# taz.de -- Hanta-Virus auf Kreuzfahrtschiff: Evakuierung läuft
       
       > In Teneriffa läuft die Evakuierung der vom tödlichen Hantavirus
       > betroffenen MV Hondius auf Hochtouren. Die WHO schätzt die Gefahr als
       > gering ein.
       
 (IMG) Bild: Die Evakuierung im Hafen von Granadilla auf Teneriffa ist in vollem Gange
       
       Das von Ausbruch des tödlichen Hantavirus betroffene [1][Kreuzfahrtschiff
       MV Hondius] ist am frühen Sonntagmorgen im Hafen von Granadilla im Süden
       der spanischen Kanareninsel Teneriffa angekommen. Es ankert fern der Mole.
       Bis Montagnachmittag sollen alle über 140 Passagiere evakuiert und in ihre
       Herkunftsländer ausgeflogen werden.
       
       Spaniens Regierung, die von der [2][Weltgesundheitsorganisation (WHO)]
       angefragt wurde, diese Operation zu übernehmen, als die Hondius noch vor
       dem drei Tage entfernten Kap Verde lag, setzte die Evakuierung gegen die
       konservative Regierung der Kanarischen Inseln durch. Deren Präsident,
       Fernando Clavijo, hatte sich geweigert – aus Angst vor einer großflächigen
       Ansteckung der Inselbevölkerung.
       
       „Die Experten, die an Bord des Schiffes gegangen sind, teilen uns mit, dass
       die Passagiere weiterhin keine Symptome zeigen“, entgegnet die
       linksalternative spanische Gesundheitsministerin Mónica García. Der
       Hantavirus ist hochgefährlich aber – so die Gesundheitsbehörden und die WHO
       – [3][bei weitem nicht so ansteckend wie Covid].
       
       „Das Ankern ist trotz aller Herausforderungen erfolgreich verlaufen“, sagte
       García. Die Betroffenen werden auf dem Meer von Bord gehen, dann in kleinen
       Booten übergesetzt und mit Bussen zum 15 Autominuten entfernten Flughafen
       Teneriffa Süd gebracht. Sie werden die ganze Zeit über streng isoliert
       sein.
       
       ## EU hilft bei Koordination der Evakuierung
       
       Kontakt mit Menschen wird – bis auf Gesundheits- und Sicherheitspersonal –
       vermieden. Die spanische Regierung unter Pedro Sánchez hat die Operation
       gemeinsam mit den europäischen Gesundheitsbehörden und der WHO organisiert.
       Die Europäische Union schickte auf Antrag Spaniens im Rahmen des
       gemeinsamen EU-Katastrophenschutzes einen Rettungshubschrauber aus
       Norwegen. Außerdem befindet sich ein EU-Beamter vor Ort, um die
       Koordination zu unterstützen.
       
       Zuerst gingen 14 Spanier von Bord. Um 9:40 Uhr Ortszeit nahm ein Schlepper
       die ersten Personen auf. Sie wurden unter Begleitung einer
       Polizeipatrouille an Land gebracht. Ein Bus der Notfalleinheit der
       spanischen Armee (UME) brachte sie zum Flughafen. Von dort geht es dann auf
       einen Militärflughafen bei Madrid. Die Spanier – unter ihnen auch ein
       Besatzungsmitglied – kommen in einem Militärkrankenhaus in Quarantäne.
       Diese kann bis zu 45 Tage dauern.
       
       Als Nächstes sollen, so das spanische Gesundheitsministerium, die
       Passagiere aus den Niederlanden, Deutschland, Griechenland sowie ein Teil
       der Besatzung evakuiert werden. Insgesamt sind Passagiere aus 23 Ländern an
       Bord, darunter mindestens sechs Deutsche. Zuletzt sind wohl die Australier
       an der Reihe. Ihr Flugzeug kommt nicht vor Montag auf Teneriffa an.
       
       ## Hondius muss in die Niederlande überführt werden
       
       Falls am Montagnachmittag noch Passagiere an Bord sind, deren Länder sie
       nicht abgeholt haben, werden sie von den Niederlanden – wo das Schiff
       registriert ist – abgeholt. Mindestens 30 Besatzungsmitglieder müssen an
       Bord bleiben, um die MV Hondius in die Niederlande zu überführen, wo sie
       desinfiziert werden muss.
       
       Ob dies in einem Hafen geschieht oder auf See, ist noch nicht geklärt. Das
       Wetter meint es gut mit der Operation. Anders als im restlichen Spanien
       scheint die Sonne und es ist weitgehend windstill. Insgesamt sind 358
       Polizeibeamte unterschiedlicher Einheiten im Einsatz, um die Operation
       abzusichern.
       
       Laut dem Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, wurden bisher
       acht Fälle des Hantavirus unter den Passagieren der festgestellt. Drei
       davon sind verstorben. Bei der Virusvariante handelt es sich um das
       Andes-Virus, die einzige bekannte Spezies, die in begrenztem Umfang von
       Mensch zu Mensch übertragen werden kann und auf engen und längeren Kontakt
       zurückzuführen ist.
       
       „Obwohl dies ein ernster Vorfall ist, schätzt die WHO das Risiko für die
       öffentliche Gesundheit als gering ein“, erklärte Ghebreyesus bevor das
       Schiff auf Teneriffa ankam.
       
       10 May 2026
       
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 (DIR) Reiner Wandler
       
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