# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Russische Armee ignoriert Selenskyjs Angebot für Waffenruhe
       
       > Russland hat nach Angaben Kyjiws in der Nacht erneut zahlreiche
       > ukrainische Städte beschossen. Moskau verstärkt indes die
       > Sicherheitsvorkehrungen vor seiner Militärparade.
       
 (IMG) Bild: Ein durch eine russische Drohne zerstörtes Haus in der Stadt Charkiw am 6. Mai 2026
       
       Eine Enttäuschung mehr: [1][Die beiden am Dienstag noch aktuell scheinenden
       ukrainischen und russischen Angebote von Waffenstillständen sind hinfällig
       geworden]. In der Nacht zum Mittwoch wurde der von Präsident Selenskyj
       angebotene Waffenstillstand von den russischen Streitkräften ignoriert.
       
       Seit den frühen Mittwochmorgenstunden ticken Warnmeldungen vor russischen
       Luftangriffen mehrmals die Stunde auf dem Telegram-Kanal der ukrainischen
       Luftstreitkräfte. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warf Moskau
       vor, auf die von Präsident Wolodymyr Selenskyj vorgeschlagene Waffenruhe
       nicht eingegangen zu sein. Russland zeige damit erneut, dass es kein echtes
       Interesse an einem Ende der Kampfhandlungen habe.
       
       Nach Angaben aus Kyjiw wurden unter anderem Saporischschja, Charkiw, Krywyj
       Rih und Cherson beschossen. In Saporischschja sei ein Industrieobjekt
       getroffen worden, in Charkiw ein Wohnhaus – dort wurden zwei Menschen
       verletzt. Auch aus Krywyj Rih wurden Drohnenangriffe gemeldet, während in
       Cherson eine gelenkte Fliegerbombe einschlug.
       
       Die ukrainische Luftwaffe erklärte, Russland habe in der Nacht insgesamt
       108 Drohnen und drei Raketen eingesetzt, wobei mehrere Einschläge bestätigt
       wurden. Allerdings wurde nicht spezifiziert, ob diese Angriffe vor oder
       nach Mitternacht stattgefunden hatten. In der ukrainischen Region Sumy
       wurde am Mittwoch eine Frau einem Drohnenangriff auf ein ziviles Fahrzeug
       getötet.
       
       ## Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen
       
       In russischen Grenzregionen wie Belgorod wurden erneut Drohnenangriffe
       gemeldet, bei denen Zivilisten verletzt wurden. Moskau hatte zuvor selbst
       eine Waffenruhe für den 8. und 9. Mai angekündigt – rund um die
       Militärparade zum „Tag des Sieges“ in Moskau. Nachdem Russland den
       ukrainischen Waffenstillstand ignoriert hat, spricht vieles dafür, dass
       Kyjiw sich genauso verhalten wird.
       
       „Die Russen haben die Waffenruhe gebrochen und eine Reihe von Angriffen auf
       die Ukraine verübt. Diese Handlungen des Aggressors machen den von Putin
       für den 9. Mai verkündeten ‚Waffenstillstand‘ zunichte“, textet Serhi
       Sternenko, Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, in seinem
       Telegram-Kanal. „Ruhe wird erst einkehren, wenn die Russen krepieren!“ so
       der 31-jährige Sternenko, ehemals Chef des „Rechten Sektors“ von Odessa.
       
       Kurz vor den Feierlichkeiten zum 9. Mai verstärkt Russland die
       Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt Moskau. Rund um den Kreml seien
       mobile Gruppen zur Abwehr von Drohnen gesichtet worden, berichtet Sternenko
       auf Telegram. Gleichzeitig würden in mehreren Städten – darunter Woronesch,
       Nischni Nowgorod, Kaliningrad und Nischni Tagil – die traditionellen
       Militärparaden vollständig abgesagt.
       
       Auch in zwei Bezirken der Region Tscheljabinsk sowie auf der annektierten
       Krim sollen keine Paraden stattfinden, so Sternenko. In Kursk, Brjansk,
       Belgorod und Saratow fänden die Feierlichkeiten in einem sehr
       eingeschränkten Rahmen statt, so Sternenko.
       
       ## Ausländische Besucher am 9. Mai
       
       [2][Zur Militärparade am 9. Mai in Moskau] werden mehrere ausländische
       Staats- und Regierungschefs erwartet. Nach Informationen des russischen
       Portals gazeta.ru wollen vor allem Vertreter aus Staaten der Gemeinschaft
       Unabhängiger Staaten (GUS) an den Feierlichkeiten teilnehmen.
       
       Zu den angekündigten Gästen zählen unter anderem der belarussische
       Präsident Alexander Lukaschenko, der armenische Premierminister Nikol
       Paschinjan sowie der kasachische Präsident Qassym-Schomart Tokajew.
       
       Nicht dabei sein wird hingegen der slowakische Ministerpräsident Robert
       Fico. Dieser, so die gazeta.ru, werde sich zwar am 9. Mai in Moskau
       aufhalten, an der Parade hingegen nicht teilnehmen. Er werde Blumen am Grab
       des unbekannten Soldaten ablegen und sich mit Russlands Präsident Wladimir
       Putin treffen. Auch im vergangenen Jahr war Fico am 9. Mai in Moskau. Der
       Militärparade auf dem Roten Platz hatte er ebenfalls nicht beigewohnt.
       
       6 May 2026
       
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