# taz.de -- Neuer Song der Rolling Stones: Wie angewurzelt am Kreisverkehr stehen
       
       > Am Mittwoch haben die Rolling Stones einen neuen Song veröffentlicht. Als
       > Vorgeschmack auf ihr neues Album „Foreign Tongues“. Was taugt diese
       > Musik?
       
 (IMG) Bild: Die Rolling Stones beim Launch ihres neuen Albums „Foreign Tongues“ am 5. Mai 2026 in New York
       
       „In the Stars“ heißt der erste von zwei Songs, den die Rolling Stones als
       Vorgeschmack ihres am 10. Juli erscheinenden (nach britischer Zählung) 26.
       Studioalbums am Mittwoch offiziell hochgeladen haben; [1][erst in digitaler
       Form], bevor „In the Stars“ am 15. Mai auch als Single erhältlich sein
       wird.
       
       Der Algorithmus von Youtube will es so, dass auf dem von 3,61 Millionen
       Fans abonnierten Stones-Kanal erst noch Werbung für einen
       Multifunktions-Gemüseschäler eingeblendet wird. Wobei die Musik der Stones
       eher nach Fleisch schmeckt, nach alter Pelzstola, Mottenkugeln und belegter
       Zunge.
       
       Jaggers langgezogene Oooo-Stimme züngelt zum Auftakt als Backgroundchor für
       Klavier und Gitarrenakkorde. Ein Stilmittel, das die Stones seit den 60ern,
       seit mindestens „Sympathy for the Devil“ im komatösen Schlaf beherrschen.
       Jaggers Ooooo suggeriert gute Stimmung, auch Piano und E-Gitarren haben
       Bock auf Rock. Das Gemälde auf dem Albumcover zeigt wulstige Lippen,
       buschige Augenbrauen und eingefallene Backen, Karikaturen der
       Bandmitglieder-Köpfe, übereinandergeblendet.
       
       ## Ewig lockt die Zunge
       
       „Foreign Tongues“ heißt das neue Werk. Die Zunge, rausgestreckt, rebellisch
       und rot, ist bereits seit den 70ern das Symbol der Stones, sie blitzt im
       Albumtitel wieder auf. Aber können die Briten überhaupt in fremden Zungen
       sprechen? Die Stones sind doch dermaßen eingeboren und votierten auch für
       den Brexit. Auch sonst stehen Sir Mick und seine Blueskohorte inzwischen
       für die leicht degenerierte Upperclass Großbritanniens. Oder wollen sie
       doch lieber weg aus der selbstgewählten splendid Isolation? Wollen wir sie
       überhaupt zurück? Im Videoclip von „In the Stars“ wird der Songtext neben
       Englisch auch auf Spanisch, Französisch, Deutsch und Japanisch
       eingeblendet.
       
       Es geht um Wahrsagerei, Sterndeuten am Nachthimmel, dies, das. Jagger spürt
       eine unsichtbare, möglicherweise göttliche Kraft, die sein Treiben auf
       Erden lenkt, woandershin, als ihm beliebt: „A Heavy Hand / Tangling With My
       Plans“. Bisschen Esoterik und Horoskop tun niemand weh und wartet erst mal,
       bis Keef Richards wieder die Schlangenmokassins aus Wildleder – ohne
       Schuhlöffel! – anzieht.
       
       Zwischen den buntfarbigen Esperanto-Textbausteinen sind grobkörnige, leicht
       verhuschte Aufnahmen der Band in Schwarzweiß geschnitten: Jagger mimt beim
       Einsingen im Studio die Gitarre in der Luft, Ron Wood tanzt fröhlich unter
       dem großen Kopfhörer, Keith schaukelt lachend im Stuhl und reckt seine
       Klampfe in die Kamera.
       
       ## Öliges Midtempo
       
       Die Aufnahmen in Westlondon für das Album hätten großen Spaß gemacht, lässt
       die Band via Plattenfirma wissen. Beim Einspielen seien die Songs oft schon
       beim ersten Take im Kasten gewesen. „In the Stars“ vermittelt einem diese
       ölige Rock-Midtempo-Ausweglosigkeit, als würde man sechs Stunden wie
       angewurzelt auf einem Kreisverkehr der Grafschaft Surrey stehen. „Das
       Ergebnis ist ein dynamisches und zukunftsgerichtetes Album, das den
       unverwechselbaren Sound … einfängt und zugleich neue klangliche und
       textliche Wege beschreitet – und damit ihr einzigartiges Vermächtnis weiter
       festigt.“
       
       Jagger/Richards sind eines der am längsten bestehenden Songwriterpaare des
       Rock, ewig kurbelnde Antriebswelle einer monströsen, seit 1962 bestehenden
       Band. It’s only Rock ’n’ Roll but? Dieses Jahr werden beide 83, stehen
       immer noch bockbeinig da und walten als zerfurchte Gürteltiere eines
       Showbusiness, dem allmählich die generationsübergreifenden Allzweckreiniger
       abhandenkommen.
       
       Ob „Foreign Tongues“ das irgendwie abschließend angepisste
       Renitenzrentner-Schlusswort zum Thema sein wird, oder „In the Stars“ doch
       nur Werbegeplänkel für einen Sparschäler, sehen wir dann im Juli, wenn das
       Album zur Gänze veröffentlicht wird.
       
       7 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://youtu.be/F-F_oHOvBsM?si=5Ryidzr-qNtQ17H8
       
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 (DIR) Julian Weber
       
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