# taz.de -- Der Untergang der „Heimat“: Das Ende als bundesweite Partei
       
       > Die Aufgabe der Parteizentrale markiert den Höhepunkt des Niedergangs der
       > Ex-NPD. Auch Bemühungen um jugendliche Neonazis erleiden damit einen
       > Rückschlag.
       
 (IMG) Bild: Neonazis bei der Heimat-Demonstration am 1. Mai in Essen
       
       Es ist fast ein Paradox: Der neuerliche Aufstieg des deutschen
       Rechtsextremismus, der Anfang der 2010er mit Thilo Sarrazins Buch
       „Deutschland schafft sich ab“ seinen Anfang nahm, drei Jahre später mit
       Entstehen der AfD seine organisierende Struktur fand und heute von der
       Übernahme von Regierungsmacht träumen darf, ging einher mit dem Niedergang
       der ältesten rechtsextremen Partei der Bundesrepublik.
       
       Während der Rassismus und Nationalismus wieder salonfähiger wurde, ging es
       für die in Die Heimat umbenannte ehemalige Nationaldemokratische Partei
       Deutschlands (NPD) im selben Zeitraum nur noch bergab. [1][Dass die Partei
       nun ihre Bundesparteizentrale in Köpenick verkaufen will], darf dabei fast
       schon als Kapitulation, womöglich als Ende einer bundesweit agierenden
       Parteistruktur angesehen werden.
       
       Im Jahr 2000, als die damalige NPD ihr Hauptquartier in der
       Seelenbinderstraße eröffnete, war sie noch die größte rechtsextreme
       Organisation des Landes. Nach einem gescheiterten Verbotsverfahren 2003
       brachte sie im Folgejahr etwa 2.500 Neonazis zu ihrer 1. Mai-Demonstration
       in Lichtenberg auf die Straße und erreichte kurz darauf bei der sächsischen
       Landtagswahl mit 9,2 Prozent das zweitbeste Wahlergebnis ihrer Geschichte.
       
       Doch schon bald blieben die Wahlerfolge aus, erst recht mit dem Erstarken
       der AfD. Finanziell geriet die Partei immer mehr in Schieflage, vor allem
       nach dem Ausschluss aus der Parteienfinanzierung Anfang 2024. Heute ist Die
       Heimat nur noch ein Schatten ihrer selbst: [2][Zu ihren letzten Berliner
       Demos konnte sie trotz Schulterschluss mit jugendlichen Nachwuchsnazis kaum
       mehr als 200 Menschen bewegen].
       
       ## Kein Geld, kein Personal, keine Wahl
       
       Ihr angekündigter Wegzug aus der Hauptstadt steht nicht nur dafür, dass sie
       finanziell am Ende ist, sondern ebenso dafür, dass sie kaum noch Personal
       hat, ihre Parteistrukturen aufrechtzuerhalten und als bundesweite Partei in
       der Versenkung verschwinden wird. Nennenswerte Strukturen und Immobilen
       gibt es vor allem noch in Sachsen und Nordrhein-Westfalen, wobei der Partei
       in Essen zuletzt die Nutzung ihrer Landeszentrale verboten wurde.
       
       Als Wahlpartei tritt Die Heimat schon gar nicht mehr in Erscheinung, trat
       weder bei der letzten Abgeordnetenhauswahl in Berlin, noch bei der
       sächsischen Landtagswahl oder jüngst in ihrem ehemaligen Stammland
       Baden-Württemberg an. Und dennoch: Zuletzt bemühte sich die Partei und ihre
       Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten um das aus dem Internet auf die
       Straßen geschwappte Spektrum jugendlicher Neonazis, um sich als
       ideologischer Verstärker anzudienen.
       
       Im vergangenen Jahr etwa trafen sich circa ein Dutzend Mitglieder der
       Deutschen Jugend Voran – [3][am Mittwoch Ziel bundesweiter Razzien im
       Rahmen einer Ermittlung wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung] – in
       der Köpenicker Parteizentrale zur „Rechtsschulung“ – von einem „Dutzend
       neuer Mitstreiter“ war die Rede. Ein Wegbrechen der Partei und ihrer festen
       Örtlichkeit in Berlin wird den Organisationsaufbau für solche eher losen
       Nazinetzwerke erschweren. Auch für das eine oder andere rechtsextreme
       Konzert dürfte die Ortssuche demnächst schwieriger werden.
       
       Gesamtgesellschaftlich wird das Wegbrechen der Heimat kaum ins Gewicht
       fallen. Da gibt es am rechten Rand inzwischen ganz andere Probleme.
       
       6 May 2026
       
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