# taz.de -- Hantaviren-Ausbruch: Ist das Hantavirus auch in Deutschland gefährlich?
> Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs erkranken, drei sterben. In mehreren
> Fällen ist eine Hanta-Infektion bestätigt. Was man zum Virus wissen muss.
(IMG) Bild: Eine elektronenmikroskopische Aufnahme von Hantaviren
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat [1][bekannt gegeben], dass auf
dem [2][Kreuzfahrtschiff in der Nähe von Kap Verde] mehrere Menschen mit
dem Hantavirus infiziert wurden. Bei fünf von ihnen konnte eine Infektion
mit dem Virus nachgewiesen werden, drei sind gestorben. Untersuchungen
haben gezeigt, dass es sich dabei um eine südamerikanische Variante des
Hantavirus, den sogenannten Andes-Typ, handelt.
Was sind Hantaviren?
Hantaviren sind kleine RNA-Viren, die weltweit vorkommen und Nagetiere wie
Mäuse und Ratten als natürliches Reservoir nutzen. Wichtig ist dabei, um
welche Virus-Art es sich handelt. In Deutschland kommen vor allem
Puumala-Virus und Dobrava-Belgrad-Virus vor. Puumala-Typ sind vor allem im
Süden und Westen, Dobrava-Typ im Osten und Norden Deutschlands verbreitet.
Auch in anderen europäischen Ländern kommen fast ausschließlich diese zwei
Arten vor. Infektionen mit diesen Varianten verlaufen mild und enden in
weniger als 1 Prozent der Fälle tödlich. In Südamerika gibt es andere
Hantaviren, darunter die Andes-Variante, mit einer deutlich höheren
Sterblichkeitsrate.
Was unterscheidet das Andes-Hanta-Virus von den anderen Hantaviren?
Hantaviren werden in der Regel nur durch Kontakt mit Ausscheidungen
infizierter Nagetiere übertragen werden, etwa durch das Einatmen von
aufgewirbeltem Staub, Kontakt der verletzten Haut mit kontaminierten
Materialien oder Bisse. Auch Lebensmittel, die mit Ausscheidungen
infizierter Nagetiere kontaminiert wurden, können das Virus übertragen. Das
südamerikanische Andes-Hantavirus ist eine Ausnahme. „Für dieses Hantavirus
ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bei engem Kontakt beschrieben“, sagt
Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung Arbovirologie und
Entomologie des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg.
Wie häufig sind Infektionen mit Hantavirus in Europa?
[3][Hantavirus-Infektionen] sind insgesamt selten. Für 2023 meldeten 28
Länder in Europa insgesamt 1.885 Infektionen mit diesem Virus. Die Zahlen
schwanken stark von Jahr zu Jahr. Zwei Länder, Finnland und Deutschland,
machten zusammen 60 Prozent aller gemeldeten Fälle aus.
Wie äußert sich die Erkrankung?
Die Symptome ähneln denen einer Grippe – Fieber, Rücken-, Kopf- und
Gliederschmerzen. Sie treten in der Regel etwa zwei bis vier Wochen nach
der Ansteckung auf. Je nach Virustyp kann die Erkrankung schwerer
verlaufen. Nord- und Südamerikanische Stämme können das kardiopulmonale
Syndrom verursachen, das in 25 bis 40 Prozent der Fälle tödlich verläuft.
Der Grund ist unter anderem Flüssigkeitsansammlung in der Lunge.
Eine Komplikation durch asiatische und europäische Hantavirusstämme ist das
Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom, das meist in mehreren Phasen
verläuft. Am Anfang können Fieber, Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen
auftreten, später Blutdruckabfall, Blutbildveränderungen und eine akute
Nierenschädigung mit Eiweiß und Blut im Urin. Bei schweren Verläufen kann
es zu Schock, Nierenversagen und selten auch zu Lungenbeteiligung kommen.
Bei Infektionen mit den in Deutschland vorkommenden Virustypen kommt es in
der Regel zu einem leichteren Verlauf des Hämorrhagischen Fiebers.
Wie lässt sich das Hantavirus behandeln?
Aktuell gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische
Therapie. „Die Behandlung ist vor allem supportive Medizin: engmaschige
Überwachung, Sauerstoffgabe, intensivmedizinische Versorgung bei
respiratorischer Insuffizienz (Störung eines Gasaustausches in der Lunge)
oder Schock und gegebenenfalls invasive Beatmung“, so Schmidt-Chanasit. Im
Falle des Andes-Virus sollten Erkrankte isoliert und enge Kontaktpersonen
aktiv überwacht werden, und medizinisches Personal sollte mit
entsprechender persönlicher Schutzausrüstung arbeiten.
Gerade weil es keine spezifische Therapie gibt, sollte man sich schützen,
um die Infektion zu vermeiden. Dazu gehört vor allem, das Eindringen von
Nagern in den Wohnbereich zu verhindern. Die WHO bewertet das Risiko für
die Weltbevölkerung durch Hantaviren derzeit insgesamt als gering.
7 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2026-DON599
(DIR) [2] /Hantavirus/!6176741
(DIR) [3] https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2026-DON599
## AUTOREN
(DIR) Sofia Zharinova
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