# taz.de -- US-Drohungen gegen Iran: Zwischen Verhandlung und Abnutzung
       
       > US-Präsident Trump behauptet, auf Bitten der Golfstaaten von einem
       > Angriff auf Iran abgesehen zu haben. Die Verhandlungen scheinen zu
       > stagnieren.
       
 (IMG) Bild: Das gesamte saudische Erdöl wird im Osten des Landes produziert und ein Großteil über die dortige Meerenge von Hormus verschifft
       
       Die Nachricht war kryptisch. US-Präsident Donald Trump hatte letzte Nacht
       erklärt, dass er einen für Dienstag geplanten Militärschlag auf Iran
       vorerst abgeblasen habe. Die Staats- und Regierungschefs von Katar,
       Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten hätten ihn gebeten,
       nicht anzugreifen. Sie rechneten mit einer Einigung, die für die USA und
       die Länder im Nahen Osten sehr akzeptabel sein werde, schrieb er auf seiner
       Plattform Truth Social.
       
       Seitdem wird gerätselt, wie es zu dieser Aussage kam und was genau zwischen
       den Golfstaaten und Trump vorgefallen ist. Laut Angaben des CNN Analysten
       Barack Ravid sprach ein nicht namentlich genannter US-Regierungsbeamter von
       der geeinten Botschaft aus Riad, Doha und Abu Dhabi, „Verhandlungen eine
       Chance zu geben, denn wenn Iran erneut angegriffen wird, zahlen wir alle
       den Preis“. Eine weitere Quelle habe Ravid bestätigt, dass die drei
       Golfstaaten fürchten, dass Iran als Antwort auf einen Angriff erneut ihre
       [1][Öl- und Energieanlagen] angreifen würde, schrieb er auf X.
       
       Was genau zwischen Trump und den Golfstaaten vorgefallen ist und was Trump
       dazu brachte, seine Angriffsentscheidung zu revidieren, ist unklar. Fest
       steht nicht einmal, ob wirklich ein US-Angriff bevorstand. Laut Wall Street
       Journal erklärten mehrere Vertreter der Golfstaaten, nichts von angeblichen
       Angriffsplänen gewusst zu haben. Es ist bekannt, dass Saudi-Arabien die
       Ablehnungsfront gegen den Irankrieg anführt, während die Arabischen Emirate
       am ehesten auch selbst zu einem Militärschlag gegen den iranischen Nachbarn
       bereit wären.
       
       Klar ist: Wenn die Golfstaaten einen weiteren Angriff abgewendet haben,
       dann stehen sie damit in direktem Widerspruch zum israelischen Premier
       Benjamin Netanjahu, der Trump nun seit Wochen antreibt, den Job in Iran zu
       Ende zu bringen. Hat Trump zu Beginn des Krieges auf Netanjahu gehört und
       sich von diesem zu dem ursprünglichen Angriff drängen lassen, sind es
       diesmal die Golfstaaten, die das Ohr Trumps gefunden zu haben scheinen.
       
       ## Trump würde die totale Eskalation riskieren
       
       Vielleicht waren es auch andere Faktoren, die Trump zu seinem
       Meinungsumschwung brachten. Etwa sein eigenes Militär, das die Frage
       gestellt hat, was denn genau das strategische Ziel erneuter Angriffe sei.
       Eine erneute militärische Aktion wäre wahrscheinlich begrenzter Natur –
       gedacht dazu, die Iraner zu weiteren Zugeständnissen [2][bei den
       Verhandlungen] zu bringen.
       
       Doch eine solche Aktion birgt die Gefahr, dass die Dinge völlig aus dem
       Ruder laufen. Die Iraner haben angekündigt, dass sie im Falle weiterer
       Attacken noch Karten im Ärmel stecken haben, die sie bisher nicht zu
       Einsatz gebracht haben. Das gesamte saudische Erdöl wird im Osten des
       Landes produziert und ein Großteil über die dortige [3][Meerenge von
       Hormus] verschifft. Ein nicht unwesentlicher Teil jedoch wird über
       Pipelines in den Westen an die Küste des Roten Meeres gepumpt und dort
       verladen, in Umgehung der Straße von Hormus.
       
       Ein massiver iranischer Angriff auf die saudischen Verladeanlagen würde
       bedeuten, dass nicht nur 20 Prozent der weltweiten Öllieferungen
       unterbrochen würden, die Hormus passieren. Dieser Anteil würde durch die
       Unterbrechungen der Lieferungen über das Rote Meer noch gesteigert.
       Vielleicht ist gerade deshalb Saudi-Arabien einer der vehementesten Gegner
       des Krieges.
       
       In Irans neustem Vorschlag fordert Teheran laut einem Bericht der
       iranischen Nachrichtenagentur, dass nicht nur die US-Seeblockade gegen Iran
       beendet wird, sondern auch die Sanktionen gegen das Land aufgehoben und
       eingefrorene iranischen Gelder freigegeben werden.
       
       ## Trump besteht auf Atomdeal
       
       Zusätzlich verbindet Teheran eine Verhandlungslösung mit einem Ende der
       israelischen Intervention im Libanon und dem Abzug von US-Truppen aus der
       Golfregion. Die Iraner handeln frei nach dem Motto: Je mehr Forderungen ich
       in den Raum werfe, umso mehr können am Ende Abstriche für Kompromisse
       gemacht werden.
       
       Trump besteht dagegen vor allem auf einen Atomdeal, in dem Iran auf lange
       Zeit kein Uran mehr anreichert und das bereits angereicherte abgibt. Er
       braucht einen Deal, der weitergeht, als jener Atomdeal, den die Iraner
       zuvor mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama ausgehandelt hatten und
       den Trump zerrissen hat. Das, sagen die Iraner wiederum, käme einer
       Kapitulation gleich und werde deswegen nicht passieren.
       
       In diesem Verhandlungspatt spielt Trump den brüllenden und dann wieder
       geduldigen Löwen. Letzten Mittwoch verkündete er, Iran wolle einen Deal,
       „sie haben uns angerufen“. Am Donnerstag, man studiere die iranischen
       Vorschläge, am Freitag, „Wir sind ganz nah dran“. Am Samstag: „Iran weiß,
       was zu tun ist“. Am Sonntag in Großbuchstaben: „VERNICHTUNG, TOTAL UND
       KOMPLETT“. Letzten Montag: „Der Sturm zieht auf“, und jetzt will er wieder
       mehr Zeit geben, nachdem er angeblich einen Angriff abgeblasen hat.
       
       Das Problem mit Trumps Drohgebärden: Sie nutzen sich ab. Und dabei sind die
       Forderungskataloge beider Seiten im Wesentlichen über die letzten Wochen
       ziemlich gleich geblieben. Es scheint fast so, als hätten die Iraner Trump
       schon längst in einen neuen Krieg verwickelt: einem
       Verhandlungs-Abnutzungskrieg.
       
       19 May 2026
       
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