# taz.de -- US-iranische Verhandlungen: Das Wunschkonzert von Hormus
> Eine US-iranische Einigung ist weit entfernt. Die entscheidende Frage:
> Wer kann den wirtschaftlichen Druck der Blockade von Hormus länger
> aushalten?
(IMG) Bild: Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran über die wichtige Schifffahrtsroute für Öl und Gas dauert an
Die derzeitigen Verhandlungen zwischen Teheran und Washington sind nicht
viel mehr als der Austausch von gegenseitigen Wunschlisten. Der Iran
schlägt ein Ende des Krieges, eine Öffnung der Straße von Hormus und ein
Ende der US-Blockade gegen iranische Häfen vor sowie ein Ende der
Sanktionen gegen den Iran und Kompensation für die Kriegsschäden. Erst dann
sollen die Atomverhandlungen beginnen. [1][„Nicht akzeptabel“ nennt das
US-Präsident Donald Trump.]
Der US-Gegenvorschlag, der zuvor auf dem Tisch lag, spricht von einem 12-
bis 15-jährigen iranischen Moratorium für Urananreicherung. Das bereits
vorhandene hoch angereicherte Material müsse der Iran übergeben. Im
Gegenzug bieten die USA an, die Sanktionen graduell aufzuheben und
eingefrorene iranische Milliarden freizugeben. Nur wenn das alles
vereinbart ist, sollen die Seeblockade und die Schließung von Hormus
graduell innerhalb von 30 Tagen aufgehoben werden. Der Vorschlag stieß auf
Kopfschütteln in Teheran.
Es ist weniger der Inhalt als die Sequenz, wann etwas zu geschehen hat, die
umstritten ist. Es ist offensichtlich, dass beide Seiten nicht an der
Fortsetzung des Krieges interessiert sind. Aber der Iran will sichergehen,
dass er zu einem späteren Zeitpunkt nicht erneut angegriffen wird. Um das
iranische Gesicht zu wahren, will Teheran zeigen, dass dieser Krieg dem
Land aufgrund seines Durchhaltevermögens keine Zugeständnisse abgerungen
hat. Damit Trump dagegen das Gesicht wahrt, braucht er genau das Gegenteil:
Er muss beweisen, dass der militärische Druck auf den Iran funktioniert und
Ergebnisse zeigt.
## Zwei Probleme
Dabei hat er zwei Probleme. Er muss in der Atomfrage mehr herausholen, als
in dem alten Iran-Atomabkommen festgelegt war, das Barack Obama verhandelt
und das Trump zerrissen hat. Nur so kann er seinen Krieg legitimieren. Und
er muss zusätzlich ein Problem lösen, das er durch seinen Krieg überhaupt
erst geschaffen hat: die Schließung der Meerenge von Hormus. In diesem
Sinne hat er dem Iran durch diesen Krieg nicht weniger, sondern mehr
Verhandlungsmasse zugespielt.
Der Rest ist ein Nervenkrieg. Wem geht schneller der Atem aus? Den Iranern
aufgrund der US-Blockade oder Trump? Der hat nicht nur das Problem einer
international strategisch wichtigen Meerenge in iranischer Geiselhaft. Auch
der Krieg, den er begonnen hat, ist zu Hause unpopulär, und das, während
sich die Mid-Term-Wahlen in den USA nähern.
Trump redet immer noch vom großen All-inclusive-Verhandlungswurf. Und wenn
er den nicht bekommt, stößt er wilde Drohungen aus. Die Iraner schnüren
indes viele kleine Verhandlungspakete, fahren eine
Ein-Schritt-nach-dem-anderen-Strategie und treiben Trump langsam in die
Verzweiflung. Am Ende wird die entscheidende Frage sein: Wer hält länger
durch, der Iran unter einer Seeblockade oder die Weltwirtschaft ohne 20
Prozent ihres Öl- und Gasnachschubs.
11 May 2026
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(DIR) Karim El-Gawhary
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