bennett seien bereit, sich bei einer
vorgezogenen Abstimmung zur Wahl zu stellen. Lapid und Ex-Regierungschef
Bennett hatten Ende April [1][die neue Anti-Netanjahu-Allianz Bejahad
(Gemeinsam)] gegründet.
## Politisches Stehaufmännchen Netanjahu
Benjamin Netanjahu seinerseits stand zunehmend durch ultraorthodoxe
Parteien unter Druck. Sie zeigten sich verärgert, dass, anders als von
Netanjahu zugesagt, kein Gesetz zur Abstimmung gebracht wurde, das junge
Männer, die in Toraschulen studieren, von der Wehrpflicht ausnehmen würde.
Der 76-jährige Netanjahu ist bislang insgesamt mehr als 18 Jahre lang
Regierungschef. Er gilt als politisches Stehaufmännchen und [2][hat
zahlreiche Krisen überstanden]. Seit dem Sommer, nach dem Austritt der
ultraorthodoxen religiösen Parteien Vereinigtes Tora-Judentum und Schas aus
seiner Koalition, hat er keine Mehrheit mehr im Parlament. Außerdem ist er
wegen mutmaßlicher Korruption angeklagt.
Beobachter hatten sich bereits in der Vergangenheit überzeugt gezeigt, dass
Netanjahu die Parlamentswahl vorziehen werde. Angesichts des Jahrestags des
7. Oktobers werde er mit dem Urnengang nicht bis Oktober warten. Der Krieg
im Gazastreifen nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober
2023 [3][hatte Netanjahu viel Popularität gekostet].
Aktuelle Umfragen zeigen einen Gleichstand von Netanjahus Likud und dem
Lapid-Bennett-Bündnis Bejahad. Wobei die Regierungspartei im Vergleich zur
Parlamentswahl 2021 zwar ordentlich einbüßen würde, Bejahad aber auch nicht
recht zünden will.
Lapid und Bennett wollen im Wahlkampf zwei Themen in den Vordergrund
stellen: Sie werben für eine Untersuchungskommission zum 7. Oktober sowie
für die Verabschiedung eines Gesetzes, das ultraorthodoxe Juden zur
Ableistung des Militärdienstes verpflichten würde.
14 May 2026
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