# taz.de -- Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023: Gremium prüft mehr als 10.000 Fotos und Videos
> Eine Zivilkommission legt Erkenntnisse zu sexualisierter Gewalt am 7.
> Oktober 2023 vor. Diese sind auch für eine mögliche Strafverfolgung
> gedacht.
(IMG) Bild: Gedenken am 21. April 2026 am Ort des Nova-Musikfestivals
rtr/dpa/afp | Bei dem [1][Hamas-Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober
2023] sowie während der anschließenden Geiselhaft ist es laut einer
Untersuchung zu systematischer sexualisierter Gewalt gekommen. Eine
israelische Zivilkommission hat nach mehr als zweijähriger Arbeit ihren
Abschlussbericht vorgelegt. Der rund 300 Seiten lange Bericht stützt sich
unter anderem auf Zeugenaussagen, Video- und Fotomaterial sowie forensische
Analysen.
In dem Bericht ist die Rede von „Vergewaltigung und Gruppenvergewaltigung,
sexueller Folter und Verstümmelung, erzwungener Nacktheit, Hinrichtungen im
Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt, sexualisierten Übergriffen an
Leichen sowie sexualisierten Angriffen in Anwesenheit von
Familienangehörigen“.
Die Ermittler werteten Material unter anderem aus Wohnanlagen, dem Gelände
des Nova-Musikfestivals und dessen Umgebung, Straßen und Schutzräumen,
militärischen Einrichtungen sowie Einrichtungen zur Identifizierung von
Opfern aus. Das Gremium überprüfte systematisch mehr als 10.000 Fotos und
Videosequenzen des Angriffs und führte hunderte Interviews mit
Überlebenden, Zeugen, zurückgekehrten Geiseln, Experten und
Familienangehörigen.
„Sexualisierte Folter setzte sich während der Gefangenschaft in Gaza über
längere Zeiträume fort. In einigen Fällen dauerte der sexuelle und
geschlechtsspezifische Missbrauch von Geiseln über Monate an“, heißt es in
dem Bericht. Viele Opfer hätten diese Verbrechen nicht überlebt. „Andere
leiden weiterhin unter tiefgreifenden Traumata.“ Die Verbrechen stellten
„nach internationalem Recht Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die
Menschlichkeit und Völkermord-Handlungen“ dar.
## Hamas hat Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen
Ziel der Arbeit der Kommission sei es auch gewesen „sicherzustellen, dass
das [2][Leid der Opfer] nicht geleugnet, ausgelöscht oder vergessen wird“,
heißt es in dem Bericht. Hamas hat die Vorwürfe seit 2023 wiederholt
zurückgewiesen.
Insgesamt seien 13 wiederkehrende Muster sexualisierter Gewalt an
verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Phasen der Angriffe
festgestellt worden, hieß es in einer Mitteilung der Kommission. Dazu
gehörten auch Fälle anhaltender sexualisierter Gewalt während der
Geiselhaft. Die Kommission spricht von einem weit verbreiteten und
systematischen Muster und nicht von Einzelfällen.
## Massaker löste Gaza-Krieg aus
[3][Am 7. Oktober 2023] töteten die islamistische Terrororganisation Hamas
und andere extremistische Gruppierungen rund 1.200 Menschen in israelischen
Grenzgemeinden und auf einem Musikfestival. Mehr als 250 weitere Menschen
wurden in den Gazastreifen verschleppt. Der Angriff – das schlimmste
Massaker in Israels Geschichte – löste den verheerenden Krieg im
Gazastreifen aus. Bei den israelischen Angriffen wurden nach
palästinensischen Angaben Zehntausende Menschen getötet.
Die Kommissionsleiterin Cochav Elkajam Levy sprach von jahrelanger
Auswertung schwer belastender Beweise. Diese seien in einem speziellen
„Archiv für Kriegsverbrechen“ gesichert worden. Ziel sei es, die Vorgänge
umfassend zu dokumentieren und strafrechtlich nutzbar zu machen. Die Hamas
bestreitet die Vorwürfe sexualisierter Gewalt. Die Ermittler betonen eine
strenge Prüfung und Abgleichung aller Beweise. Die Kommission versteht den
Bericht auch als Grundlage für mögliche Strafverfolgung.
## Militärtribunal in Israel
Zudem könnte das spezielle Militärgericht unter dem Vorsitz eines
dreiköpfigen Richtergremiums in Jerusalem könnte auch andere verurteilen,
die später im Gazastreifen gefangen genommen wurden und im Verdacht stehen,
an dem Angriff beteiligt gewesen zu sein oder israelische Geiseln
festgehalten oder misshandelt zu haben. Die Verfahren sollen öffentlich
sein, wichtige Anhörungen werden live übertragen.
Die Völkerrechtsexpertin Ya'ara Mordecai von der Yale Law School äußerte
Bedenken hinsichtlich eines rechtsstaatlichen Verfahrens und des Risikos,
dass die Prozesse zu politisierten „Schauprozessen“ werden könnten. Die
Abgeordnete Julia Malinowski, eine der Autorinnen des Gesetzes, sagte
hingegen, die Gesetzgebung gewährleiste ein faires und rechtmäßiges
Verfahren. Ein Sprecher der Hamas im Gazastreifen, Hasem Kassem, sagte, das
neue Gesetz diene als Deckmantel für die von Israel im Gazastreifen
begangenen Kriegsverbrechen.
Das israelische Strafgesetzbuch sieht für einige Anklagepunkte die
Todesstrafe vor. Die letzte Hinrichtung in Israel fand 1962 an Adolf
Eichmann statt. Er war ein führender Organisator des Holocaust, des
Mordes an sechs Millionen Juden während der Zeit des Nationalsozialismus.
Er wurde 1962 erhängt, nachdem ihn israelische Agenten in Argentinien
gefasst und ein Gericht zum Tode verurteilt hatten.
12 May 2026
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