# taz.de -- Hantavirus und Corona: War da was?
       
       > Kreuzfahrtschiff, Lungenkrankheit, Menschen in Quarantäne, Tote. Das
       > Hantavirus weckt Erinnerungen. Aber kann man es mit Corona vergleichen?
       
 (IMG) Bild: Nicht Corona: das Hantavirus
       
       [1][Auf einem Kreuzfahrtschiff breitet sich ein Virus aus], Infizierte
       haben grippeartige Symptome, drei Menschen sterben, viele erkranken. Es ist
       von Mensch-zu-Mensch-Übertragung die Rede, weltweit müssen Kontaktpersonen
       in Quarantäne, nachdem Passagiere das Schiff verließen, die bereits
       erkrankt waren. Erinnerungen werden wach. Doch was ist dran an dem
       Vergleich des Hantavirus mit dem Coronavirus?
       
       Tatsächlich geschah einer der größten Ausbrüche während der Coronapandemie
       ebenfalls auf einem Kreuzfahrtschiff. 700 Menschen, die am Bord von
       „Diamond Princess“ waren, wurden infiziert, sieben Menschen starben. Die
       Infektionen gingen höchstwahrscheinlich allesamt auf eine einzige
       infizierte Person zurück.
       
       Kreuzfahrtschiffe bieten günstige Bedingungen für Viren und Bakterien.
       Immer wieder kommt es dort zu Ausbrüchen.
       
       Hanta- und Coronaviren gehören allerdings unterschiedlichen Virusfamilien
       an und sind in ihrem Aufbau grundlegend verschieden, auch wenn beide
       RNA-Viren sind. Zu Beginn der Infektion verursachen sie grippeähnliche
       Symptome wie Fieber, Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen. Allerdings
       unterscheiden sie sich bei der Zeit bis zu den ersten Symptomen: Bei
       SARS-CoV-2 beträgt sie typischerweise drei bis fünf Tage, bei Hantaviren
       kann sie ein bis zwei Wochen oder sogar noch länger betragen.
       
       ## Der entscheidende Unterschied
       
       Nord- und südamerikanische Stämme können das Hantavirus-Lungensyndrom
       verursachen, das in [2][bis zu 40 Prozent der Fälle tödlich verlaufen
       kann], weil sich etwa Flüssigkeit in der Lunge ansammelt. Zudem können
       asiatische und europäische Hantavirusstämme das sogenannte hämorrhagische
       Fieber auslösen, das in seltenen Fällen zu Nierenversagen führen oder die
       Lunge angreifen kann.
       
       Der entscheidende Unterschied zu Coronaviren liegt jedoch in der Art der
       Übertragung. Corona kann von Mensch zu Mensch übertragen werden, es reichen
       kleine Tröpfchen. Über die Atemwege gelangen die Viren in den Körper, wobei
       Menschen nicht einmal nah beieinanderstehen müssen – Viruspartikel können
       stundenlang in der Luft schweben. Coronaviren sind deshalb viel
       ansteckender, vor allem weil sie auch von Menschen ohne Symptome übertragen
       werden können. „Eine Person kann es auf drei übertragen, drei auf neun,
       neun auf 27 – das kann innerhalb eines Tages passieren“, erklärt Hugo
       Pizzi, Epidemiologe an der Nationalen Universität Córdoba, Argentinien.
       
       Hantaviren hingegen werden in der Regel nur von Tieren auf Menschen
       übertragen. Infizierte Nagetiere tragen die Viren ihr ganzes Leben lang in
       sich und scheiden sie aus. Ein Mensch kann sich durch das Einatmen von
       aufgewirbeltem Staub, Kontakt von verletzter Haut mit kontaminierten
       Materialien oder Bisse infizieren.
       
       Die verschiedenen Hantaviren unterscheiden sich größtenteils darin, welche
       Wirte sie haben. Für das Andes-Virus, das zuletzt auf dem Kreuzfahrtschiff
       ausgebrochen ist, ist es zum Beispiel [3][eine Reisratte], die auf dem
       amerikanischen Kontinent lebt.
       
       Das Andes-Virus ist die einzige der rund 30 bekannten Hantavirusvarianten
       weltweit, bei der eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung nachgewiesen wurde.
       „Beim Ausbruch in Epuyén, Argentinien, 2018 und 2019 kam es zur Übertragung
       dieser Art“, sagt Pizzi. Das bedeutet aber nicht, dass er sich leicht
       zwischen Menschen ausbreitet – eine weitere Übertragung ist nur selten
       möglich und kann nur bei sehr engem Kontakt passieren. Was enger Kontakt
       genau bedeutet, ist noch nicht ausreichend erforscht. Denn in Epuyén
       infizierte eine Person mehrere andere auf einer Geburtstagsfeier.
       
       Die Besonderheit beim aktuellen Fall ist, dass das Virus auf einem
       Kreuzfahrtschiff mit vielen Passagieren aufgetreten ist. Da die Symptome
       denen verschiedener Atemwegserkrankungen ähneln, wurde das Hantavirus erst
       später nachgewiesen. So erreichte es Länder, in denen der entsprechende
       Wirt nicht vorkommt.
       
       Es ist nur mit wenigen Folgefällen zu rechnen. Das bestätigten auch
       WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus und der Chef des
       Robert-Koch-Instituts, Lars Schaade.
       
       Auch Pizzi gibt Entwarnung: „Es gibt keinen Grund zur Sorge. Es handelt
       sich um eine völlig andere Art von Epidemiologie und
       Ausbreitungsgeschwindigkeit.“ Auch dass das Virus mutiert ist, konnte nicht
       bestätigt werden. Es handelt sich um die bereits bekannte Andes-Variante.
       Ihr Infektionsverhalten unterscheidet sich von früheren Ausbrüchen mit
       Mensch-zu-Mensch-Übertragung nicht.
       
       [4][Argentinien selbst überwacht engmaschig] das Infektionsgeschehen. Seit
       Juni 2025 gab es im Land 101 bestätigte Fälle. Laut Pizzi könnte die Zahl
       aber zunehmen: „Der Klimawandel – mit einem veränderten Niederschlagsregime
       – hat dazu geführt, dass es plötzlich mehr Regen und mehr Vegetation gibt.
       Die Maus, die das Hantavirus überträgt, vermehrt sich stärker, weil sie
       sich besser ernähren kann, und besiedelt ein immer größeres Gebiet. Als
       Folge haben wir mehr Fälle in Argentinien“, sagt er.
       
       16 May 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Hantaviren.html
 (DIR) [3] https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Hantaviren.html?nn=16906418#doc16792024bodyText3
 (DIR) [4] https://edition.cnn.com/2026/05/09/americas/hantavirus-cases-double-argentina-climate-change-latam-intl
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sofia Zharinova
       
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