# taz.de -- US-Notenbank mit neuem Chef: Die Personalie Kevin Warsh ist ein Politikum
       
       > Der neue Chef der US-Notenbank ist ein Favorit von Trump, die Demokraten
       > sehen das mit Skepsis. Im Hintergrund geht es um die Unabhängigkeit der
       > Fed.
       
 (IMG) Bild: Trumps Favorit: der neue Fed-Chef Kevin Warsh, hier bei einer Anhörung im Senat im April
       
       Ob sich [1][Kevin Warsh] auf seinen ersten Arbeitstag im neuen Job freut,
       den er diesen Freitag antritt? Immerhin wird der 56-jährige Chef der
       US-Notenbank Fed und damit der wichtigste Notenbankchef der Welt. Doch ist
       dies derzeit alles andere als eine einfache Aufgabe.
       
       Warsh übernimmt den Posten von Jerome Powell. Erst am Mittwoch gab der
       Senat grünes Licht für den Amtswechsel. Mit 54 zu 45 Stimmen votierte eine
       ungewöhnlich knappe Mehrheit für den Wunschkandidaten von US-Präsident
       Donald Trump. Seine Ernennung ist auch ein ungewöhnlich großes Politikum,
       weil es dabei vor allem um die Unabhängigkeit der US-Notenbank geht.
       
       Zuvor hatte sich der Machtkampf zwischen Trump und Powell immer weiter
       verschärft. Trump will, dass die Fed die Zinsen senkt, damit Hypotheken für
       Immobilien und Staatsschulden billiger werden. Dies soll die Wirtschaft
       ankurbeln. Doch die Fed wollte die Zinsen bisher noch nicht so weit senken,
       wie es Trump wünscht. Powell begründet dies mit der hohen Inflation in den
       USA. Diese lag zuletzt bei 3,8 Prozent und wird auch durch Trumps
       Zollpolitik sowie den Irankrieg in die Höhe getrieben.
       
       Der US-Präsident setzte Powell schon vor seiner zweiten Amtszeit massiv
       unter Druck, er nannte ihn „Schwachkopf“ und „Verlierer“ und [2][ließ sogar
       zeitweilig gegen ihn ermitteln] wegen vermeintlich ausufernder
       Renovierungskosten für die Fed-Zentrale. Doch Powell blieb standhaft.
       Diesen Freitag endet regulär seine zweite Amtszeit.
       
       ## Auch Republikaner stellte sich gegen Warsh
       
       Warsh ist als Nachfolger umstritten. Lange Zeit hatte Trump für ihn keine
       Mehrheit im Bankenausschuss des US-Senats. Dort sitzen 13 Republikaner
       sowie 11 Demokraten, doch auch der Republikaner Thom Tillis verweigerte
       zunächst seine Zustimmung. „Der Schutz der Unabhängigkeit der Federal
       Reserve vor politischer Einmischung oder rechtlicher Einschüchterung ist
       nicht verhandelbar“, begründete Tillis dies mit den zeitweiligen
       Ermittlungen gegen Powell.
       
       Nachdem diese eingestellt wurden, stimmten alle Republikaner Ende April im
       Bankenausschuss für Warsh. Die Demokraten waren hingegen weiterhin gegen
       diese Personalie. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren bezeichnete
       den ehemaligen Investmentbanker als eine „Marionette“ Trumps. Sie drängte
       vor allem auch auf mehr Transparenz bezüglich der Finanzbeteiligungen von
       Warsh. Darunter sind unter anderem Beteiligungen an der Firma SpaceX vom
       einstigen Trump-Buddy und Tesla-Boss Elon Musk. Insgesamt wird das Vermögen
       von Warsh auf über 100 Millionen US-Dollar geschätzt.
       
       Ob der Jurist Trumps Drängen nachgibt und die Zinsen senkt, ist indes
       fraglich. Zumal er nicht alleine darüber entscheidet, sondern mit dem
       Offenmarktausschuss der Fed. Diesem gehören neben dem Notenbankchef elf
       weitere Mitglieder an. Und auch Powell wurde einst von [3][Donald Trump]
       als Fed-Chef ernannt.
       
       15 May 2026
       
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