# taz.de -- Zum Abschied von Alexander Stock: Wer Intendanten kommen und gehen sieht
       
       > Der ZDF-Sprecher Alexander Stock geht in Rente. Fast 25 Jahre reagierte
       > der Sender seinetwegen zurückhaltend, manchmal sogar überlegt und –
       > beruhigte.
       
 (IMG) Bild: Die Intendanten in Mainz kamen und gingen, ZDF-Pressesprecher Alexander Stock blieb (hier: Archivaufnahme vom März 2009)
       
       [1][Das ZDF] hat seit langem den Ruf als medienpolitischer Musterknabe.
       Während es bei der ARD immer mal wieder laut und vernehmlich rappelt, hört
       sich auf dem Lerchenberg der Wind selbst beim Säuseln zu. Denn wenn es bei
       den Öffentlich-Rechtlichen brenzlig wird, steht das ZDF selten in der
       ersten Reihe. Auf dem Lerchenberg reagieren sie zurückhaltend, besonnen und
       manchmal sogar überlegt. Das läuft jetzt schon fast ein komplettes
       Vierteljahrhundert so und liegt an [2][Alexander Stock].
       
       2002 hatte ZDF-Intendant [3][Markus Schächter] den früheren
       „heute-journal“-Journalisten zum obersten Kommunikator der Mainzer Anstalt
       gemacht. Schächter war ein Jahr zuvor erst nach einem unwürdigen
       parteipolitischen Geschacher Intendant geworden und galt als beschädigter
       Verlegenheitskandidat.
       
       So etwas durfte und sollte nie wieder vorkommen. Kam es auch nicht. In der
       internen wie externen Kommunikation agierte Stock dabei wie sein Intendant
       nach der Devise „Ich werde gern unterschätzt“. Und beherrschte von Anfang
       an die Kunst, nicht über jedes hingehaltene Stöckchen zu springen. (Sorry,
       dieser Wortwitz musste jetzt sein.)
       
       „Wir sagen da gar nichts zu“, war seine Antwort auf aufgeregte Anfragen aus
       der ARD, wenn mal wieder die Forderung aus der Politik kam, ARD und ZDF
       zusammenzulegen. Die ARD feilte schon längst an einer geharnischten Replik,
       das ZDF bzw. Stock ließen so was dagegen lässig an sich abperlen. Nach
       außen jedenfalls. „Nur weil man was aussitzt, ist man doch noch lange kein
       Musterknabe“, sagt die Mitbewohnerin.
       
       Stocks Vorbild machte Schule. Als ARD-Sprecher beim MDR vor zehn Jahren
       habe ich sehr davon profitiert. „Ihr sagt da doch bestimmt auch nichts
       zu?“, war damals meine Standardfrage an Alex, wenn sich die heilige
       ARD-Neunfaltigkeit mal wieder von unnötigem Heißdüsentum getrieben sah. Die
       Ansage „Das ZDF macht da jedenfalls nix“ zeigte in ARD-Kreisen meist die
       gewünschte Wirkung. Und wenn aus Mainz doch mal was gesagt werden musste,
       passierte das auch.
       
       [4][Beim unwürdig-politischen Abservieren von Nikolaus Brender als
       ZDF-Chefredakteur] auf Druck von Angela Merkel und Hessen-Hardliner Roland
       Koch im Jahr 2009 gelang das zwar leider nur mäßig. Was auch am Intendanten
       lag, der ja angeblich auf CDU-Ticket lief und seine eigenen „Freunde“ nicht
       einhegen konnte.
       
       Aber der „Fall Brender“ entpuppte sich im Nachhinein immerhin als Segen für
       den gesamten ÖRR, weil das Verfassungsgericht danach die Macht der Politik
       in den Gremien der Sender deutlich begrenzte.
       
       Schächters Nachfolger Thomas Bellut wagte sich mit Stocks Segen beim
       „Wetten, dass…“-Skandal der Gottschalk-Brüder sogar ins eigene Programm und
       erklärte den Fall. Eine mutige, im ÖRR seitdem leider nicht mehr erreichte,
       kommunikative Meisterleistung.
       
       Die Intendanten in Mainz kamen und gingen, Alexander Stock blieb. Norbert
       Himmler ist sein Dritter. Und auch sein letzter, denn jetzt geht Alex Ende
       Mai in Rente. Aber dazu sagen wir natürlich nix.
       
       25 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /ZDF/!t5008841
 (DIR) [2] /Zum-Glueck-zwei-Fehler/!386116/
 (DIR) [3] /Markus-Schaechter-zum-Abschied/!5098610
 (DIR) [4] /ZDF-Chefredakteur-muss-gehen/!5151823
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) ZDF
 (DIR) Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
 (DIR) Rente
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) CNN
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Gericht verhandelt über Rundfunkbeitrag: Milde Panik bei ARD und ZDF
       
       Das Bundesverfassungsgericht lädt Ende Juni zum Vortrag in Sachen Erhöhung
       des Rundfunkbeitrags. Der Ausgang ist offen.
       
 (DIR) Jubiläum und Krise im Printjournalismus: Lokalzeitungen fordern Förderung
       
       Die FAS wird 25 – das ist ein Grund zum Feiern. Im Lokaljournalismus sieht
       es dagegen düster aus. Deswegen wird nun eine radikale Forderung erhoben.
       
 (DIR) Nachruf auf CNN-Gründer Ted Turner: Einer mit Sendungsbewusstsein
       
       Todesmutig setzte er in den 1970er-Jahren aufs Kabelfernsehen – und machte
       „Breaking News“ zum Standard: CNN-Gründer Ted Turner ist tot.