# taz.de -- Neue Straßennamen in Berlin: Friedländer vor dem Abgeordnetenhaus
> Berlin bekommt im Mai nicht nur einen Margot-Friedländer-Platz. Auch die
> Hofjägerallee im Tiergarten wird umbenannt – in Helmut-Kohl-Allee.
(IMG) Bild: Wird bald offiziell: der Margot-Friedländer-Platz
dpa/taz | In rund vier Wochen bekommt Berlin kurz hintereinander zwei neue
Straßennamen. Am 9. Mai wird die Hofjägerallee in Tiergarten in
Helmut-Kohl-Allee umbenannt. Schon zwei Tage vorher soll der Platz direkt
vor dem Berliner Landesparlament nach der Holocaust-Überlebenden Margot
Friedländer benannt werden. Das teilte das Bezirksamt Mitte mit.
„Verzögerungen gibt es derzeit nicht. Noch erforderlich ist vor allem die
Anbringung der neuen Straßenschilder.“
Am Abgeordnetenhaus will Parlamentspräsidentin Cornelia Seibeld die Gäste
begrüßen, wenn das Schild mit Margot Friedländers Namen offiziell enthüllt
wird. Das soll am frühen Vormittag passieren – die Abgeordneten tagen am 7.
Mai im Parlament, der Beginn der Sitzung verschiebt sich um eine Stunde.
Bei der Feierstunde wird nach Angaben des Abgeordnetenhauses der Schulchor
des Gymnasiums aus Spandau mitwirken, das künftig Margot Friedländers Namen
tragen soll. Die Berliner Ehrenbürgerin war am 9. Mai 2025 im Alter von 103
Jahren gestorben.
Friedländer (1921–2025) stammte aus einer jüdischen Familie in Berlin. Von
den Nationalsozialisten wurde sie ins Konzentrationslager Theresienstadt
verschleppt. Nach der Befreiung 1945 ging sie mit ihrem Mann in die USA.
Erst mit 88 Jahren zog sie zurück in die deutsche Hauptstadt. Beigesetzt
ist sie auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee.
Für die Umbenennung wurde eine Ausnahme von der geltenden Regel gemacht,
der zufolge Straßen erst fünf Jahre nach dem Ableben der Person umbenennt
werden dürfen. „Bei Margot Friedländer handelt es sich um eine
herausragende Berliner Persönlichkeit. Ferner liegt es im Interesse der
Stadt, ihre Verdienste möglichst schnell zu würdigen und ein Zeichen gegen
den wachsenden Antisemitismus in Berlin zu setzen“, hieß es in einer
Mitteilung der Senatskanzlei vom Dezember.
## Eine Allee für den „Kanzler der Einheit“
Auch für die Umbenennung der Hofjägerallee ist eine Feierstunde geplant.
Details dazu teilte die Senatskanzlei noch nicht mit. Die künftig nach dem
früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (1930–2017) benannte Straße führt von
der Siegessäule durch den Tiergarten in Richtung der
CDU-Bundesgeschäftsstelle. Kohl ist ebenfalls Ehrenbürger Berlins.
Er gilt weltweit als „Kanzler der Einheit“. In seine Amtszeit von 1982 bis
1998 fiel die deutsch-deutsche Wiedervereinigung. Gleichzeitig ist er unter
anderem wegen seiner Rolle im CDU-Spendenskandal umstritten.
Neue Straßennamen können gerade in Wahljahren Probleme machen. Mit Blick
auf die Abgeordnetenhauswahl am 20. September sieht das Bezirksamt Mitte
diese Gefahr aber nicht: Weil es weder am Platz vor dem Abgeordnetenhaus
noch in der bisherigen Hofjägerallee Meldeadressen gebe, seien keine
Auswirkungen auf die Zustellung von Wahlunterlagen zu befürchten.
10 Apr 2026
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