# taz.de -- Hantavirus in Deutschland: Schuld war die Rötelmaus
> Seit dem aktuellen Ausbruch hat wohl jede*r vom Hantavirus gehört.
> Volker S. kennt es aus eigener Erfahrung. Über eine Begegnung mit
> Mäusedreck.
(IMG) Bild: Die Rötelmaus in ihrem natürlichen Element. Leider ist sie nur scheinbar eine Süßmaus
Die Stimme des Hausarztes am Telefon klang alles andere als entspannt.
„Ganz schlecht“ seien die Blutwerte und Volker S. müsse „jetzt sofort“ ins
Krankenhaus, in die Notaufnahme. Dabei packte der gerade die Koffer für den
Familienurlaub in Südfrankreich und fühlte sich gar nicht besonders krank.
Eine Erkältung und ein paar Tage Fieber, eigentlich schon am Abklingen.
Aber als Volker S. in der Kreisklinik seiner süddeutschen Heimatstadt
ankommt, haben die Nieren schon komplett versagt. Er wird auf eine
Spezialstation der Universitätsklinik verlegt. Dort bestätigt sich auch die
Diagnose: eine Infektion mit dem [1][Hantavirus]. Oder medizinisch
korrekter: Hämorrhagisches Fieber mit Nierensyndrom.
Als Volker S. dies jetzt schildert, ist seine Erkrankung ziemlich genau ein
Jahr her, und er hatte die dramatische Zeit im Krankenhaus schon beinahe
verdrängt. Ganz unbekannt war ihm der Begriff Hantavirus damals nicht
gewesen. Da war doch was mit der Ehefrau des [2][Schauspielers Gene
Hackman], und eine Reportage über infizierte Landarbeiter in Südamerika
hatte Volker S. auch einmal gesehen. Aber Fälle hier in Deutschland? Noch
nie davon gehört.
Dabei gehört Deutschland zu den Ländern mit den meisten Fällen des
Hantavirus in Europa. Wie überall verbreitet sich das Virus unter
Nagetieren. Der infizierte Nager wird dabei gar nicht krank, scheidet aber
für den Rest seines kleinen Mäuselebens das Virus aus. Über mit Mäusedreck
kontaminierten Staub oder Mäusebisse kann sich auch der Mensch infizieren.
Zum Beispiel beim Frühjahrsputz von Schuppen oder Scheunen, durch die
Nagetiere gelaufen sind.
## 300 Fälle im Jahr
Im vergangenen Jahr, in dem es auch Volker S. erwischte, wurden in
Deutschland laut Robert-Koch-Institut rund 300 Hantavirusfälle beim
Menschen gemeldet, in den Jahren zuvor waren es schon mal über 2.000 – je
nach Nahrungsangebot für die Wirtstiere. In Ost- und Norddeutschland
verbreitet die Brandmaus sehr selten die Dobrava-Belgrad-Variante des
Hantavirus. Vor allem in Süddeutschland tritt mit der Rötelmaus die
wesentlich häufigere Puumala-Variante auf.
Die Namen muss man sich nicht merken, wichtig ist nur: Es sind andere Nager
und eben auch andere Virusvarianten als im aktuellen Fall des
Kreuzfahrtschiffs. Die in Deutschland verbreiteten Hantavarianten sind weit
weniger gefährlich, und eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung wurde noch nicht
beobachtet. Viele Infektionen verlaufen ohne Symptome. Die schwerwiegendste
Komplikation ist eben jenes hämorrhagische Fieber mit Beteiligung der
Nieren und sehr selten auch der Lungen. Todesfälle sind ganz selten.
Entsprechend waren die Ärzt*innen bei Volker S. zwar begeistert über den
„spannenden Fall“, den man eben doch nicht alle Tage sieht in Deutschland,
aber nicht wirklich beunruhigt. Keine Vorerkrankung, fitter Mittfünfziger.
„Das schafft Ihr Körper“, hieß es – auch als es Volker S. für einige Tage
dann doch ganz schön schlecht ging.
Tatsächlich nahmen die Nieren ihren Dienst bald wieder auf, Volker S.
erholte sich schnell. Heute muss er noch alle paar Monate zur Kontrolle der
Nierenfunktion, aber es sieht so aus, als wäre seine Begegnung mit dem
Hantavirus ohne körperliche Folgen geblieben.
Schuld war jedenfalls die Rötelmaus. „Eigentlich eine ganz Niedliche“, sagt
Volker S. Mit so kleinen Öhrchen und recht kurzem Schwanz. Offenbar hatte
es sich ein infiziertes Exemplar im Winter auf der Terrasse unter den
abgedeckten Gartenmöbeln gemütlich gemacht – weshalb Volker S. dann im
Frühjahr die Hinterlassenschaften wegfegte. „Das hat doch jeder schon mal
gemacht, da muss ich echt Pech gehabt haben.“
Seitdem stehen um die Terrasse herum Mausefallen. Die ganze Familie schützt
sich bei potenziellen Begegnungen mit Mäusedreck mit Maske und Handschuhen
und folgt damit den gemeinsamen Empfehlungen des
[3][Robert-Koch-Instituts], des Bernhard-Nocht-Instituts und des
Friedrich-Löffler-Instituts zur Infektionsvermeidung. Generell sollte das
Eindringen von Mäusen in den häuslichen Bereich demnach bekämpft und Kot,
Nester oder Kadaver nur mit entsprechenden Schutzmaßnahmen beseitigt
werden.
Neulich hatte Volker S. eine Spitzmaus in der Falle und dachte: Zum Glück
keine Rötelmaus. „Aber dann hab ich nachgelesen, dass die Spitzmaus ein
wirklich tödliches Virus übertragen kann.“ Und zwar [4][das sogenannte
Bornavirus], das zu schweren Hirnhautentzündungen führen kann – davon gab
es bisher aber wirklich nur ganz wenige Fälle der Übertragung auf den
Menschen, vor allem in Bayern.
Laut Robert-Koch-Institut ist es wesentlich wahrscheinlicher, vom Blitz
getroffen zu werden, als sich bei einer Spitzmaus mit dem Bornavirus
anzustecken. Vorsichtsmaßnahmen können vor allem in Bayern trotzdem nicht
schaden, das Robert-Koch-Institut empfiehlt die gleichen wie beim
Hantavirus. „Wenn man einmal anfängt, sich mit Mäusen und Viren zu
beschäftigen …“, sagt Volker S..
17 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Hantavirus/!t6177044
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(DIR) [3] https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/H/Hantavirus/hantavirus-node.html
(DIR) [4] https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/B/Bornavirus/Merkblatt.pdf?__blob=publicationFile&v=3
## AUTOREN
(DIR) Manuela Heim
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