# taz.de -- Kriminalität in Guatemala: Mehr als ein Gefängnisaufstand
> Guatemalas Präsident Arévalo verhängt nach einer Meuterei in drei
> Haftanstalten den Ausnahmezustand. Es gibt Indizien für eine Verstrickung
> rechter Kräfte.
(IMG) Bild: Sicherheitskräfte betreten nach einem Aufstand das Gefängnis Preventivo Zona 18
Die Reaktion aus dem Präsidentschaftspalast kam prompt: Guatemalas
Präsident Bernardo Arévalo hat den Ausnahmezustand für 30 Tage verhängt.
Dadurch haben die staatlichen Stellen nun erweiterte Möglichkeiten, gegen
die Meuterei in drei Haftanstalten und die Ermordung von sieben Polizisten
und die Verletzung von 13 weiteren vorzugehen, sie aufzuklären und die
Netzwerke dahinter aufzuspüren. Klar ist, dass die Aufstände in den drei
Haftanstalten von der organisierten Bande Barrio 18 initiiert wurde.
Barrio 18 ist mehr als eine einfache kriminelle Bande, es ist ein
organisiertes, kriminelles Netzwerk, welches nicht nur in Guatemala,
sondern auch in Honduras und El Salvador existiert und mit der Bande MS-13
konkurriert. In Guatemala ist der Einfluss dieser Banden in den letzten
Jahren angestiegen, so Experten von „Insight Crime“, einem Analyseportal zu
den Strukturen organisierter Kriminalität.
Zu den zentralen Figuren innerhalb von Barrio 18 gehört „El Lobo“ alias
Aldo Dupie Ochoa Mejía, der in der Strafanstalt Renovación I in der Stadt
Esquintala einsitzt und der laut Innenminister Marco Antonio Villeda
verlegt werden sollte. Die Verlegung mehrerer ranghoher Barrio 18-Capos sei
der Grund für die synchronisierten Aufstände [1][in den drei
Vollzugsanstalten], von denen sich eine in der Hauptstadt und zwei in
Regionalstädten am Samstag ereigneten.
46 Wärter wurden dabei am Samstag als Geiseln genommen, alle wurden bis
Sonntag in einer Aktion von Eliteneinheiten befreit, die Aufstände
niedergeschlagen und die Rädelsführer festgenommen. Ein [2][erster
Etappenerfolg der Regierung Arévalo], die sehr genau begriffen hat, dass
der Aufstand einen politischen Hintergrund hat und die Regierung
herausfordern und unter Druck setzen soll.
## Verbindung zwischen Bande und Politik
Als Indiz dafür gilt nicht nur die Tatsache, dass Aldo Dupie Ochoa Mejía
gute Kontakte in die Politik hat, genauer in die rechte Partei UNE mit 28
Abgeordneten im Parlament. Mejía ist mit der Schwägerin von Parteichefin
Sandro Torres verheiratet, die wiederum als Gegnerin der derzeitigen
Regierung gilt und als Teil des „Paktes der Korrupten“.
Dieses informelle Netzwerk mit der Generalstaatsanwältin María Consuelo
Porras an der Spitze agiert in Guatemala quasi als [3][korrupter Gegenpol
zum progressiven Präsidenten] und lässt keine Chance aus, seiner Regierung
zu schaden. Aus diesem Grund spricht viel dafür, dass der Gefängnisaufstand
initiiert wurde. Die Regierung hat nun 30 Tage Zeit, um gegen die
Strukturen dahinter vorzugehen – in Politik und im kriminellen Milieu.
19 Jan 2026
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(DIR) Knut Henkel
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