# taz.de -- Finanzierung nicht ausreichend: Deutschlands größte Jugendsuchtklinik macht dicht
> Viele suchtkranke Kinder und Jugendliche müssen künftig in Kliniken für
> Erwachsene therapiert werden – aus wirtschaftlichen Gründen.
(IMG) Bild: Bundesweit größte Reha-Klinik für suchtkranke Kinder und Jugendliche schließt: Auch Social-Media-Sucht wurde dort behandelt
dpa/taz Das Ringen um den Fortbestand der bundesweit größten Fachklinik für
suchtkranke Kinder und Jugendliche ist vorbei. Die
[1][Dietrich-Bonhoeffer-Klinik im niedersächsischen Ahlhorn] bei Oldenburg
stellt zum 30. Juni den Betrieb ein, weil die Deutsche Rentenversicherung
(DRV) keine höheren Tagessätze zahlen will. Träger der Klinik ist [2][das
diakonische Leinerstift]. Sein Geschäftsführer Wolfgang Vorwerk sprach am
Montagabend von „Systemversagen“ und einer „Katastrophe für die betroffenen
Kinder und Jugendlichen und die Bundesrepublik Deutschland“.
Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen,
[3][Hendrik Streeck] (CDU), kritisierte am Montagabend die kompromisslose
Haltung der Rentenversicherung. Deutschland gebe täglich 1,3 Milliarden
Euro im Gesundheitswesen aus. „Und wir scheitern hier an 200 Euro pro Tag
pro Kind.“
## Bundesweit nur noch 25 Plätze für Minderjährige
Die Klinik ist eine medizinische Nachsorgeeinrichtung. Sie hat bisher
Kinder- und Jugendliche aufgenommen, die eine Suchttherapie hinter sich
gebracht haben und bei denen verhindert werden sollte, dass sie rückfällig
werden. Nach Angaben des Leinerstifts gibt es in ganz Deutschland nur 85
solcher Reha-Plätze für Kinder und Jugendliche. Mit der Bonhoeffer-Klinik
fallen 60 davon weg.
„Es bleiben uns 25 Plätze“, sagt Streek. Zwar spreche die DRV von 450
Plätzen in Deutschland, doch weigere sie sich, ihre Zahlen zu erklären und
die Kliniken zu benennen.
Am Freitag habe die DRV erneut angeboten, die bisherigen Sätze
weiterzuzahlen, wenn die Klinik „ein überarbeitetes, tragfähiges und
wirtschaftliches Konzept“ vorlege. Laut Vorwerk ist es aber nicht möglich,
den Betrieb bei den bewilligten Sätzen kostendeckend und therapeutisch
angemessen weiterzuführen. Die besonderen Bedarfe der Betroffenen erkenne
die DRV nicht an.
## Fachklinik künftig Jugendhilfeeinrichtung
Aus der Fachklinik solle nun eine Jugendhilfeeinrichtung werden, in der bis
zu 22 Jugendliche mit Abhängigkeitserkrankungen betreut werden, sagte
Vorwerk. Geplant seien Wohngruppen mit niedergelassenen Therapeutinnen und
Therapeuten. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Oldenburg
werde die medizinisch fachliche Versorgung übernehmen.
„Aber ich möchte sehr deutlich sagen: Das ist kein adäquater Ersatz für
das, was wir bisher hier getan haben“, sagte Vorwerk. Es fehle künftig die
vollumfängliche ärztliche und therapeutische Versorgung rund um die Uhr,
die eine Rehabilitationsklinik übernehmen könne.
12 May 2026
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