# taz.de -- Nach der Sudankonferenz in Berlin: Über alle Aspekte des Krieges reden
> Die diplomatischen Bemühungen für Sudan konzentrieren sich nach wie vor
> auf humanitäre Hilfe. Zivile sudanesische Stimmen betonen ganz andere
> Themen.
(IMG) Bild: Gummiarabikum in Sudan: Das Akazienprodukt steckt in jeder Coca-Cola und ist ein wichtiges Exportprodukt des Bürgerkriegslandes
Wenn [1][die internationale Sudankonferenz], die Deutschland am 15. April
zum dritten Jahrestag des Kriegsausbruchs ausrichtete, Frieden in Sudan
näherbringen sollte, ist das derzeit nicht zu erkennen. Sudans Regierung in
Port Sudan lehnte das Spitzentreffen in Berlin [2][bereits im Vorfeld ab];
die sudanesische Botschaft in Berlin legte förmlich Protest beim
Auswärtigen Amt gegen Diskussionen über Sudan ohne Sudans Regierung ein.
Die aufständische Miliz RSF (Rapid Support Forces) reagierte mit einer
Einschränkung der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen in ihrem
Herrschaftsgebiet: Sie sollen sich innerhalb von 30 Tagen mit den
RSF-Autoritäten registrieren und für ihre Zulassung Details ihrer Budgets
und Arbeitspläne vorlegen; dies würde die administrative Kontrolle über
humanitären Zugang verschärfen.
Überraschend kam dies alles nicht, denn Sudans Kriegsparteien waren ganz
bewusst nicht eingeladen worden. Humanitäre Koordination zwischen
Geberländern stand im Mittelpunkt des von Deutschland, der EU,
Großbritannien, den USA und der AU gemeinsam ausgerichteten Treffens, nicht
politische Verhandlungen, sagen deutsche Offizielle. Das [3][sichtbarste
Ergebnis] waren internationale humanitäre Hilfszusagen für Sudans
Kriegsbetroffene in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro. Schritte zur
Beendigung des Krieges, so heißt es von deutscher Seite, seien hingegen vom
Verhandlungswillen der Kriegsparteien abhängig.
Dass der Krieg unvermindert weitergeht und Sudan faktisch geteilt ist – die
Regierung kontrolliert die Hauptstadt Khartum, den Osten des Landes und
große Teile des Nordens, die RSF kontrolliert die Westregion Darfur und
wichtige weitere Gebiete im Süden, und die zentrale Region Kordofan ist
umkämpft – macht es allerdings zu einer großen Herausforderung, verstärkte
humanitäre Hilfe tatsächlich vor Ort zu leisten und nicht nur Geld dafür
anzukündigen. Zivilbevölkerungen zu erreichen setzt voraus, sich mit den
jeweiligen Machthabern vor Ort zu koordinieren. Es stellen sich Fragen des
Zugangs, der Legitimität und der Unabhängigkeit. Das Hilfswerk „Ärzte ohne
Grenzen“ weist auf diese Probleme hin und erklärt, dass „humanitäre
Bemühungen kein Ersatz für einen Waffenstillstand und Friedensaufbau“
seien.
## Kontroverse sudanesische Beteiligung
Eine wichtige Neuerung dieser Sudankonferenz, die auf vorangegangene
Konferenzen in Paris und London jeweils am 15. April 2024 und 2025 folgt,
war die [4][Einbeziehung unabhängiger sudanesischer Stimmen]. 40 Sudanesen
aus verschiedenen Gruppen trafen sich in einem eigenen Konferenzstrang und
verabschiedeten eine gemeinsame Erklärung, in der sie ein Ende des Krieges,
ungehinderten humanitären Zugang, Schutz der Zivilbevölkerung und der
kritischen Infrastruktur sowie Unterstützung für einen glaubwürdigen
politischen Prozess in Sudan unter ziviler Führung fordern.
Dies geschah allerdings nicht ohne Probleme. Laut Klimaaktivistin Nisreen
Elsaim, eine der Teilnehmerinnen, waren 26 der 40 in unterschiedlicher
Weise regierungstreu. Sie verweist auf logistische Probleme und sagt,
manche ursprünglich designierte sudanenische Beteiligte hätten keine Visa
erhalten und seien kurzfristig durch in Europa basierte Sudanesen ersetzt
worden.
Manche davon seien bekannt für frühere persönliche Drohungen gegen Frauen,
darunter sie selbst, sagt Elsaim. Ein weiterer Teilnehmer sei zuvor des
sexualisierten Fehlverhaltens im professionellen medizinischen Bereich
bezichtigt worden. Für die Beteiligung von Frauen an politischen Prozessen
in und für Sudan sei dies entmutigend. Kritische sudanesische Stimmen
hatten schon im Vorfeld gefordert, die Sudankonferenz zu boykottieren, und
bemängelten das Auswahlverfahren für die sudanesischen Beteiligten.
Doch Menschenrechtsaktivistin Tahani Abbas sagt, sie sei optimistisch. Dass
überhaupt zivilgesellschaftlichen Akteuren aus Sudan die Möglichkeit
gegeben wurde, sich im diplomatischen Rahmen zu versammeln und auf
gemeinsame Minimalpunkte zu einigen, sei ein Fortschritt. Man müsse dies
als ersten Schritt betrachten. Bei zukünftigen Treffen sollte die Auswahl
der sudanesischen Beteiligten in der Hand eines unabhängigen sudanesischen
Gremiums liegen, damit auch solche Gruppen vertreten sein könnten, die
außerhalb Sudans wenig Gehör finden.
Für die sudanesischen Beteiligten erwies sich als Problem, dass sie als
Einzelpersonen eingeladen wurden; es gab keine Einladungen an
Organisationen. So argumentierten manche, niemand könne als Sprecher einer
Organisation auftreten. Das zivilgesellschaftliche Nothilfenetzwerk [5][ERR
(Emergency Response Rooms)] aber hat gar keine formale Führung oder
administrative Struktur, man hätte es nicht als Gruppe einladen können. Es
wurden ERR-Aktivisten zur Konferenz geladen, aber auch wenn sie als ERR in
Berlin auftraten, hatten sie aber kein Mandat, für ERR zu sprechen.
## Auch die Kriegswirtschaft thematisieren
In der breiteten sudanesischen Diaspora in Berlin stößt die Konferenz auf
ein gemischtes Echo. Die feministische Aktivistin Kora sagt, die
internationale Gemeinschaft habe den Sudankrieg von Anfang an falsch
verstanden und sich nur um Deeskalation zwischen den Kriegsparteien bemüht,
nicht um ein Kriegsende, was auch die ausländischen Unterstützer der
Kriegsparteien in die Pflicht nehmen müsste. Man schaue den Baumstamm an,
nicht die Wurzeln, drückt sie es aus.
Das sudanesische intersektionelle feministische Netzwerk „Bana“
organisierte vor der Sudankonferenz ein eigenes Treffen für die
sudanesische Diaspora in Berlin, um vor allem Perspektiven von Frauen und
den Bevölkerungen marginalisierter Regionen Sudans hervorzuheben. In
Friedensbemühungen müssten Zivilisten die Entscheidungen fällen und nicht
nur zweitrangige Beteiligte sein, hieß es.
„Entpolitisierte“ humanitäre Hilfe, wie es Bana ausdrückt, beende den Krieg
nicht – nötig seien Maßnahmen gegen Waffenlieferungen und Sanktionen gegen
diejenigen, die den Krieg am Laufen halten, unter anderem durch
Ressourcenextraktion – etwa Gold sowie Gummiarabikum, das sudanesische
Akazienprodukt, das für die Herstellung von Coca-Cola und vielen anderen
Getränken weltweit begehrt ist.
Diese Aspekte waren auch Thema eines zivilgesellschaftlichen
Sudan-Workshops des [6][CESS (Centre for Environmental and Social Studies)]
in Berlin. Am Rande davon betonte der deutsche Diplomat [7][Peter
Schumann], ehemaliger Chef der internationalen
Südsudan-Hungerhilfsoperation OLS (Operation Lifeline Sudan), wie wichtig
es sei, über humanitäre Fragen hinaus auf die Akteure der Kriegswirtschaft
zu blicken – einschließlich Unternehmen, die in Sudan tätig sind und deren
Lieferketten mit dem Krieg verknüpft sind.
Die Frage der Kriegsfinanzierung ist ein anderer Zugang zum Sudankrieg als
die Frage der Repräsentation in Konferenzen. Der Kontrast zwischen den
Prioritäten der Sudandiplomatie und den zivilgesellschaftlichen Debatten zu
Sudan bleibt auch nach der Sudankonferenz erhalten.
3 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/sudan-node/sudan-konferenz-2766744
(DIR) [2] /Internationale-Sudankonferenz/!6170208
(DIR) [3] /Sudankonferenz-in-Berlin/!6171210
(DIR) [4] /Sudanesische-Stimmen-zur-Sudankonferenz/!6171211
(DIR) [5] /Alternativer-Nobelpreis/!6117276
(DIR) [6] https://cess-sudan.com/
(DIR) [7] /Debatte-UN-im-Suedsudan/!5050942
## AUTOREN
(DIR) Aya Sammani
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