# taz.de -- Giftiges Bohrloch: Das „argentinische Tschornobyl“
> Ein Ölunternehmen hinterlässt in der argentinischen Provinz Salta massive
> Umweltschäden – und meldet Insolvenz an. Das Bohrloch sprudelt weiter.
(IMG) Bild: Luft, Wasser und Boden sind stark kontaminiert
Es zischt und faucht wie bei einem Geysir. Doch statt heißen Wassers wird
ein giftiger Cocktail aus Gasen, Öl und Schlamm in die Luft geschleudert.
Vor zwei Jahren crashte die stillgelegte Ölquelle Lomas de Olmedo X-10 in
der argentinischen Provinz Salta. Seitdem strömen unaufhörlich [1][Gas und
Erdöl aus der Tiefe] an die Oberfläche, wo sie sich [2][zu einem toxischen
Schlamm vermischen]. Ein Hügel ist durch Bodensenkungen verschwunden. Dafür
hat sich eine tödliche Lagune gebildet.
Die Folgen sind gravierend: Luft, Wasser und Boden sind stark kontaminiert.
Die knapp 50 Familien, die in der weiteren Umgebung leben, sind dauerhaft
gefährdet. Mindestens 20 Hektar Vegetation wurden zerstört, und rund 350
Rinder sind seither verendet. Auch die lokale Fauna – Ameisenbären,
Ozelots, Füchse und Nandus – wird massiv geschädigt. Aus Angst wird das
Gebiet weiträumig gemieden, das die Einheimischen inzwischen als
„argentinisches Tschornobyl“ bezeichnen.
Das Bohrloch war 1983 von der staatlichen Ölgesellschaft YPF im Norden der
Provinz Salta bei Lomas de Olmedo angelegt und 2015 an die private
Presidente Petroleum verkauft worden, einer Tochter der britischen
President Energy. Diese stellte den Betrieb ein, als die Förderung nicht
mehr rentabel war, und verschloss das Bohrloch mit einer typischen
kreuzförmigen Bohrlocharmatur. 2023 versagte der Verschluss. Seither zischt
und sprudelt es unaufhörlich.
Im Mai 2025 forderte die Provinzregierung das Unternehmen zu dringenden
Eindämmungsmaßnahmen auf. Statt dieser Aufforderung nachzukommen, meldete
die Firma im August desselben Jahres Insolvenz an. Daraufhin wurde ihr die
Förderkonzession entzogen und die Rückgabe des gesamten Gebiets an die
Provinz angeordnet, einschließlich aller Anlagen und Bohrvorrichtungen.
Da sich das Bohrloch auf staatlichem Boden befindet, liegt die
Verantwortung für die Schadensbehebung grundsätzlich bei der Provinz. Diese
hat den Vorfall inzwischen offiziell als Umweltkatastrophe eingestuft,
lehnt jedoch die vollständige Verantwortung ab.
## Zuständigkeiten sind ungeklärt
Stattdessen ist ein Streit mit der früher beteiligten staatlichen
Ölgesellschaft über die Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen entbrannt. Im
Raum stehen Kosten in Millionenhöhe. Der Fall liegt mittlerweile bei der
Justiz, ein Urteil steht jedoch noch aus.
Mitte April kündigte die Provinzregierung an, dass das provinzeigene
Unternehmen Remsa (Recursos Energéticos y Mineros de Salta) das Gebiet
übernehmen und Notfallmaßnahmen einleiten werde. Allerdings haftet Remsa
nur für Schäden, die nach dieser Übernahme entstehen. Für bereits
verursachte Umwelt- und Gesundheitsschäden müssten mögliche Entschädigungen
demnach auf dem Rechtsweg von dem insolventen Betreiber eingefordert
werden.
„Die Provinz geht das Problem in Lomas de Olmedo nicht an, und die
Auswirkungen verschlimmern sich täglich“, kritisiert Noemi Cruz von
Greenpeace Argentina. Die jetzigen Vereinbarungen garantierten keine
wirkliche Verbesserung in einem Gebiet, das von der Provinz selbst als
ökologische Priorität eingestuft wird. „Niemand hat die Anwohner für ihre
Viehverluste entschädigt, geschweige denn für die Umweltschäden“, sagt
Cruz.
Die provinzeigene Remsa hat noch keine konkreten Maßnahmen zur
Leckabdichtung unternommen. Das Verschlussventil des Bohrlochs ist
weiterhin undicht, Gase entweichen unvermindert in die Luft, und ölhaltige
Flüssigkeit fließt weiter unkontrolliert in die Umgebung. Um den Druck auf
die Verantwortlichen zu erhöhen, hat Greenpeace Argentina [3][eine
Unterschriftenkampagne] gestartet.
1 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Abstimmung-in-Argentinien/!6169395
(DIR) [2] http://www.instagram.com/reel/DT4KVSFEfCi/?hl=de
(DIR) [3] https://landing.infogreenpeace.org/greenpeace-noalpetroleoenelbosque
## AUTOREN
(DIR) Jürgen Vogt
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