# taz.de -- Gefährliches Hantavirus: WHO macht Kreuzfahrtschiff zur Chefsache
> WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus reist nach Spanien, um die
> Evakuierung der rund 150 Menschen an Bord der „Hondius“ persönlich zu
> überwachen.
(IMG) Bild: Das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ im Hafen von Praia auf den Kapverden
afp | Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem niederländischen
Kreuzfahrtschiff „Hondius“ macht die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
[1][die Evakuierung der noch rund 150 Menschen] an Bord zur Chefsache.
[2][WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus] traf am Samstag in Spanien ein, um
eine sichere Evakuierung zu beaufsichtigen. Laut WHO wurde mittlerweile in
sechs von acht Verdachtsfällen eine Infektion [3][mit dem von Mensch zu
Mensch übertragbaren Andes-Virusstamm] bestätigt. Zu den drei Todesopfern
zählt eine Deutsche.
„Ich bin in Spanien eingetroffen, wo ich mich mit hochrangigen
Regierungsvertretern an einer Mission nach Teneriffa beteiligen werde, um
die sichere Ausschiffung der Passagiere, Besatzungsmitglieder und
Gesundheitsexperten des Kreuzfahrtschiffs ‚MV Hondius‘ zu beaufsichtigen“,
erklärte Tedros am Samstag im Onlinedienst X. Gegen 17.00 Uhr will der
spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez den WHO-Chef in seinem Amtssitz
in Madrid empfangen.
Nach Angaben aus spanischen Regierungskreisen will Tedros danach mit
Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska und Gesundheitsministerin
Mónica García Gómez zu einer Kommandozentrale auf den Kanaren reisen, um
die Koordination zwischen den beteiligten Regierungen und die „Anwendung
der geplanten Überwachungs- und Maßnahmenprotokolle“ sicherzustellen.
## Ankern vor der Insel
Das niederländische Schiff soll laut der spanischen Gesundheitsministerin
García Gómez am frühen Sonntagmorgen in Teneriffa ankommen. Auf Drängen der
örtlichen Behörden soll die „Hondius“ aus Sicherheitsgründen aber nicht in
den kleinen Industriehafen Granadilla de Abona einlaufen, sondern vor der
Kanareninsel ankern. Der Großteil der rund 150 Menschen an Bord soll von
dort auf einem kleineren Schiff an Land gebracht und dann in Bussen zum
Flughafen Teneriffa-Süd gefahren und in ihre Heimatländer geflogen werden.
Der spanische Innenminister Grande-Marlaska sagte am Samstag bei einer
Pressekonferenz, es seien bereits Heimflüge nach Deutschland, in die
Niederlande, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Irland und die USA
geplant. Für Schiffsinsassen, die nicht aus der EU stammen und deren Länder
keine Heimflüge organisieren könnten, bereite Spanien in Abstimmung einen
„Plan“ für ihre Heimreise vor.
Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin befindet sich „eine mittlere
einstellige Zahl“ deutscher Staatsbürger an Bord. Laut einer früheren Liste
der „Hondius“-Reederei Oceanwide Expeditions sind es sechs lebende Deutsche
sowie die Leiche des deutschen Todesopfers. Gesundheitsministerin García
Gómez sagte, dass sowohl das Gepäck als auch die Leiche des deutschen
Todesopfers an Bord blieben. Das Schiff fahre dann mit einem Teil der
Besatzung in die Niederlande weiter.
## Hafenarbeiter demonstrieren
Hafenarbeiter in Granadilla de Abona demonstrierten am Freitag gegen die
geplante Ankunft des Kreuzfahrtschiffs. Auch Einwohner des Hafenortes, die
die Nachrichtenagentur AFP in den vergangenen Tagen befragte, äußerten
„Besorgnis“ über die bevorstehende Ankunft der „Hondius“. Am Freitag hatte
die WHO mitgeteilt, dass bis dahin insgesamt acht Hantavirus-Fälle gemeldet
worden seien, darunter drei Todesfälle. „Sechs Fälle wurden im Labor als
Hantavirus-Infektionen bestätigt“, hieß es weiter.
Alle sechs Infektionen sind den Angaben zufolge auf den in Südamerika
verbreiteten Andes-Virusstamm zurückzuführen, dem einzigen
Hantavirus-Stamm, der von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Der Erreger
kann schwere Atemwegserkrankungen verursachen. In den zwei weiteren
Verdachtsfällen sei eine Infektion „wahrscheinlich“, hieß es. Auf dem
Kreuzfahrtschiff selbst gibt es laut WHO keine weiteren Verdachtsfälle.
Nach Angaben der WHO befinden sich derzeit vier Menschen im Krankenhaus,
„einer auf der Intensivstation in Johannesburg in Südafrika, zwei in
verschiedenen Krankenhäusern in den Niederlanden und ein weiterer in Zürich
in der Schweiz“.
## Beobachten in Düsseldorf
Eine ins Universitätsklinikum Düsseldorf eingelieferte Frau sei negativ auf
das Virus getestet worden und zähle „daher nicht mehr als Fall“. Sie werde
aber weiterhin beobachtet. Die Düsseldorfer Uniklinik hatte dazu am Freitag
erklärt, dies sei notwendig, da „die Inkubationszeit des Erregers aber sehr
variabel ist und das Auftreten von Symptomen daher mehrere Wochen“ dauern
könne.
Die WHO stufte das Risiko für die Allgemeinbevölkerung als gering ein. Sie
werde „die epidemiologische Lage weiterhin beobachten und die
Risikoeinschätzung laufend aktualisieren“, hieß es in der Erklärung. „Das
Risiko für die Passagiere und Besatzung auf dem Schiff wird als mäßig
eingestuft“, hieß es weiter.
9 May 2026
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