# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Moskau droht mit Vergeltung bei Angriffen am 9. Mai
> Russland rät ausländischen Botschaften in Kyjiw zur Evakuierung, sollte
> die Ukraine die Moskauer Militärparade stören. Drohnen in Lettland
> abgestürzt.
(IMG) Bild: Vorbereitung für die große Parade: Reiter der Kreml-Reitschule vor einem Modell des Siegesordens, der höchsten sowjetischen Militärauszeichnung für den Zweiten Weltkrieg
## Moskau meldet ukrainische Angriffe
Zwei Tage vor dem Tag des Sieges hat Russland ausgedehnte ukrainische
Drohnenangriffe gemeldet, was Zweifel an den von Kiew und Moskau einseitig
erklärten Waffenruhen weckt. Über Nacht seien 347 feindliche Drohnen
abgefangen worden, teilte das russische Verteidigungsministerium in Moskau
mit. Diese Militärzahlen sind nicht unabhängig überprüfbar; es ist aber
eine der höchsten je gemeldeten Zahlen. Betroffen waren demnach fast alle
Regionen in West- und Zentralrussland. Der Bürgermeister von Moskau, Sergei
Sobjanin, berichtete auf Telegram von insgesamt elf Drohnen, die beim
Anflug auf die Hauptstadtregion abgeschossen worden seien. Nach Angaben des
Telegramkanals Baza wurden unter anderem aus der Stadt Rschew nordwestlich
von Moskau Gebäudeschäden gemeldet. In Lettland stürzten unweit der
russischen Grenze zwei nicht identifizierte Drohnen ab, was zeitlich mit
den ukrainischen Angriffen zusammenfiel.
Die Ukraine hatte eine Waffenruhe mit Tagesanbruch am Mittwoch ausgerufen
und sich weitgehend daran gehalten. Zumindest blieben russische Meldungen
über Angriffe aus. Russland hingegen setzte Drohnen- und Raketenangriffe
fort, was der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer
Videobotschaft vom Mittwochabend aus Kiew beklagte. Er kündigte an: „Wir
werden entsprechend reagieren.“ Gleichzeitig schien Selenskyj der
Waffenruhe eine zweite Chance zu geben. „Abhängig von der Lage heute Abend
und morgen werden auch wir unsere völlig angemessene Antwort festlegen“,
sagte er. Russland habe ein klares Angebot bekommen und wisse, wie die
Ukraine oder deren Partner für Detailfragen zu erreichen seien. Mit
Tagesanbruch am Freitag soll eine zweitägige Waffenruhe in Kraft treten,
die Moskau einseitig angekündigt hat. Sie erstreckt sich über die Feiern
zum Andenken an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg mit
Militärparade auf dem Roten Platz am Samstag. (dpa)
## Rheinmetalls Wachstum verlangsamt sich
Vor dem Hintergrund des Ukrainekrieges und der politischen Unstimmigkeiten
mit den USA kann der Rüstungskonzern Rheinmetall weiter deutlich zulegen.
Die zuvor steile Wachstumskurve wird allerdings flacher, wie
Unternehmenszahlen zum Jahresauftakt-Quartal zeigen. In den ersten drei
Monaten dieses Jahres wuchsen der Umsatz um 8 Prozent auf 1,9 Milliarden
Euro und das operative Ergebnis um 17 Prozent auf 224 Millionen Euro. Der
Zuwachs lag zwar auf einem hohen Niveau, er war aber deutlich schwächer als
im ersten Quartal 2025. Damals konnte die Firma im Umsatz und Ergebnis noch
um jeweils etwa die Hälfte zulegen. Konzernchef Armin Papperger zeigte sich
zufrieden mit der Entwicklung. „Wir konnten uns gegenüber dem sehr
erfolgreichen Vorjahresquartal weiter steigern“, sagte er. „Insbesondere
für das zweite Quartal 2026 erwarten wir ein stärkeres Wachstum beim Umsatz
und beim Auftragseingang, wo wir mit großvolumigen Beauftragungen im
Marine- sowie im Fahrzeugbereich rechnen.“ (dpa)
## Drohnen nahe der russischen Grenze in Lettland abgestürzt
In Lettland sind mehrere Drohnen abgestürzt, die nach Militärangaben von
Russland aus in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingeflogen
waren. Den Angaben der Streitkräfte zufolge gingen in der Nacht zu
Donnerstag zwei unbemannte Flugobjekte in der ostlettischen Region Latgale
nieder. Einheiten des Militärs, der Polizei und Feuerwehr sind vor Ort.
Berichte über Verletzte gab zunächst es nicht. Ob es sich um russische oder
ukrainische Drohnen handelte, blieb zunächst unklar. Allerdings fielen die
Vorfälle zeitlich mit ukrainischen Drohnenangriffen auf Ziele in Russland
zusammen. Verteidigungsminister Andris Spruds äußerte im lettischen
Fernsehen die Vermutung, dass es ukrainische Drohnen gewesen sind.
Nach Angaben der Einsatzkräfte ist eine der Drohnen auf ein Öllager in der
Stadt Rezekne gestürzte. Dabei seien vier leere Öltanks beschädigt worden.
Größere Schäden seien dort zunächst nicht zu erkennen gewesen, meldete das
lettische Fernsehen. Lettland grenzt im Osten an Russland und Belarus. Die
Bewohner der grenznahen Regionen hatten zuvor in der Nacht Handy-Warnungen
über eine mögliche Bedrohung des Luftraums erhalten. In einigen davon wurde
von den Behörden vorsorglich der Schulunterricht abgesagt. Nach
Armeeangaben waren mehrere Drohnen nach Lettland eingeflogen. (dpa)
## Regionalgouverneur: 13 Verletzte bei ukrainischem Angriff in Brjansk
Bei einem ukrainischen Angriff auf Wohngebäude in der westrussischen
Grenzstadt Brjansk sind nach russischen Angaben 13 Menschen verletzt
worden. Unter den Verletzten befinde sich auch ein Kind, teilte der
Regionalgouverneur Alexander Bogomas am Donnerstag im Onlinedienst Telegram
mit. Bei dem nächtlichen Angriff seien zwei Wohngebäude, mehr als 20
Wohnungen und rund 40 Fahrzeuge beschädigt worden. (afp)
## Ukraine: Vier Tote nach russischen Drohnenangriffen auf Sumy
Die Behörden der nordostukrainischen Region Sumy melden vier Tote bei
russischen Drohnenangriffen. Unter den Opfern seien zwei Mitarbeiterinnen
eines Kindergartens. Kinder hätten sich zum Zeitpunkt des Angriffs jedoch
nicht in dem Gebäude befunden. Eine weitere Person sei ums Leben gekommen,
als ein Wohnhaus von einer Drohne getroffen wurde. Ein Mann sei durch eine
Mine getötet worden, die mutmaßlich von russischen Streitkräften
abgeworfen wurde. Auch in Großstädten wie Charkiw, Krywyj Rih und
Saporischschja seien bei Luftangriffen private Gebäude und Infrastruktur
beschädigt worden. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte
auf der Plattform X, dies zeige, dass Russland den Frieden ablehne.
„Putin geht es nur um Militärparaden, nicht um Menschenleben.“ (rtr)
## Russland dringt vor möglichem Angriff auf Evakuierung ausländischer
Botschaften aus Kyjiw
Russland hat ausländische Botschaften in Kyjiw aufgefordert, ihr Personal
für den Fall eines russischen Angriffs auf die ukrainische Hauptstadt in
Sicherheit zu bringen. Die Botschaften sollten die „rechtzeitige
Evakuierung von Personal aus diplomatischen und anderen Vertretungen sowie
von Bürgern aus der Stadt Kyjiw sicherstellen“, erklärte das
Außenministerium in Moskau am Mittwoch in einer Note an ausländische
Botschaften. Es warnte vor einem russischen „Vergeltungsschlag“, sollte die
Ukraine die Gedenkfeiern am 9. Mai in Moskau stören.
Am 9. Mai wird in Russland des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland
im Zweiten Weltkrieg gedacht. Während der Feierlichkeiten hatte Moskau eine
einseitige Waffenruhe mit der Ukraine angekündigt. Zuvor hatte bereits das
russische Verteidigungsministerium mit einem Vergeltungsangriff auf das
Stadtzentrum von Kyjiw gedroht, sollte die Ukraine die Feuerpause brechen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Montag, eine
Waffenruhe, damit Moskau die Feierlichkeiten begehen könne, sei „nicht
ernst zu nehmen“. Russland habe Angst, dass ukrainische Drohnen „über den
Roten Platz schwirren“ könnten. Die Ukraine hatte für den 6. Mai eine
eigene einseitige Feuerpause verkündet. (afp)
## Witkoff und Umjerow treffen sich noch diese Woche in Miami
Der US-Sondergesandte Steve Witkoff wird sich US-Regierungsquellen zufolge
noch in dieser Woche mit dem Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats,
Rustem Umjerow, treffen. Umjerow solle dafür nach Miami reisen, erfuhr die
Deutsche Presse-Agentur aus dem Weißen Haus. Über die geplanten
Gesprächsinhalte sowie den Zeitpunkt des Treffens wurde nichts bekannt. Aus
der Ukraine gab es zunächst nur den Hinweis, dass Umjerow nicht an einem
Untersuchungsausschuss vor dem Parlament in Kyjiw teilnehmen könne, da er
auf Auslandsreise sei.
Ende April hatte US-Präsident Donald Trump mit Kremlchef Wladimir Putin
über eine mögliche Waffenruhe zu den Feierlichkeiten am 9. Mai gesprochen.
Später verkündete das russische Verteidigungsministerium eine zweitägige
Feuerpause, die in der Nacht zum Freitag in Kraft treten soll. Kyjiw
beantwortete dies mit dem Vorschlag, die Waffen bereits ab dem 6. Mai
schweigen zu lassen. Moskau hat diese Offerte bislang ignoriert. (dpa)
## Russland droht erneut
Russland verlegt nach ukrainischen Angaben Luftabwehrsysteme aus
verschiedenen Regionen in die Umgebung von Moskau, um die dortige
Militärparade am 9. Mai abzusichern. Dies zeige, dass sich die russische
Führung entgegen vielen Äußerungen nicht auf eine Waffenruhe vorbereite,
sondern sich mehr um die Parade sorge als um den Rest des Landes, schreibt
der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Plattform X. Der
Abzug der Systeme eröffne der Ukraine zugleich zusätzliche Möglichkeiten
für Angriffe mit großer Reichweite. Man werde nun die entsprechenden
Prioritäten setzen, fügt er hinzu. (rtr)
## Irankrieg beschert Russland Milliardenplus
Russland hat im April nach Angaben des Finanzministeriums auch dank des
Iran-Kriegs 917 Milliarden Rubel (gut zehn Milliarden Euro) an Steuern für
die Rohstoffförderung eingenommen. Das ist mehr als doppelt so viel wie
noch im März mit 443 Milliarden Rubel (4,9 Milliarden Euro), wie aus der
vom Ministerium veröffentlichten Statistik hervorgeht. Der Großteil
(umgerechnet etwa 8,5 Milliarden Euro) davon entfiel auf Einnahmen aus dem
Ölgeschäft. Allerdings schlugen zugleich die ukrainischen Angriffe auf die
Ölindustrie zu Buche. Der April war der erste Monat, in dem sich die
Preissteigerungen an den Weltmärkten infolge des Irankriegs voll bemerkbar
machten.
Moskau ist ein Verbündeter Teherans, mischt sich aber nicht offen
militärisch in den Konflikt Irans mit den USA und Israel ein. Russland ist
dabei einer der Hauptprofiteure von der Krise im Nahen Osten. Allerdings
kommt der Geldregen nicht uneingeschränkt im Haushalt an. So gab die
Regierung die Hälfte der Öleinnahmen an die russische Petrolindustrie
zurück. Die Konzerne sollten damit einerseits die Preissteigerungen im Land
für Benzin und Diesel dämpfen und andererseits ihre Raffinerien
modernisieren und reparieren. Die Ölindustrie ist eine wichtige
Einnahmequelle des Kremls für seinen Krieg gegen die Ukraine. Kyjiw zielt
mit seinen Drohnenangriffen daher neben Militäranlagen bewusst auf
Raffinerien, Öllager und Terminals, um diese Einnahmen zu schmälern. (dpa)
## Protest von Femen und Pussy Riot gegen Teilnahme Russlands an der
Biennale
Aktivistinnen der feministischen Organisation Femen und Mitglieder der
russischen Protestgruppe Pussy Riot haben kurz vor Beginn der Biennale in
Venedig lautstark gegen die erneute Teilnahme Russlands an der
international bedeutsamen Kunstausstellung protestiert. Frauen mit
entblößten Brüsten und Demonstrierende mit pinkfarbenen Sturmhauben machten
am Mittwoch ihrem Ärger vor dem russischen Ausstellungsgebäude lautstark
Luft und warfen rosafarbene Rauchbomben.
Der Protest erfolgte anlässlich einer Veranstaltung für die Medien drei
Tage vor dem für Samstag geplanten Beginn der Ausstellung in der
italienischen Metropole. „Wir sind hier, um daran zu erinnern, dass die
einzige russische Kultur, die einzige russische Kunst heutzutage Blut ist“,
sagte Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko in Anspielung auf den russischen
Angriffskrieg gegen die Ukraine. „Dieser Bau steht auf ukrainischen
Massengräbern.“ Ihren Angaben zufolge war es das erste Mal, dass die beiden
Gruppierungen eine gemeinsame Protestveranstaltung abhielten. (afp)
## Steinmeier informiert sich in Finnland über Zivilschutz
Nach seinem eintägigen Besuch in Stockholm setzt Bundespräsident
Frank-Walter Steinmeier seine Skandinavien-Reise in Finnland fort. In der
Hauptstadt Helsinki wird er politische Gespräche mit Ministerpräsident
Petteri Orpo und mit Präsident Alexander Stubb führen. Steinmeier und Stubb
wollen später die Zivilschutzanlage Merihaka besuchen. Der riesige Bunker
bietet im Ernstfall bis zu 6.000 Menschen Schutz. Anders als Deutschland
besitzt Finnland ein dichtes Netz an Luftschutzbunkern. Die in Helsinki
halten Platz für rund 900.000 Menschen bereit – für gerade einmal rund
660.000 Einwohner.
Der Bundespräsident will sich bei seiner zweitägigen Reise vor allem
darüber informieren, wie in Schweden und Finnland eine Mischung aus
Wehrhaftigkeit nach außen und Zusammenhalt nach innen gelingt. Finnland
zählt wie Schweden zu den jüngsten Nato-Partnern. Beide Länder waren erst
nach dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr
2022 in das westliche Verteidigungsbündnis eingetreten. (dpa)
7 May 2026
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