# taz.de -- Umweltschützer über brennende Ölanlagen: „Die Küstenregion wird über Jahre kontaminiert bleiben“
> Die Drohnenangriffe auf russische Raffinerien haben schwere Umweltfolgen,
> sagt Wladimir Slivjak. Die Schuld sieht er aber nur bei einem.
(IMG) Bild: Aufräumarbeiten nach einem ukrainischen Drohnenangriff im Schwarzmeerhafen von Tuapse in der Region Krasnodar, Russland
taz: Wladimir Slivjak, die Ukraine setzt [1][im Krieg mit Russland Drohnen]
gegen Fossilanlagen ein. Allein im April soll sie 14 entsprechende
Einrichtungen angegriffen haben, von Raffinerien bis hin zu Hafenterminals.
Ende vergangener Woche trafen die Attacken die Erdölverarbeitung bei
Jaroslaw und bei Perm. Was ist über die Folgen für die Umwelt bekannt?
Wladimir Slivjak: Auf beiden Geländen brennt es, auf Luftaufnahmen ist
starke Rauchentwicklung zu sehen. Bei Perm war es der dritte Angriff
innerhalb von neun Tagen. Die Raffinerie ist eine der größten in Russland
und produziert Treibstoff sowohl für den zivilen als auch für den
militärischen Sektor. Aktuell wird nun auch von Evakuierungen dort
berichtet. Denn bei den Bränden werden große Mengen giftiger und teil
krebserregender Stoffe freigesetzt. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere
Menschen und Personen mit Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Die
ganz konkreten ökologischen Folgen sind allerdings bisher begrenzt
dokumentiert.
taz: Ist das bei Tuapse anders? Die dortige Ölraffinerie war im März und
April viermal in zwei Wochen Ziel von Drohnenangriffen. Und es heißt, die
folgende Umweltkrise sei eine der schwersten seit dem Ende der Sowjetunion.
Slivjak: Die [2][Lage in Tuapse am Schwarzen Meer ist recht gut
dokumentiert,] weil sie so extrem ist. Die Raffinerie ist eine der größten
Russlands, vor allem aber bildet sie mit dem Hafenterminal einen zentralen
Knotenpunkt für den Export russischer Erdölprodukte. Die Brände dauerten
dort tagelang. Anwohner sprachen davon, dass ein „schwarzer Regen“ über die
Stadt gefallen sei. Inzwischen haben die Behörden eingeräumt, dass die
Grenzwerte etwa von Benzol und Xylol in der Luft weit überschritten waren.
taz: … [3][Benzol ist erwiesenermaßen krebserregend], Xylol reizt Atemwege
und zentrales Nervensystem und kann langfristig Organschäden verursachen.
Slivjak: Die akute Belastung ist aber nicht alles. Denn die Schadstoffe
bleiben in der Umwelt. Sie setzen sich auf Pflanzen ab, werden von den
Böden aufgenommen, belasten und vergiften Tiere. Luftverschmutzung und
kontaminierte Flächen wirken noch lange nach dem eigentlichen Angriff
weiter.
taz: Es wird auch von einem Ölteppich an der Schwarzmeerküste berichtet.
Slivjak: Es liefen mindestens 500 Tonnen Öl ins Schwarze Meer und
verschmutzten es über Dutzende Kilometer entlang der Küste. Auch andere
Orte wie Agoy, Nebug oder Olginka könnten noch betroffen werden. Überall an
den Stränden findet man immer noch tote Delfine, Vögel und Fische. Auf dem
Meereswasser hat sich eine Ölfilmschicht gebildet. Diese Schicht reduziert
den Sauerstoffaustausch und schädigt das gesamte marine Ökosystem.
Insgesamt bleibt diese Küstenregion über Jahre kontaminiert. Ölreste werden
durch Wellen und Stürme immer wieder an Land gespült. Im Sommer kann es
zusätzlich zu giftigen Dämpfen aus erwärmtem Öl im Boden kommen.
taz: Warum greift die Ukraine überhaupt russische Raffinerien an?
Slivjak: Das ist Putins Krieg gegen die Ukraine. Russland hat vor über vier
Jahren die Ukraine überfallen. Damit hat er die größte humanitäre,
militärische und ökologische Katastrophe in Europa seit dem Zweiten
Weltkrieg ausgelöst. Krieg bedeutet immer Umweltzerstörung – Luft, Wasser,
Böden, alles wird betroffen. Die Ukraine greift russische Raffinerien an,
weil mit diesen der Krieg gegen die Ukraine finanziert wird. Und solange
Russland Geld aus Öl und Gas bekommt, wird der Krieg weitergehen.
taz: Gäbe es keine anderen Wege als diese ökologische Katastrophe?
Slivjak: [4][Europa hat allein in diesem Jahr 3,9 Milliarden Euro für
russisches Gas bezahlt]. Dieses Geld fließt direkt in den Krieg. Wenn man
diesen Krieg wirklich beenden will, muss man die Einnahmequellen Russlands
reduzieren.
10 May 2026
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