# taz.de -- Rabatte im Supermarkt: Apps für die Zweiklassengesellschaft
       
       > Von Lidl bis Netto – Händler wollen mit Rabattapps Kund:innen an sich
       > binden. Diese zahlen für niedrigere Warenpreise auf andere Art.
       
 (IMG) Bild: An der Kasse mit der Händlerapp einkaufen ist billiger, aber die Kunden bezahlen dafür mit ihren Daten
       
       Die Zweiklassengesellschaft gibt es auch im Supermarkt. Die einen zücken an
       der Kasse ihr Smartphone, scannen eine App und bekommen günstigere Preise.
       [1][Die anderen] schütteln auf die App-Frage den Kopf – und bezahlen mehr
       Geld für ihre Waren. Aus Sicht der Händler sind die Apps ein Erfolg: Die
       Marktforschung zeigt, dass etwa zwei Drittel der Haushalte in Deutschland
       mindestens eine Händler-App verwenden. Doch wo die Händler gewinnen – da
       verlieren die Kund:innen.
       
       [2][Verbraucherschützer:innen] versuchen daher, gegen die App-Rabatte
       vor Gericht anzugehen. Penny und Lidl sind unter anderem im Visier, am
       Mittwoch wurde vor dem Oberlandesgericht Bamberg gegen Netto verhandelt.
       Die Supermärkte und Discounter, aber auch Möbelhändler oder Drogeriemärkte
       bringen die Rabatt-Apps nicht aus Freundlichkeitsgründen auf den Markt.
       Sondern weil sie sich davon Vorteile versprechen: Sie sammeln Daten über
       die Nutzer:innen.
       
       Je nach App von der E-Mail-Adresse über Geburtsdatum, Wohnanschrift und
       Telefonnummer bis hin zu der Frage, wer was wo wann eingekauft hat. [3][Die
       Daten können sie für gezielte Werbung nutzen] und damit ihre Umsätze
       steigern. Wie sensibel Daten über das Kaufverhalten sein können, sollte
       eigentlich seit mehr als zehn Jahren bekannt sein: Damals wurde eine junge
       Kundin in den USA aufgrund ihres Kaufverhaltens von einer Discounterkette
       als schwanger geoutet – noch bevor ihr Vater das wusste.
       
       Einkaufsdaten können sogar zeigen, in welchem Stadium einer Schwangerschaft
       sich Kundinnen befinden. Ganz zu schweigen von Waren, die schon für sich
       genommen viel verraten: etwa laktosefreie Produkte, Babybrei oder
       regelmäßige größere Mengen an Alkohol. Doch die App-Kundschaft zahlt nicht
       nur mit ihren Daten, sondern auch mit ihrer Freiheit. Wer eine oder zwei
       der entsprechenden Apps nutzt, wird wahrscheinlicher auch in den
       dazugehörigen Läden einkaufen als in anderen. Mehr Umsätze, mehr Daten –
       der Händler gewinnt immer.
       
       18 Mar 2026
       
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