# taz.de -- Drohnenshow für Olympia: In Hamburg kommt Olympia von oben
       
       > Der Senat will das Olympia-Nein der Hamburger*innen von 2015 einfach
       > nicht akzeptieren. Jetzt buhlt er um sie mit Drohnen – und der
       > Breitensport?
       
 (IMG) Bild: Bunter Liebeszauber überm Hamburger Hafen: Schon zum Auftakt der Kampagne im Februar gab es Olympiawerbung als Drohnenshow
       
       Vor zehn Jahren dachten wir, wir hätten es endlich hinter uns. [1][Hamburg
       hatte 2015 deutlich Nein gesagt zu Olympischen Spielen in der Stadt]: Keine
       Milliardengräber an der Elbe, keine nutzlosen Stadien, die nach der
       Schlussfeier [2][als Ruinen vor sich hin gammeln], kein Ausnahmezustand für
       drei Wochen städtische Selbstbeweihräucherung. Wollten wir nicht, wollen
       wir auch zukünftig nie. Wohlverdiente Post-Olympia-Ruhe. Zeit, sich aufs
       Wesentliche zu konzentrieren.
       
       Aber der Hamburger Senat verhält sich wie stalkende Ex-Geliebte, die die
       Endgültigkeit einer Trennung nicht akzeptieren. Wie jemand, der nachts am
       Fenster steht, Steinchen gegen die Scheibe wirft und behauptet, das sei
       doch alles nur ein Missverständnis gewesen. Und nicht begreift, wie
       übergriffig das ist. Und [3][weil die alten Komplimente nicht mehr ziehen],
       steht er immer wieder mit einer neuen, noch teureren Rose vor der Tür.
       
       Zum Hafengeburtstag am übernächsten Wochenende ist es eine Rose in Form
       hunderter funkelnder Drohnen am Abendhimmel. In einer Show sollen sie
       „Olympia“ in den Himmel schreiben, als plastikdigitales Liebesgeständnis,
       damit wir bei der Abstimmung am 31. Mai diesmal im plötzlichen Taumel der
       Gefühle doch noch Ja zu Hamburgs Bewerbung sagen.
       
       Schon zum Auftakt der neuen Charmeoffensive im Februar hatte der Senat
       Hunderte leuchtende Plastikflieger über der Elbe surren lassen. Das gibt
       natürlich fantastische Bilder: paddelnde Kajakfahrende im Discolicht, sich
       drehende Sportgymnastik. Kitschig, aber immerhin kein feinstaubbelastendes
       Feuerwerk.
       
       ## Hoch überm Boden der Tatsachen
       
       Dabei ist es schon ironisch, ausgerechnet mit Drohnen für die „belebende
       Kraft des Sports“ und die Völkerverständigung zu werben. Die Technik, die
       da oben so hübsch bunte Kringel in den Abendhimmel malt, [4][hat ihre
       Wurzeln ja im Krieg]. Bevor sie zu Werbeträgern umerzogen wurden, haben
       Drohnen aufgeklärt und präzise vernichtet. Und jetzt sollen sie den
       olympischen Frieden herbeiflimmern. Das ist so authentisch [5][wie ein
       Liebesbrief, den man von einer KI hat schreiben lassen].
       
       Andererseits: Drohnen sind per Definition seelenlose Maschinen, die stumpf
       das tun, was man ihnen einprogrammiert hat. In ihrer sterilen Perfektion
       passen sie damit wiederum hervorragend zum modernen IOC-Zirkus, bei dem es
       schon lange nicht mehr um Schweiß und Fairness geht, sondern um lückenlose
       Vermarktung und Profitmaximierung.
       
       Also was genau soll hier bitte die Botschaft sein? Die Lichtshow wirkt wie
       ein verzweifeltes „Schaut alle nach oben!“ Wer voller Staunen verzückt in
       den Abendhimmel starrt, sieht nicht, wie es unten auf dem Boden der
       Tatsachen aussieht: Da, wo der Breitensport wegen Sanierungsstau vor sich
       hin darbt, in bröckelnden Turnhallen mit kaputten Duschen und mit
       abgenutzten Aschenbahnen, die eher an antike Ausgrabungsstätten erinnern
       als an moderne Sportstätten. Da könnte ein dreistelliger Millionenbetrag
       schnell helfen, hört man.
       
       Aber während Vereine händeringend nach Trainer:innen und
       Übungsleiter:innen suchen und ehrenamtlich Engagierte schon am
       Förderantrags-Hürdenlauf scheitern, verballert die Stadt lieber Geld für
       eine glitzernde Choreografie.
       
       ## Bald wieder für zehn Jahre Ruhe?
       
       Man kann die Show also auch als Warnung verstehen: Olympia kommt von oben
       herab, funkelt kurz, kostet Unmengen an Geld und ist dann ganz schnell
       wieder weg.
       
       Und am Ende bleibt außer heißer Luft, ein paar Insta-tauglichen Bildern und
       Drohnenüberflugaufnahmen vor allem die Frage, wer den ganzen Schlamassel
       aufräumen soll, wenn die Party vorbei ist und der Senat sich zum nächsten
       Großevent davongestohlen hat.
       
       Wirklich sportlich fair wäre es, wenn die Stadt, statt teures Blendwerk
       abzubrennen, alles dafür tun würde, dass wenigstens die Bolzplätze
       funktionierendes Flutlicht haben. Wer Liebe mit Drohnen erzwingen will, hat
       das „Nein“ von damals immer noch nicht kapiert. Da hilft erst mal nur
       konsequentes Ignorieren von allem Budenzauber und ein schön deutliches Nein
       an der Abstimmungsurne Ende Mai. Dann haben wir vielleicht bald wieder für
       zehn Jahre Ruhe.
       
       29 Apr 2026
       
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