# taz.de -- Drohender Abriss von Wohnhäusern an A100: Mit Gregor Gysi am Lärmschutzmauerstreifen
       
       > Die Bewohner*innen zweier Häuser in Berlin-Treptow wehren sich gegen
       > den drohenden Abriss für die A100 und haben Gregor Gysi eingeladen.
       
 (IMG) Bild: Gysi im Garten der Beermannstraße 16 und 18
       
       Wer durch die Beermannstraße nahe dem Treptower Park läuft, kommt nicht
       weit. Nach nur wenigen hundert Metern endet sie abrupt an einem Zaun,
       dahinter versperren ein Sandwall und eine hohe Mauer den Weg in Richtung
       Osten.
       
       Was aussieht wie die Zonengrenze, ist die Trasse der [1][umstrittenen
       Berliner Stadtautobahn A100], die im vergangenen Jahr eröffnet wurde.
       Nirgends schlägt sie ihre Schneise so sichtbar durch ein Wohngebiet wie
       hier. Die typische Berliner Altbaureihe – Stuckfassaden, Balkone, blühende
       Linden – hört da auf, wo Wall und Mauer anfangen. Zwei Wohnhäuser wurden
       für den Autobahnbau vor etwa zehn Jahren abgerissen.
       
       Doch dabei soll es nicht bleiben. Wird die A100 [2][wie geplant
       weitergebaut], müssten auch die Häuser in der Beermannstraße 16 und 18 weg.
       Und deshalb stehen an diesem kühlen Maiabend an die 30 Anwohner*innen
       am Ende der Straße und warten auf hohen Besuch: Die
       Nachbarschaftsinitiative Beermannstraße, die für den Erhalt der beiden
       Häuser kämpft, hat den Linken-Bundestagsabgeordneten Gregor Gysi
       eingeladen. Zwar ist Gysi kein profilierter Verkehrspolitiker, aber direkt
       gewählt im Wahlkreis Treptow-Köpenick, in dem die Beermannstraße liegt. Und
       Gysi hat viel Reichweite in den sozialen Medien – wertvolles Kapital für
       die Bürgerinitiative.
       
       Die Menschentraube tuschelt erwartungsvoll: „Wir sind dankbar für jede
       Hilfe, die wir kriegen können“, sagt eine Hausbewohnerin. „Es ist ein sehr
       emotionales Thema für uns. Wir wohnen hier, wir leben hier!“
       
       Endlich rauscht Gysi mit etwas Verspätung heran. Kurz herrscht Verwirrung
       über die Lage: „Und da, hinter der Mauer, ist die Baustelle?“, fragt Gysi.
       Die Aktivist*innen erklären das Problem: „Nein, Herr Gysi, da ist seit
       letztem Jahr die Autobahn.“
       
       Als das geklärt ist, setzt sich der Pulk in Bewegung. Gregor Gysi kriegt
       eine Tour durch die Wohnanlage und die Fakten gleich mit dazu: In den 120
       Wohnungen der beiden Häuser, die einer Genossenschaft gehören, leben mehr
       als 200 Menschen. Schon für den Bau des mittlerweile eröffneten 16.
       Bauabschnitts der A100 durch Neukölln und Treptow sollten die Häuser
       eigentlich weg. Ein Gerichtsurteil verschaffte ihnen eine Gnadenfrist, doch
       der anvisierte 17. Bauabschnitt, der die Autobahn über die Spree nach
       Friedrichshain führen soll, bedroht die Häuser erneut. An ihre Stelle soll
       eine Ausfahrt sein, oder es soll bloß Platz für die Baustellenlogistik
       geschaffen werden.
       
       Im Hausflur lehnt ein Dutzend Lastenräder, Gysi wird in den ersten, dann in
       den zweiten Hinterhof geleitet. Von dort geht die Prozession durch einen
       Keller in den Garten hinter den beiden Häusern. Erstaunlich ruhig ist es
       hier und grün, nur die Ringbahn rauscht ab und zu vorbei. „Die Kinder
       spielen hier ooch alle im Garten“, berlinert eine Nachbarin.
       
       „Ich verstehe nicht, was der Weiterbau soll“, sagt Gysi. Die
       Anwohner*innen wollen ihn darauf festnageln: „Werden Sie sich gegen den
       Weiterbau einsetzen, und wenn ja, wie?“, fragen sie. Doch auch der große
       Gregor Gysi kocht nur mit Wasser: „Ich werde an den Bundesverkehrsminister
       schreiben“, versichert er. Und: „Ich werde schleimen, so viel ich kann.“
       
       Dann gibt es noch ein Gruppenfoto und eine Bitte an Gysi: „Werden Sie das
       auf Social Media teilen, da sind Sie ja so aktiv.“ Er wisse nicht genau,
       wie das geht, gesteht Gysi: „Das macht mein Mitarbeiter.“ Der [3][macht es
       wirklich] – sehr zur Freude der Bürgerinitiative.
       
       Gysi muss los, der nächste Termin wartet. Er hofft auf ein Wiedersehen:
       „Wenn die Häuser stehen bleiben, gibt’s hier aber ein kleines Fest“, sagt
       er zum Abschied.
       
       Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels war die Rede von 163
       Wohnungen in den beiden bedrohten Häusern. Die Nachbarschaftsinitiative
       Beermannstraße hat die Zahl inzwischen auf 120 korrigiert. Die zusätzlichen
       43 Wohnungen befinden sich in der Hausnummer 14, die nicht vom Autobahnbau
       betroffen sein soll.
       
       12 May 2026
       
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