# taz.de -- Großdemonstration in Argentinien: Massenprotest gegen Kürzungen an den Universitäten
> Präsident Javier Milei hat weitere Einsparungen verkündet. Das hat zur
> Mobilisierung für den bereits vierten Massenprotest seiner Amtszeit
> beigetragen.
(IMG) Bild: Eine Demonstrantin beim Protest am Dienstag in Buenos Aires mit einem Schild mit der Aufschrift: „Die Stifte schreiben jeden Tag“
In Argentinien sind am Dienstag rund eine Million Menschen gegen den
radikalen Sparkurs der Regierung auf die Straße gegangen. Unter dem Motto
„Für Bildung, öffentliche Universitäten und eine nationale Wissenschaft“
zogen allein in Buenos Aires 600.000 zur Plaza de Mayo vor dem
Präsidentenpalast und forderten Präsident Javier Milei auf, das von ihm
blockierte Universitätsfinanzierungsgesetz umzusetzen.
Organisiert wurde die „Marcha Federal Universitaria“ vom Hochschulrat der
öffentlichen Universitäten, den Lehrkräftegewerkschaften und
Studierendenverbänden. Es war bereits die vierte [1][Massenmobilisierung]
in nur zwei Jahren.
Statt eines Zeichens des Einlenkens ordnete Milei weitere Einsparungen an.
Einen Tag vor dem Marsch verfügte der Präsident Haushaltskürzungen in Höhe
von rund 2,5 Billionen Pesos. Allein im Bildungsbereich wurden umgerechnet
rund 48 Millionen Euro gestrichen. Betroffen sind unter anderem
Alphabetisierungsprogramme, Stipendien und Infrastrukturprojekte. So wurden
die Zahlungen für Bau- und Renovierungsarbeiten an 13 staatlichen
Universitäten eingestellt.
Der Grund für die massiven Kürzungen sind die seit Monaten sinkenden
Steuereinnahmen, vor allem bei der Mehrwertsteuer, verursacht durch
rückläufigen Konsum und die schrumpfende Industrieproduktion. Das Ziel der
Regierung ist es, den mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF)
vereinbarten Haushaltsüberschuss zu erreichen. Zweifellos verliehen die
Ankündigungen der Mobilisierung für den Marsch zusätzlichen Auftrieb.
## Tauziehen um Finanzierungsgesetz mit dem Kongress
Das Finanzierungsgesetz war im August 2025 mit großer Mehrheit vom Kongress
verabschiedet worden. [2][Einen Monat später legte Milei sein Veto ein],
das wiederum von beiden Kongresskammern überstimmt wurde. Seither findet
ein juristisches Tauziehen statt, bei dem die Justiz bereits mehrfach die
Umsetzung des Gesetzes bestätigt hat. Dennoch weigert sich Milei, das
Gesetz umzusetzen, und versucht, dies mit immer neuen juristischen
Anfechtungen zu verhindern.
Milei beharrt darauf, dass das Gesetz keine Gegenfinanzierung umfasst,
weshalb es „die wirtschaftliche Stabilität und die Makroökonomie des Landes
beeinträchtigt“, so der Präsident. Fakt ist, dass die Umsetzung den Staat
nach Angaben der Haushaltsbüros des Kongresses jährlich nur 0,23 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts kosten würde. Fakt ist aber auch, dass der
Kongress einem Gesetz zugestimmt hatte, wonach jegliche zusätzlichen
Staatsausgaben durch eine Gegenfinanzierung gedeckt sein müssen.
Im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen die Löhne und Gehälter der an
den Universitäten Beschäftigten. Wie dramatisch die Situation ist, hat die
Gewerkschaft der Dozent*innen der Universität Buenos Aires vorgerechnet.
Im November 2015 verdiente ein Universitätsdozent mit Vollzeitstelle und
sieben Jahren Berufserfahrung 21.147 Pesos. Wäre das Gehalt lediglich der
jährlichen Inflation angepasst worden, hätte es im März 2026 rund sechs
Millionen Pesos betragen müssen. Tatsächlich erhält er jedoch nur etwa 1,7
Millionen Pesos. Das bedeutet einen Kaufkraftverlust von über 70 Prozent in
den vergangenen zehn Jahren.
## Auch die Unikliniken leider unter der Unterfinanzierung
Als eine Konsequenz haben in den letzten zweieinhalb Jahren rund 1.200
Beschäftigte die Universitäten verlassen. Die Unterfinanzierung betrifft
auch die Unikliniken. Die Verantwortlichen der Kliniken der Universität
Buenos Aires warnten bereits vor einer Woche, mit den aktuellen
finanziellen Mitteln könne der Betrieb nur noch 45 Tage aufrechterhalten
werden.
Der Leiter des Hospital de Clínicas in der Hauptstadt, Marcelo Melo,
erklärte, er habe bereits Leistungen in den Bereichen Sicherheit, Reinigung
und Medikamenteneinkauf reduzieren müssen. Insgesamt versorgen die
Gesundheitseinrichtungen der Universität Buenos Aires jährlich rund 700.000
Menschen und damit fast 2.000 Patient*innen täglich.
13 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jürgen Vogt
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