# taz.de -- Anti-Asyl Proteste in den Niederlanden: Es brennt wieder
       
       > Seit Monaten gibt es Proteste gegen die Unterbringung Geflüchteter, auch
       > mit Gewalt und Brandanschlägen. Am Dienstag gleich an mehreren Orten.
       
 (IMG) Bild: Rechter Terror in Lossdrecht
       
       Rund vierhundert Personen haben am Dienstagabend vor einer Notunterkunft im
       Städtchen Loosdrecht bei Hilversum dagegen demonstriert, dass dort 70
       Asylsuchende ein halbes Jahr bleiben sollen. Die ersten Flüchtlinge waren
       dort am Morgen angekommen.
       
       Aus der Menge wurden Fackeln und Feuerwerkskörper in Richtung des Gebäudes
       geworfen, Hecken standen in Flammen. Kurzzeitig wurde die Feuerwehr am
       Zugang gehindert, bevor sie den Brand löschen konnte. Es ist nicht bekannt,
       wie viele Menschen sich zu der Zeit in dem Gebäude befanden. Verletzt wurde
       niemand.
       
       Das Bild des ehemaligen Rathauses, vor dem Flammen emporschießen, ging in
       der Nacht auf Mittwoch durch alle niederländischen Medien. Es steht für die
       Zuspitzung der Lage in Loosdrecht, wo Anwohner*innen seit Ende April
       gegen die Unterbringung in dem leer stehenden Gebäude protestieren, weil
       sie sich von der lokalen Verwaltung übergangen fühlen. Wie an anderen Orten
       im Land berufen sich die Demonstranten auf Sorgen um ihre Sicherheit.
       
       Schon im April kam es in Loosdrecht zu einem Versuch von Brandstiftung,
       außerdem wurden bei teils gewalttätigen Demonstrationen Polizist*innen
       mit Steinen und Feuerwerk angegriffen und Fenster des Gebäudes eingeworfen.
       
       ## Rechtsextreme Politiker fachen die Proteste an
       
       Der Ort mit seinen 10.000 Einwohner*innen ist in den Niederlanden zu
       einem Symbol der [1][Proteste gegen Asylunterkünfte] geworden. Sie
       entzünden sich an einem Gesetz, mit dem die Regierung Asylsuchende
       gleichmäßig über das gesamte Land verteilen will.
       
       Am Dienstag wurde auch in Apeldoorn und Den Haag gegen geplante Unterkünfte
       demonstriert. In Den Bosch kam es am Samstag zu einer Explosion in einem
       als Wohnheim vorgesehenen Gebäude, die durch Feuerwerkskörper verursacht
       wurde.
       
       Am Mittwoch wurde bekannt, dass im Zusammenhang mit dem Anschlag von
       Loosdrecht drei Personen festgenommen wurden: ein 28-Jähriger wegen des
       Verdachts auf Brandstiftung und zwei Minderjährige wegen Gewalt gegen
       Journalist*innen und die Polizei, bzw. öffentlicher Gewaltanwendung
       sowie des Werfens von Steinen und Fackeln. Keiner der Festgenommenen wohnt
       in Loosdrecht.
       
       Das Letztere zeigt, wie sehr die lokalen Proteste Teil einer landesweiten
       Bewegung gegen Asylunterkünfte sind. Angefacht werden sie immer wieder von
       rechtsextremen Politiker*innen. Geert Wilders, Chef der Partij voor de
       Vrijheid (PVV), rief schon 2015/2016 Bürger*innen zum „Widerstand“ gegen
       die asielzoekerscentrum (AZC) genannten Unterkünfte. Letzten Winter begann
       er eine selbst betitelte „AZC-Tour“ zu mehreren Orten, an denen sich
       Protest regt.
       
       Auch Lidewij de Vos, Fraktionsvorsitzende des Alt Right-nahen Forum voor
       Democratie (FvD) besuchte unlängst Loosdrecht. „Gebt nicht auf!“,
       verkündete sie gegenüber einem Reporter des rechtspopulistischen Senders
       Ongehoord Nederland (ON) ihre Botschaft an die lokale Bevölkerung, von der
       sie hoffe, dass sie „nicht mehr loslasse“.
       
       ## Nachrichtendienst untersucht, ob Proteste geschürt werden
       
       Fester und sehr sichtbarer Bestandteil der Proteste ist seit letztem Jahr
       das Netzwerk Defend Netherlands, das aus lokalen Aktionsgruppen besteht. Es
       hat eine Scharnierfunktion zwischen besorgten Bürger*innen und der
       extremen Rechten. In Loosdrecht etwa wehen Fahnen mit Defend
       Loosdrecht-Logo vor großzügigen, bürgerlichen Anwesen. Ein Protestumzug mit
       Traktoren, Autos, Fahr- und Motorrädern vor zwei Wochen wurde von
       Anwohnenden mit Kirmesstimmung samt winkender Kinder begrüßt.
       
       Bart van den Brink, der christdemokratische Minister für Asyl und
       Migration, kündigte zu Wochenbeginn an, dass sich der Nachrichtendienst
       Aivd mit den AZC-Protesten beschäftigen und untersuchen werde, inwieweit
       diese organisiert seien. Weitere Demonstrationen sind für die laufende
       Woche bereits angekündigt.
       
       13 May 2026
       
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 (DIR) Tobias Müller
       
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