# taz.de -- Reformaussichten in Guatemala: Etwas Hoffnung, aber nicht mehr
> Der Machtkampf zwischen Präsident Arévalo und der korrupten
> Generalstaatsanwältin Consuelo Porras ist mit der Ernennung ihres
> Nachfolgers vorbei.
(IMG) Bild: Präsident Arévalo am 23. April bei einem Protest indigener Gruppen. Sie verlangen die Freilassung eines indigenen Ex-Ministers
Guatemalas sozialdemokratisch orientierter Präsident Bernardo Arévalo hat
entschieden: Gabriel Estuardo García Luna wird neuer Generalstaatsanwalt
des mittelamerikanischen Landes. Aus einer Liste mit sechs Namen hat
Arévalo den an der katholischen Universität Rafael Landívar ausgebildeten
Juristen ausgewählt.
Genau das war von vielen Analysten auch erwartet worden, denn García Luna,
Jahrgang 1976, gilt als Kompromisskandidat. Einerseits hat er einen
sauberen Lebenslauf, andererseits erhielt er bei den Abstimmungen innerhalb
der Postulationskommission das Maximum an 15 Stimmen.
Das ist ungewöhnlich und riecht nach Abstimmung hinter den Kulissen, meinen
Experten wie der Rechtsanwalt und ehemalige Direktor der
Menschenrechtsorganisation CalDH, Héctor Reyes. Reyes hatte Präsident
Arévalo schon früh vorgeworfen, nicht die direkte Konfrontation mit dem
„Pakt der Korrupten“ und dessen Galionsfigur María Consuelo Porras gesucht
zu haben.
„Direkt nach seiner Vereidigung im Januar 2024 hätte Bernardo Arévalo
[1][Generalstaatsanwältin María Consuelo Porras] absetzen müssen. Dafür
hatte er die Bevölkerung und meiner Meinung nach auch die Verfassung auf
seiner Seite. Doch Arévalo hat gezögert, die Chance verstreichen lassen“,
kritisiert Reyes.
## Unklar bleibt Ausmaß der überfälligen Justizreform
Das könnte sich in den letzten Tagen wiederholt haben. Klar ist, dass der
Präsident die vier Kandidaten und zwei Kandidatinnen zum Gespräch im
Präsidentenpalast bat. Unklar ist jedoch, ob Arévalo García Luna auf seine
Linie hat einschwören können. Die lautet Reform des Justizsystems, ein Ende
der Instrumentalisierung der Justiz gegen Andersdenkende sowie das Ende des
Schutzes der korrupten Netzwerke. Letztere haben sich unter der Regie von
Generalstaatsanwältin María Consuelo Porras in vielen Institutionen des
Staates eingenistet, die Arévalo und sein Kabinett liebend gern säubern
würden.
Doch das geht nur mit einem willigen Generalstaatsanwalt und einem
Verfassungsgericht, die den Präsidenten unterstützen und nicht blockieren.
Doch ob García Luna voll und ganz auf der Seite Arévalos steht, ist genauso
unklar wie die Haltung des fünfköpfigen Verfassungsgerichts, das Mitte
April vereidigt wurde. Dort deutet vieles darauf hin, dass eine Richterin
von Fall zu Fall den Ausschlag geben könnte.
Wahrscheinlich ist, dass auch diese Richterin vorab Absprachen mit dem
einen oder anderen [2][Protagonisten des „Paktes der Korrupten“] getroffen
hat. Das wird sich aber erst im juristischen Alltag zeigen – von Abstimmung
zu Abstimmung.
Für Arévalo eine bittere Realität. Über Monate hatte sich alles in
Guatemala darum gedreht, die Schlüsselpositionen im Justiz- und Wahlsektor
mit frischem und vor allem ehrlichem Personal zu besetzen. Das scheint
gescheitert zu sein, denn weder im Verfassungsgericht noch im Wahlgericht,
das für die transparente Durchführung der Wahlen verantwortlich ist,
konnten Mehrheiten für die Regierung gewonnen werden.
Mit der Vereidigung des Generalstaatsanwalts sind die in Guatemala als
„Wahlen zweiten Grades“ titulierten Abstimmungen nun beendet. Dabei hat
sich Arévalo, anders als erhofft, sich nicht gegen die korrupten Strukturen
in Justiz und staatlichen Institutionen durchsetzen können.
## Ernüchterung inner- und außerhalb des Landes
Das dürfte innerhalb des Landes für Ernüchterung sorgen, denn über Monate
wurde genau beobachtet, wer von wem nominiert wurde und wer letztlich
wieder aus dem Kreis der Kandidat:innen herausfiel.
Doch auch außerhalb Guatemalas sind die Ergebnisse der „Wahlen zweiten
Grades“ mit Argusaugen beobachtet worden.Zum Beispiel von ehemaligen
Richtern wie Miguel Àngel Gálvez, ehemaligen Staatsanwälten wie Juan
Francisco Sandoval oder Virginia Laparra, die seit Jahren im Exil leben und
nur zu gerne zurückkommen würden, um wieder im Justizsystem zu arbeiten.
Das ist mit den Ergebnissen der „Wahlen zweiten Grades“ kaum zu erwarten.
Laparra hatte das ohnehin nicht für realistisch gehalten. „Für meine
Rückkehr nach Guatemala hätten Urteile revidiert und Ermittlungsverfahren
eingestellt werden müssen. Das habe ich nicht für realistisch gehalten“,
sagt die frühere Anti-Korruptions-Staatsanwältin. Sie hofft darauf, dass
unter García Luna zumindest mit den schlimmsten Auswüchsen des Systems
Porras Schluss sein könnte. Das hält auch der Menschenrechtler Reyes für
realistisch. Mehr aber wohl nicht.
7 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Knut Henkel
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