# taz.de -- Moor- und Klimaschutz: Mindestens acht Milliarden Euro sind nötig
       
       > Der Umstieg auf nasse Landwirtschaft ist wichtig fürs Klima, kostet
       > Landwirt*innen aber Erträge. Ein Thinktank beziffert nun
       > Übergangsprämien.
       
 (IMG) Bild: Der lange Weg zur Moor-Renaturierung ist sumpfig und teuer
       
       Acht Milliarden Euro werden in Deutschland benötigt, um Landwirt*innen, die
       ihre in Moorgebieten Flächen wiedervernässen wollen, während der
       Umstellungsphase für Verluste zu entschädigen. Zu dem Schluss kommt eine
       [1][Analyse der Denkfabrik Agora Agrar. ]
       
       Die errechnete Summe orientiert sich an dem heutigen landwirtschaftlichen
       Einkommen in moorreichen Regionen. Da die Umstellung auf nasse
       Landwirtschaft zunächst mit Ertragseinbußen und Kosten – etwa für neue
       Maschinen – verknüpft ist, könnten entsprechende Prämien Landwirt*innen
       entschädigen, bis neue Wertschöpfungsketten und Einkommensmöglichkeiten
       entstanden sind.
       
       Die Studie schlüsselt den Prämienbedarf nach Bundesländern und
       Landwirtschaftsart auf. Am höchsten sei der Bedarf auf Ackerflächen in
       Niedersachsen und Schleswig-Holstein, am niedrigsten in Brandenburg auf
       Flächen mit extensiver Mutterkuhhaltung.
       
       Rund sieben Prozent der deutschen Agrarflächen liegen auf entwässerten
       Moorböden. Das Problem: Trockengelegte Moore setzen laut der Studie mit
       rund 48 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten jährlich 40 Prozent der
       Agrar-Treibhausgasemissionen frei. Auch lassen sich die entwässerten Böden
       auf Dauer nicht gut mit herkömmlichen Landwirtschaftsmethoden
       bewirtschaften. Eine Alternative bietet die sogenannte Paludi-Kultur (nach
       lat. Palus, Sumpf), die nasse Bewirtschaftung von Mooren.
       
       ## Insgesamt könnten Kosten von 20 Milliarden Euro entstehen
       
       „Wir nehmen in unseren Berechnungen an, dass etwa 80 Prozent der
       landwirtschaftlich genutzten Moorflächen wiedervernässt werden“, so Harald
       Grethe, Co-Direktor von Agora Agrar. Daraus ergäbe sich das Prämienbudget
       von acht Milliarden Euro bis 2045.
       
       Die Kosten, die insgesamt für die Umstellung auf Paludi-Kultur
       zusammenkommen, könnten sich sogar auf 20 Milliarden Euro belaufen. Dieses
       Budget umfasse nicht nur die Prämien, sondern wasserbauliche und
       Verwaltungskosten sowie Investitionen in neue Wertschöpfungsketten.
       
       Wie passen diese Berechnungen mit den politischen Anstrengungen für
       Moorschutz zusammen? Mitte April stellte Bundesumweltminister Carsten
       Schneider (SPD) ein [2][neues Förderprogramm vor, mit dem es die
       Landwirt*innen bei der Wiedervernässung ehemaliger Moorflächen
       unterstützen will].
       
       Landwirt*innen können mithilfe der sogenannten Palu-Richtlinie
       freiwillig ihr Land wiedervernässen und nach und nach ihre
       Wirtschaftsweisen anpassen. Ziel ist es, nachhaltige und wirtschaftlich
       profitable Wertschöpfungsketten und somit ein sicheres Einkommen zu
       schaffen.
       
       ## Förderprogramm für freiwillige Maßnahmen
       
       Für die sogenannte Palu-Richtlinie werden bis Ende 2029 [3][1,75 Milliarden
       Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereitgestellt.] Dieses Budget
       sieht auch Entschädigungsprämien vor, genaue Summen sind jedoch noch nicht
       bekannt. Sowohl Expert*innen vom Greifswalder Moorzentrum als auch der
       Deutsche Bauernverband hatten das neue Förderprogramm begrüßt.
       
       „Die Palu-Richtlinie leistet in den ersten vier Jahren einen erheblichen
       Beitrag“, erklärte Grethe. Würde sie bis 2045 in gleicher Höhe fortgeführt,
       ergäbe sich ein Budget von etwa neun Milliarden Euro und ein zusätzlicher
       Mittelbedarf von etwa elf Milliarden Euro. „Das zeigt: Wir werden auch
       weitere Finanzierungsquellen brauchen“, so Grethe. Dazu könnten etwa
       Landes- oder EU-Mittel, und Erlöse aus privaten Kohlenstoffmärkten
       eingesetzt werden.
       
       Die feste Planung der Palu-Richtline für den Zeitraum nach 2029 gestaltet
       sich für den Bund schwierig. Laut Johann Rathke, Teamleiter für Politik
       beim NABU, würden öffentliche Förderungen grundsätzlich nur kurz- bis
       mittelfristig abgesichert. Verlässliche Finanzierungszusagen über
       Jahrzehnte gäbe es kaum – auch durch wechselnde politische Prioritäten.
       „Vor diesem Hintergrund ist die neue Palu-Richtlinie trotz begrenzter
       Mittel ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, so Rathke.
       
       Der Deutsche Bauernverband (DBV) betont, es dürfe durch die Vernässung
       nicht zu einer Einschränkung der Nutzung oder des Wertes der betroffenen
       Fläche kommen: „Entscheidend ist, dass die Betriebe eine verlässliche
       langfristige ökonomische Perspektive deutlich über die Förderzeiträume der
       Palu-Richtlinie von acht Jahren hinaus erhalten“, so Steffen Pingen,
       stellvertretender Generalsekretär des DBV.
       
       15 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.agora-agrar.de/publikationen/wiedervernaessung-von-moorboeden
 (DIR) [2] /Neues-Foerderprogramm/!6171833
 (DIR) [3] /Moore-fuer-den-Klimaschutz/!6172150
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Evke Bakker
       
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