# taz.de -- Medien machen süchtig: Smartphones sind die neuen Zigaretten
       
       > In Zukunft werden auf Handys Hinweise prangen, die vor den Gefahren der
       > Mediensucht warnen. Natürlich mit Schockbildern.
       
 (IMG) Bild: Früh übt sich: Vielleicht dienen dereinst die schrecklichen Bilder von Kindern, die auf Smartphones starren, als Warnhinweise
       
       Gern wüsste ich, ob meine Enkelkinder eines Tages zu Filmaufnahmen aus den
       20er-Jahren ihren Kindern erklären, dass es zu dieser Zeit – also heute –
       völlig normal war, dass sich die Leute durchgängig an kleine Bildschirme
       geklammert haben. Sogar Kinder! Man wusste halt nicht, wie schädlich das
       war.
       
       Sie schauen darauf vielleicht ähnlich fassungslos wie ich heute auf
       Zigaretten in Filmen aus den 60ern: rauchende Menschen bei der Arbeit, in
       Flugzeugen und Bahnen, mit Kindern am Esstisch und beim Fernsehen auf dem
       Sofa. Widerlich!
       
       Wie lange es wohl dauert, bis auch auf Handys und Hüllen Sätze prangen wie:
       „Mediensucht verursacht Angst-, Essstörungen und Depressionen.“ Dazu
       natürlich die furchtbaren Bilder von Achtjährigen, die auf Smartphones
       starren. Oder von deren Eltern, die daneben sitzen und dasselbe tun.
       Wahrscheinlich wird es dann auch den Warnhinweis geben: „Handys verursachen
       Behinderungen.“
       
       „Digitaler Autismus“ wird das Krankheitsbild genannt, obwohl es gar kein
       Autismus ist. Der ist nämlich nie hausgemacht. In den Arztpraxen tauchen
       sie immer mehr auf: [1][schwer entwicklungsverzögerte Kinder, die kaum
       sprechen oder spielen, keinen Blickkontakt halten]. Statt sozialer
       Fähigkeiten haben sie nur einen Wunsch: Bildschirm!
       
       ## Vorsätzlich demokratiegefährdend
       
       Eigentlich gesunde Kinder, krank gemacht, indem sie in den ersten
       Lebensjahren schon beim Füttern Handys auf den Tisch oder in ihre Bettchen
       bekommen, die sie mit unendlich vielen Reizen überfluten, bevor sie
       überhaupt ihre eigene kleine Welt entdecken.
       
       Statt einer fetten Aufklärungskampagne bekommen Eltern bei [2][Telegram]
       sogar noch Falschinformationen darüber, dass Autismus durch Impfungen
       verursacht wird – ohne dass jemand dafür haftbar gemacht wird.
       
       Ich fürchte, [3][von den gesamtgesellschaftlichen Folgen des
       Massenmedienkonsums] auf Internetplattform-Monopolen ohne Faktenprüfung –
       die sich an Desinformation und Hassrede legal bereichern und deren schwer
       mehrfach reichen Eigentümern auch mal ein Hitler-Grüßlein entfährt (wie
       Elon Musk bei Donald Trumps Amtseinführung) – kann ich mir keine
       Vorstellung machen.
       
       Warum eiern wir herum beim Thema Social-Media-Verbot für Minderjährige? Es
       soll ja nicht das Internet abgeschaltet werden. Über Foren kann man sich
       weiterhin austauschen, sogar deutlich konstruktiver. Laut einer
       [4][Bertelsmann-Studie informieren sich drei Viertel aller jungen Menschen
       bei Tiktok, Instagram und Co über Politik] – wo das Verbreiten von Lügen
       unter Meinungsfreiheit läuft! Ich halte das für demokratiegefährdend, und
       zwar mit Vorsatz.
       
       Sobald wir entsprechende Gesetze haben und die Plattformen Kinder- und
       Jugendschutz umsetzen und ihre suchtverstärkenden Faktoren und
       Gehirnwäsche-Algorithmen abgestellt haben, können wir sie ja wieder
       erlauben. [5][Das massive Problem von Gaming- und Unterhaltungssucht ist
       dann aber immer noch nicht gelöst].
       
       ## Viele Erwachsene sind selber ziemlich unfähig
       
       Alkohol und Zigaretten [6][sind für Kinder auch verboten]. Das verdeutlicht
       die Gefahren und gibt Eltern und Behörden etwas an die Hand. Natürlich
       müssen wir zusätzlich Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz vermitteln –
       ehrlicherweise sind aber viele Erwachsene dabei selber ziemlich unfähig.
       
       Ohne Regulierung wird es nicht gehen. Ein Internetriese wird genauso wenig
       einer freiwilligen Selbstverpflichtung nachkommen wie meine 17‑jährige
       Tochter. Nur ist sie Opfer und nicht Täter.
       
       Ich freue mich schon auf die Zeit, in der es kleine, gelb markierte
       Handybereiche am Ende der Bahnhöfe gibt. Daneben ein Plakat für die
       Kampagne: „Diesen Mai werde ich handyfrei.“
       
       Hoffentlich passiert das noch, bevor die Bahn in den Zügen die Fenster
       [7][aufgrund mangelnder Nutzung abgeschafft hat]. Das ist nämlich mein
       Rezept gegen die Social-Media-gemachte Negativhetze: den Kopf heben und
       schauen, wie wunderschön das echte Leben ist. Besonders jetzt im Frühling.
       
       7 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hilfe-bei-Internetsucht/!6144925
 (DIR) [2] /Telegram/!t5254291
 (DIR) [3] /Studie-zu-Mediensucht/!6165391
 (DIR) [4] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2025/social-media-sind-essenziell-um-junge-menschen-mit-politischen-themen-zu-erreichen
 (DIR) [5] /Pro-und-Contra-zur-Foerderung-von-E-Sport/!5531422
 (DIR) [6] /Suchtberater-ueber-digitale-Medien/!6077907
 (DIR) [7] /Eine-Schnapsidee/!449844&s=Benno+Schirrmeister+computerspiele/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Birte Müller
       
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