# taz.de -- Gedenkstein gegen Rassismus: Erinnerung an Ufuk Şahin
       
       > 37 Jahre nach der Tat würdigt der Bezirk Reinickendorf erstmals dauerhaft
       > das Andenken an den ermordeten Ufuk Şahin – und an seine letzten Worte.
       
 (IMG) Bild: Die Trauerdemonstration für Ufuk Şahin am 20. Mai 1989
       
       Am 12. Mai 1989 wurde [1][der 24-jährige Ufuk Şahin] vor seinem Wohnhaus im
       Märkischen Viertel ermordet. Nun, 37 Jahre später, wurde am Tatort ein
       Gedenkstein mit seinen letzten Worten eingeweiht.
       
       Der Gedenkstein mit dem Schriftzug „Ich bin ein Mensch, du bist ein Mensch
       – also was soll das?“ schaffe Sichtbarkeit genau dort, wo die Tat geschehen
       ist, erklärt Ebru Okatan, die Antidiskriminierungsbeauftragte des
       Bezirksamts Reinickendorf. Er mache deutlich, dass diese Geschichte Teil
       des Bezirks sei und nicht verdrängt werde. Gleichzeitig gehe es nicht nur
       um Erinnerung, sondern auch um Haltung. Der Stein solle Menschen dazu
       anregen, innezuhalten, Fragen zu stellen und sich mit Rassismus
       auseinanderzusetzen.
       
       Die Einweihung beschreibt Okatan als einen sehr bewegenden Moment.
       „Besonders eindrücklich war die Anwesenheit seiner Familie – darunter sein
       Bruder, seine Schwester und sein Sohn. In solchen Momenten wird deutlich,
       dass es sich nicht um eine abstrakte Geschichte, sondern um ein konkretes
       Schicksal handelt, das bis heute nachwirkt.“
       
       An jenem Abend war Şahin mit einem Freund unterwegs, als sie auf den
       späteren Täter und dessen Verlobte trafen. Der Mann beleidigte Şahin
       rassistisch. Şahin antwortete: „Ich bin ein Mensch, du bist ein Mensch.
       Also was soll das?“ Der Täter zog ein Messer und stach ihm in die Leiste.
       Die Klinge traf eine Hauptschlagader. Ufuk Şahin verblutete noch am Tatort.
       
       Wenige Monate vor dem Mauerfall galt das [2][Märkische Viertel] als
       Hochburg der rechtsextremen Partei Die Republikaner. Bei den Wahlen im
       Januar 1989 hatten rund 20 Prozent der männlichen Erstwähler in Westberlin
       für sie gestimmt.
       
       Unmittelbar nach Şahins Tod organisierten Angehörige, Freund:innen und
       Nachbar:innen Proteste. Am 19. Mai 1989 zogen 1.500 Menschen durch das
       Märkische Viertel. Einen Tag später demonstrierten fast 10.000 Menschen vor
       dem Rathaus Schöneberg, dem damaligen Regierungssitz Westberlins.
       
       [3][Im Oktober 1989 wurde der Täter wegen Körperverletzung mit Todesfolge
       zu fünf Jahren Haft verurteilt.] Ein rassistisches Motiv erkannte die
       Richterin nicht an, obwohl sich der Täter vor Gericht weiterhin rassistisch
       äußerte.
       
       Die Erinnerung an Ufuk Şahin musste lange erkämpft werden. Auch weil
       rassistisch motivierte Taten in Berlin erst ab 1990 systematisch erfasst
       wurden. Erst im Jahr 2019 rückte der Mord durch eine öffentliche
       Gedenkveranstaltung vor seinem Wohnhaus wieder stärker ins Bewusstsein der
       Öffentlichkeit.
       
       Um die Erinnerungsarbeit im Bezirk weiter auszubauen, wurde am 11. Mai
       erstmals der Ufuk-Şahin-Preis verliehen, der Engagement für ein
       respektvolles und solidarisches Miteinander würdigt. Unter dem Motto „Ich
       bin Mensch, du bist Mensch!“ ehrt die Auszeichnung Menschen und
       Initiativen, die sich aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen.
       Der diesjährige Preis ging an den [4][Offenen Kinder- und Jugendtreff LAIV]
       und soll künftig alle zwei Jahre vergeben werden.
       
       14 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ich-bin-doch-auch-ein-Mensch/!1792721/
 (DIR) [2] /Leben-im-Maerkischen-Viertel/!6059563
 (DIR) [3] /Anklage-wegen-Tod-eines-Tuerken/!1803343/
 (DIR) [4] /Kinderarmut-in-Berlin/!6058885
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilli Messer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Opfer rechter Gewalt
 (DIR) Rechte Gewalt
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Opfer rechter Gewalt
 (DIR) wochentaz
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Berliner Antidiskriminierungsgesetz: Viel Arbeit für Beschwerdestelle
       
       In den fünf Jahren ihres Bestehens hat die Ombudsstelle gegen
       Diskriminierung rund 4.000 Anfragen erfasst. Oft geht es um Rassismus,
       geklagt wird selten.
       
 (DIR) 40 Jahre nach rassistischem Mord: „Es war der Beginn aktiven antirassistischen Widerstands“
       
       40 Jahre nach dem Mord an Ramazan Avcı in Hamburg wird der Ort des
       Geschehens neu gestaltet. Endlich, sagt Gürsel Yıldırım von der
       Gedenk-Initiative.
       
 (DIR) Leben im Märkischen Viertel: Stolz und Vorurteil
       
       Hochhaussiedlungen könnten die Wohnungskrise lösen, haben aber keinen guten
       Ruf. Was sagen Menschen, die hier leben oder aufgewachsen sind?